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Israel – Die Einreise

Ich hatte darüber gelesen. Und es kam dann genau so. Das Einzelgespräch mit einem israelischen Einreisebeamten. Wegen eines „falschen“ Stempels im Pass.

Aber der Reihe nach. Irgendwann im Jahr 2010 kam Zypern als ein mögliches Reiseziel auf. Nur Zypern, das schien mir für eine größere Reise zu wenig. Die Frage, was „in der Nähe“ von Zypern liegt und ich noch nicht gesehen hatte, war schnell beantwortet. Israel und Ägypten. Und dazu der Frühling als ideale Reisezeit.

Larnaka, Zypern (A) – Tel Aviv, Israel (B) – Kairo, Ägypten (C)

Der Schritt von den Überlegungen zum Buchen der Flüge war – in Zeiten des Internets – nur noch ein kleiner. München – Larnaka, Larnaka – Tel Aviv, Kairo – München. Da es von Israel keinen günstigen Flug nach Ägypten gab, entschloss ich mich für die Überquerung der dortigen Grenze den Landweg zu nutzen.

Was noch fehlte, war das Visum für Ägypten, für Zypern reicht – als Mitglied der EU – ein Personalausweis, für Israel der Reisepass. Da ich Anfang 2011 eh in Berlin sein würde, wollte ich mein Ägypten-Visum dort direkt bei der Botschaft beantragen. Letzteres funktionierte – trotz der gleichzeitig stattfindenden Arabischen Revolution – erstaunlich problemlos (und ich war optimistisch, dass sich die Lage in Ägypten bis zu meiner Reise im April wieder beruhigen würde).

Ein Montagnachmittag im April 2011. Der letzte Tag auf Zypern. Inzwischen alleinreisend mache ich einem letzten Spaziergang durch Larnaka. Dann geht’s zum Flughafen. Vorbei am Salzsee, nochmals Ausschau nach dem einsamen Flamingo Sid haltend. Die üblichen Kontrollen am Eingang des Sicherheitsbereiches. Nochmals Kontrollen vor dem Einsteigen. Es ist schon dunkel als die Maschine von Cyprus Airways für den kurzen Flug übers Mittelmeer in Richtung Israel abhebt.

Flughafen Larnaka

Flughafen Larnaka

Flug Larnaka - Tel Aviv

Flug Larnaka - Tel Aviv

Flughafen Ben Gurion Tel Aviv

Flughafen Ben Gurion Tel Aviv

Kurz nach 21 Uhr die Landung in Tel Aviv. Da ich recht weit vorne im Flugzeug sitze, bin ich einer der ersten an den Schaltern der Passkontrolle. Richtig eilig habe ich es nicht, die Züge in Richtung der Innenstadt von Tel Aviv fahren um diese Tageszeit nur noch stündlich, den um 21:20 Uhr werde ich nicht erreichen.

Die israelische Grenzbeamtin durchblättert meinen Pass, stockt plötzlich, greift zum Telefonhörer. Dem Hebräischen nicht mächtig verstehe ich nur ein Wort – Syria. Wie zu erwarten hat sie das Visum meiner Syrienreise aus dem Jahr 2009 entdeckt. Ich möge doch bitte einen Moment warten…

Nach ein bißchen Warten an der Passkontrolle und noch ein bißchen Warten in einem kleinen Wartesaal sitze ich in einem Büroraum, wie er überall auf der Welt sein könnte. Mir gegenüber der eingangs erwähnte Einreisebeamte (was er genau ist, erfahre ich allerdings nicht). Was ich denn in Syrien gemacht hätte? Und was ich denn in Israel machen wolle? Wen ich denn so kenne und überhaupt? Quer durch meine Reiseaktivitäten geht das Gespräch, ausführlich unterhalten wir uns über das Champions League-Finale in Madrid aus dem vergangen Jahr. Und über das Fotografieren. Ein kurzer Abstecher ins berufliche Leben. Das Gespräch ist unterhaltsam. Und die Zeit läuft dahin.

Kurz nach 10 ist das Gespräch beendet. Ich habe „bestanden“, bekomme den Pass zurück, darf einreisen. Ein syrischer Stempel im Pass führte zu einem Gespräch bei der Einreise nach Israel, allerdings, ein israelischer Stempel im Pass macht das (Ein-) Reisen in viele arabische Ländern unmöglich. (Reise-) Politik im 21. Jahrhundert.

Nur noch gut zehn Minuten bis zur Abfahrt des nächsten Zuges. Sonst muss ich eine weitere Stunde warten. Vorbei an den Passkontrollhäuschen spurte ich zur Gepäckausgabe. Einsam und verlassen liegt mein Rucksack neben dem Gepäckband. Weiter zum Geldumtausch. Die Suche nach dem Bahnhof. Ein Ticket aus dem Automaten.

Um 22:19 Uhr stehe ich am Bahngleis. Um 22:20 sitze ich im Zug. Angekommen in Israel. Fahrt mit Zug und Bus ins Zentrum. Am Mittelmeer steige ich aus. Einchecken im Hotel. Hunger und Durst. Draußen auf der Straße gibt es noch geöffnete Straßenstände. Ich kaufe mir ein paar Flaschen Wasser und 100 Gramm Nüsse (und bin überrascht, dass die Waage schon beim ersten Versuch exakt 100 Gramm anzeigt. Noch mehr überrascht bin ich am darauffolgenden Abend als ich wieder 100 Gramm bestelle und die Waage wieder exakt 100 Gramm anzeigt – beim ersten Versuch. Die Verkäufer scheinen ein feines Gefühl für Gewichte zu haben, ein sehr feines…).

Bell Hotel Tel Aviv

Bell Hotel Tel Aviv

Am nächsten Morgen mache ich einen Fehler. Einen Fehler, der mich nicht nur eine Menge Zeit kosten wird, einen Fehler, der mich die ganzen nächsten Tage – zumindest ein bißchen – ständig beschäftigen wird. Ich schaue mir meinen Pass an und will meinen neuen Stempel begutachten. Ich blättere den Pass unzählige Male durch. Ich finde alles, nur nicht meinen israelischen Einreisestempel. Und der soll – spätestens – bei der Ausreise wichtig sein…

Was tun? Zurück zum Flughafen? Relativ weit und zeitraubend (denke ich zu diesem Zeitpunkt noch…). Die Touristeninfo ist gleich ums Eck. Vielleicht können die helfen. Die schicken mich zur deutschen Botschaft. Wohlwissend, dass die mir bestimmt nicht weiterhelfen können, gehe ich trotzdem hin. Die schicken mich weiter zum israelischen Innenministerium. Visumsabteilung. Für Fragen ist der Auskunftsschalter zuständig. Auskunft nach Nummern. Ich ziehe meine Nummern. 835 – wenn ich mich richtig erinnere. Die Anzeige steht auf 778. So ungefähr zumindest. Zehn Minuten später steht die Anzeige immer noch auf 778. Zwanzig Minuten später schon auf der 779. Es geht vorwärts…

Ich habe Glück, ich bekomme irgendwann die 785 „vererbt“. Und nach zwei Stunden bin ich an der Reihe! Der genervte Auskunftsbeamte hat keine halbe Minute für mich. Sie seien für Arbeitsvisa zuständig. Dass mit dem fehlenden Touristenvisaeinreisestempel wäre nicht so schlimm – glaubt er zumindest. Ohne Einreisestempel und mit dem Glauben des Auskunftsbeamten verlasse ich das Innenministerium wieder.

Mehr über die Reise durch Israel und die Weiterreise nach Ägypten demnächst.

Zypern

Es soll ja Leute geben, die wissen an ihrem ersten Urlaubstag nicht, was sie mit ihrem Urlaub machen werden. Bei mir läuft das anders. Voll mit Ideen für Jahre plane (und buche) ich meine Urlaubsreisen recht früh.

Da kann es Überraschungen geben. Beispielsweise Ägypten (fast) ohne Touristen. Wer rechnet schon mit einer Revolution in seinem geplanten Reiseland (und damit, dass anschließend keiner mehr hin will).

Die Reise im Frühjahr 2011 beginnt aber nicht in Ägypten, sondern in Zypern (oder auf Zypern, bei Inseln weiß ich nie so recht, was richtig ist). Neben der Frage der richtigen Präposition – in oder auf – ist auch Zyperns Lage interessant. Gefühlt gehört es zu Europa, geografisch ist es aber schon eindeutig asiatisch.

Den ersten Teil dieser Reise rund ums östliche Mittelmeer (neben Zypern und Ägypten steht auch noch Israel auf dem Programm) – um den es in diesem Bericht geht – werde ich von einer Freundin begleitet.

Kim, frisch geduscht, mit Rollköfferchen, Sonnenbrille im Haar, bereit für die gebuchte Rundreise.

Larnaka ist Start und Ende des zyprischen Teils der Reise, so zumindest der Plan. Dass dieser Plan allerdings korrigiert werden muss, haben wir einem in der Unterkunft in Larnaka vergessenen Reisepass zu verdanken (über das Wer den Pass vergessen hat, breite ich – als nicht Betroffener – großzügig den Mantel des Schweigens aus).

Onisillos Hotel Larnaka

Onisillos Hotel Larnaka

Jetzt könnte man meinen, dass ein vergessener Pass kein wirkliches Drama in einem zur EU gehörenden Land ist. Ist es auch nicht. Solange man im südlichen Teil der Insel bleibt. Will man aber den nördlichen Teil der Insel besuchen (der seit 1974 türkisch besetzt ist), muss man sich beim Grenzübertritt ausweisen können…

Die dadurch notwendig gewordene zusätzliche Übernachtung in Larnaka löst nicht nur Freude beim dortigen Hotelbesitzer aus, er lässt uns auch Sid – bei der Fahrt zurück nach Larnaka – kennenlernen. Sid ist ein Flamingo.

Sid

Sid

Allein stakst er durch den bei Larnaka gelegenen Salzsee. Dass in diesem See Flamingos staken ist nicht ungewöhnlich, dass es aber nur ein einzelner zu diesem Zeitpunkt des Jahres tut, wohl schon. Eine Teddyleiche komplettiert das traurige Bild an diesem Abend.

Der Besuch bei Mr. Thank You lässt diesen Abend aber doch noch fröhlich (und kalorienreich…) ausklingen.

Kebab Grill House Kalifatzia Larnaka

Kebab Grill House Kalifatzia Larnaka

Ausgerüstet mit unseren Pässen, machen wir zwei Ausflüge in den türkisch-besetzten Norden der Insel. In Nikosia ist das einfach. Die Grenze verläuft mitten durch die Stadt (damit hat Nikosia den zweifelhaften Ruhm, die zur Zeit weltweit einzige geteilte Hauptstadt zu sein). Zu Fuß wechselt man von einer Fußgängerzone in eine andere.

Der zweite Besuch des Nordens gestaltet sich schwieriger. Ziel ist Famagusta, ganz im Osten der Insel, mit seiner Hauptsehenswürdigkeit der Lala-Mustafa-Pascha-Moschee, der früheren St. Nikolaos-Kathedrale. Dass im griechischen Südteil der Insel nicht an jeder Ecke auf Ziele im Norden hingewiesen wird, das kann man ja verstehen, dass es aber überhaupt kein Schild gibt, dass auf Famagusta hinweist, das ist seltsam.

Als wir auf der Suche nach dem entsprechenden Grenzübergang fast am Aufgeben sind, schauen wir zum letzten Male auf unsere Landkarte. Eigentlich befinden wir uns auf der richtigen Straße. Wenn auch in verkehrter Richtung. Und in der anderen Richtung befindet sich – laut Landkarte – Famagusta. Aber in der anderen Richtung, da gab es nirgends ein Schild, dass auf Famagusta hingewiesen hätte. Aber Schilder, die auf Ammóchostos hinweisen… Und man ahnt es vielleicht, Ammóchostos ist der griechische Name von Famagusta. Wie fast alle Orte auf Zypern hat auch dieser Ort einen griechischen und einen türkischen Namen. Nur, dass in diesem Fall uns nur Famagusta bekannt war…

Vom Grenzübergang sind es noch ein paar Kilometer bis Famagusta. Zu weit um zu Fuß zu gehen. Und der Mietwagen darf nur meiner extra abgeschlossenen Versicherung mit. Einfacher geht es mit dem Taxi. Der türkische Grenzbeamte ist uns dabei behilflich. Ein freundlicher Taxifahrer holt uns ab und bringt uns später wieder zurück. Im türkischen Teil der Insel scheint es keine Geschwindigkeitsbegrenzungen zu geben, zumindest lässt sich dieser Schluss aus der Fahrweise unseres Fahrers ziehen. Oder – was wahrscheinlicher ist – der Taxifahrer kennt nicht nur einen Grenzbeamten…

Der Besuch in Famagusta ist schon sehr windig, richtig stürmisch wird es aber später am Kap Greko.

Sturm am Kap Greko

Sturm am Kap Greko

Kap Greko ist nicht nur stürmisch, es ist auch der letzte Versuch romantische Sonnenuntergangsbilder zu produzieren, so schön mit einer glutroten, in den Fluten des Mittelmeeres eintauchenden Sonne.

Sonnenuntergang bei Episkopi

Sonnenuntergang bei Episkopi

Sonnenuntergang über dem Felsen der Aphrodite

Sonnenuntergang über dem Felsen der Aphrodite

Sonnenuntergang über dem Salzsee bei Larnaka

Sonnenuntergang über dem Salzsee bei Larnaka

Sonnenuntergang am Kap Greco

Sonnenuntergang am Kap Greco

Die Reise begann aber nicht mit den Besuchen im Norden oder dem Fotografieren von Sonnenuntergängen, sondern mit dem Erkunden des griechischen Südens, tagsüber. Immer entlang des Mittelmeeres geht es erstmals in Richtung Westen. Dazwischen Abstecher an die abwechslungsreiche Küste, ein kurzer Besuch von Limassol.

Antony's Garden House Episkopi

Antony's Garden House Episkopi

Übernachtung im schönen Antony’s Garden House in Episkopi.

Antony's Garden House Episkopi

Antony's Garden House Episkopi

Neben landschaftlichen Schönheiten gibt es immer wieder Kultur in Form von Ausgrabungsstätten, meist römischer Natur. Meistens ist in den Ausgrabungsstätten nicht viel los, nur nicht in den Ruinen von Paphos.

Französische Sportgallier (ca. 200 Stück) umgarnen Kim, Jürgen verlässt Raum.

Neben den römischen Ruinen gibt es in Paphos noch die Königsgräber, sie sind nicht nur die – meiner Meinung nach (wessen auch sonst?) – interessanteste Ausgrabungsstätte Zyperns, sie haben auch riesige Puschteblumen! Ein wunderbares Fotomotiv, das selbst die vielen Schnecken in Vergessenheit geraten lässt! Nicht nur für mich.

Spaß beim Puschteblumen-Fotografieren

Spaß beim Puschteblumen-Fotografieren

Übernachtet wird auch in Paphos. Beim Versetzen eines Tischchens bemerke ich nicht die nur lose aufgelegte Glasplatte…

Jürgen randaliert.

Der Schaden hält sich zum Glück in Grenzen. Ein größerer Schaden wäre allerdings passiert, hätte es in dieser Nacht geregnet.

Roman Hotel Paphos

Roman Hotel Paphos

Die Unterkunft hatte zwar ein vor Regen schützendes Dach, aber keinen kostenlosen WLAN-Zugang. Ganz im Gegensatz zu der Kneipe, in der wir zur Abend aßen, und die auf der anderen Straßenseite lag. Empfang des Kneipen-WLANs gab es im Hotelzimmer keinen, auf dessen Balkon aber schon. Die Müdigkeit an diesem Abend muss mich so überrascht haben, dass ich vergaß, meinen kleinen Computer vom Balkon zurück ins Zimmer zu holen…

Von der sehr holprigen Fahrt zur Avgás-Schlucht und dessen (teilweisen…) Durchwanderung erhole ich mich mit einem Bad im kühlen Nass des Mittelmeeres.

Schotterweg: Jürgen hat Angst ums Auto und lässt sich vorher versichern, dass Kim beim Steckenbleiben schiebt.

Jürgen gibt auf 1/5 des Weges bereits fix und fertig mit nassen Füßen auf.

Badender JR

Badender JR

Man kann in Zypern aber nicht nur ganzjährig Baden (ok, dass man das ganzjährig könne, behaupten manche Eis aufpickelnde Nordeuropäer auch…), man kann auch Skifahren. Nicht ganzjährig, aber in den Wintermonaten.

Skischulen am Olympos

Skischulen am Olympos

Fürs Skifahren reichen die Schneereste am fast 2000 Meter hohen Olympos nicht mehr, eine Wanderung rund um seinen Gipfel verhindern sie aber trotzdem. Eine andere Wanderung können wir aber machen, die zum Kaledonia-Wasserfall.

Jürgen muss Loser Image wieder aufpolieren und durchschreitet mit Kneippschen Schritten den ca. 1,5 cm tiefen Bach.

Bei der abendlichen Fahrt zu unserem Übernachtungsort Troodos werden wir von einem lokalen Radiosender mit deutscher Musik berieselt, nur unterbrochen von deutschsprachigen Infos zu Nord-Zypern. Ich fühle mich an Radio Moskau erinnert.

Die kalten Außentemperaturen (bei der abendlichen Ankunft zeigt das Thermometer gerade mal noch 3 Grad an) vergessen wir schnell bei Commandaria und Schaschlik. Wir sind die einzigen essenden Gäste in einem Restaurant, das Platz für ganze Busladungen bietet. Eine weitere Überraschung bietet die Tür zu meinem Zimmer…

Jürgens Schlüssel funktioniert und 2 Sekunden später nicht mehr. Alles macht er kaputt.

Troodos Hotel

Troodos Hotel

Das Troodos-Gebirge bietet aber nicht nur landschaftliche Schönheiten, auch beherbergen seine Bergdörfer einige zum Weltkulturerbe gehörende  Scheunendachkirchen. Auf ihre Suche machen wir uns am folgenden Tag. Auf dieser Suche sehen wir – gelenkt durch meine hervorragende Navigatorin – Teile des Troodos-Gebirges, die noch kein Tourist zuvor gesehen hat (Anmerkung des Verfassers: Die in diesem Satz vorhandene – durch Ironie nur mühsam versteckte – Kritik ist übrigens – wenn ich ganz ehrlich bin – völlig unberechtigt (dies würde ich aber nie zugeben)). Und die Kirchen finden wir natürlich auch noch…

Die Woche Zypern ist ein toller Beginn meiner Reise rund ums östliche Mittelmeer. Weit weg von der Aufgeregtheit Israels und Ägyptens, die noch bevor steht.

Einen sehr großen Dank – nicht nur für die hier verwendeten Zitate und das Badebild – an meine Mitreisende! Für die inhaltliche Korrektheit der Zitate übernehme ich allerdings keine Verantwortung. 🙂

Andalusien

Flughafen München. Der Abflug des Air Berlin-Fluges nach Málaga wird schon zum zweiten Mal um eine Stunde verschoben. Waren die Probleme beim ersten Mal noch von „allgemeiner Natur“, sind sie jetzt konkreter, die Befestigung einer Notrutsche macht Zicken. Ein Grund sich Sorgen zu machen? Wohl eher nicht… Ein Flugausfall am eigenen Geburtstag? Das geht nicht.

Der etwas holprige Beginn der Reise setzt sich nach der Landung in Málaga fort. Langes Warten auf das Gepäck, völlig unnötige Schwierigkeiten beim Auffinden der Mietwagenfirma (die alte Weisheit, dass, wer lesen kann, sich klar im Vorteil befindet, hatte hier mal wieder seine Berechtigung…) und zu guter Letzt der Umstand, dass es eine auf der Karte eingezeichnete Autobahn in der wahren Welt noch gar nicht gibt.

Erstes Ziel ist der Felsen von Gibraltar. Da gerade kein Flugzeug startet oder landet, geht der Grenzübertritt schnell. Was der Grenzübertritt mit einem Flugzeug zu tun hat? Die Straße von Spanien nach Gibraltar verläuft quer über die Start- und Landebahn. Und wenn eben ein Flugzeug starten oder landen will… Eben.

The Rock Hotel in Gibraltar

The Rock Hotel in Gibraltar

In (oder auf?) Gibraltar ist alles very british, von der Steckdose bis zum Geld. Überlegungen der britischen Regierung im fernen London, Gibraltar an Spanien zurückzugeben, findet in der lokalen Bevölkerung nicht wirklich viel Zustimmung. 2002 stimmten 99 % der Abstimmenden für einen Verbleib unter britischer Herrschaft. Den Hinweis, die Fenster im Hotel bei Abwesenheit geschlossen zu halten, versteht man schnell. Selbst rund ums Hotel wimmelt es von Affen. Die auf Gibraltar lebenden Berberaffen sind die einzigen freilebenden Affen in Europa.

Von Gibraltar geht es nach Sevilla. Die andalusische Hauptstadt ist die einzige Stadt Andalusiens, die ich schon einmal besucht habe. 1992, anlässlich der Weltausstellung, als Abstecher einer Portugal-Reise. Das alte EXPO-Gelände macht jetzt aber einen teilweise ziemlich heruntergekommenen Eindruck. Ansonsten ist die Stadt eine strahlende Schönheit.

Hotel Monte Triana in Sevilla

Hotel Monte Triana in Sevilla

Das gilt auch für Granada, die nächste Station der Rundreise. In schwüler Hitze geht es zu Fuß hinauf zur Alhambra. Erinnerungen an Marrakesch machen sich dort breit. In der Altstadt Granadas die fast völlig von Häusern eingepferchte Kathedrale.

Hotel Hesperia in Granada

Hotel Hesperia in Granada

In der Hügellandschaft zwischen Granada und Córdoba liegt das Städtchen Priego de Córdoba, eines der weißen Dörfer Andalusiens.

Die Mezquita de Córdoba war nicht nur die Hauptmoschee des maurischen Spaniens, sie ist auch der größte Moscheebau Europas. Oder besser war. Denn seit der Reconquista ist sie eine katholische Kathedrale. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche in den Gebetssaal der Moschee hineingebaut.

Hotel Eurostars Maimonides in Córdoba

Hotel Eurostars Maimonides in Córdoba

Wie schon in den beiden Jahren zuvor, gibt es auch dieses Mal während meiner „Geburtstagsreise“ ein Konzert. Nach Bruce Springsteen 2008 im Camp Nou in Barcelona und U2 bei ihrem Heimspiel 2009 im Dubliner Croke Park ist es 2010 Mark Knopfler in dem eher beschaulichen Ambiente der Stierkampfarena von Córdoba. Obwohl der Auftritt in Córdoba eines der letzten Konzerte seiner Get Lucky-Tour ist, machte sowohl der Meister selbst als auch seine Mitstreiter einen spielfreudigen Eindruck. Allerdings war die Set List im Vergleich zu früheren Konzerten der Tour leicht gekürzt. Eher grenzwertig war allerdings der Krach, Konzertbesucher in Spanien unterhalten sich ständig und lautstark, was gerade bei ruhigen Passagen doch schon mal gewaltig nervt. Das gelegentlich auftretende Publikumszischen löst immer nur ein kurzes Schweigen aus. Auch die vor Konzertbeginn ausgesprochene Bitte keine Blitzlichter beim Fotografieren zu nutzen wird völlig ignoriert. Ein wahres Blitzlichtgewitter geht anfangs durch die Arena – wann sagt den Leuten endlich mal jemand, dass der Blitz einer Kompaktkamera dann doch keine 30 Meter reicht? Bei aller Kritik, die Begeisterung des spanischen Publikums, besonders bei den Dire Straits-Klassikern Romeo and Juliet, Sultans of Swing und Telegraph Road, ist riesig und ansteckend.

Nicht nur in der Stierkampfarena herrschen heiße TemperaturenGuy Fletcher, Mark Knopflers Keyboarder seit Dire Straits-Zeiten, schreibt in seinem Blog von 46 Grad während des Bühnenaufbaus. In den von mir im Juli 2010 besuchten Orten Andalusiens sinkt die Temperatur erst nach Sonnenuntergang unter 30 Grad. Aber dies ist nicht wirklich eine Überraschung. Überrascht bin in vielmehr davon, dass Andalusien, zumindest in den Gebieten, die ich auf dieser Reise durchquere, einen verhältnismäßig grünen Eindruck macht. Ich hatte eine vertrocknete Landschaft erwartet. Die Berge sind voll von einer schier unendlichen Anzahl von Olivenbäumen. Und wenn es mal keine Olivenbaumplantagen gibt, dann eben Sonnenblumenfelder.

Hotel Posadas de España in Málaga

Hotel Posadas de España in Málaga

Der Abschluss der kleinen Rundreise durch Andalusien bildet Málaga: Baden an der Costa del Sol und ein abendlicher Blick vom Monte Gibralfaro auf die Stadt. Dazu ein Reisejubiläum. Genau 25 Jahre früher begann – nicht nur für mich – das Reisen durch europäische Länder auf dem Bahnhof in Donaueschingen mit der Abfahrt des Nachtzuges nach Paris.

Eine Andalusien-Reise besteht nicht nur aus dem Abklappern von Sehenswürdigkeiten und Fotografieren. Auch wenn mancher, der mich zu kennt, das denken mag… Nein, meine geliebten Gambas al ajillo gab es in diesen Tagen – glaube ich – jeden Tag, und abends dazu ein kühles Bier.  Die schon vorab gebuchten Hotels – immerhin mit 3 oder 4 Sternen dekoriert – waren überraschend günstig. Hochsommer ist wohl nicht die Hochsaison für anadalusische Städte. Aber wenn man die Mittagshitze meidet, ist es eine schöne Zeit dorthin zu reisen.

Interrail – Die Dritte

Während meine erste Interrail-Reise wettertechnisch fast alles bot, von Dauerregen in Schottland bis Sonnenbrand an der Adria, war die zweite Auflage eher ein kühles Unterfangen – wie man es in Skandinavien irgendwie auch erwartet. Die dritte Europa-Tour im Zug im Sommer 1988 war das komplette Gegenteil davon, es war einfach nur heiß. Griechenland erlebte Temperaturen von fast 40 Grad.

Aber der Reihe nach. Bei meinen ersten beiden Interrail-Touren hatte ich schon viele Teile Europas durchstreift. Ich war ganz im Norden, viel im Westen und in Italien. Der Osten – wir befinden uns in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts – war, wenn überhaupt, nur relativ schwierig zu bereisen, schon gar nicht mit den Möglichkeiten eines Interrail-Tickets (Ausnahmen bestätigen auch hier wiedermal die Regel, wie man gleich sehen wird). Was noch blieb waren der Südosten und Südwesten Europas. Der Südwesten mit der iberischen Halbinsel schien mir damals nicht so reizvoll, in Portugal war ich, wenn auch kurz, im Frühjahr des gleiches Jahres. Und Spanien verlangte für viele Züge Zuschläge, was es auch nicht sehr verlockend machte. Der Südosten, der Balkan, war aber noch völliges Neuland.

Interrail Ticket 1988

Interrail Ticket 1988

Jugoslawien – das es damals noch gab – gehörte zwar zum Ostblock, spielte aber nicht nur politisch seine eigene Rolle, sondern war auch Mitglied im Interrail-Verbund. Dorthin sollte es als erstes gehen. Start in Schaffhausen, kurz hinter der deutschen Grenze, nicht weit weg von Donaueschingen. Durch die Schweiz und Österreich finden wir – auf dieser Reise begleitetete mich ein Studienfreund – den Weg nach Zagreb. Die heutige Hauptstadt Kroatiens gibt zwar keinen offensichtlichen Anlass, aber irgendwie herrscht doch ein gewisser Respekt vor dem „Osten“. Eine Art von Gefühl, das mich auch auf späteren Reisen immer mal wieder beschleicht, das aber fast immer – wenn man dann mal dort ist – völlig unbegründet ist.

Von Zagreb geht es auf langer Fahrt quer durch Jugoslawien nach Thessaloniki. Eine recht angespannte Zugfahrt. Unter Interrailern kursieren Geschichten über Überfälle und ähnliches auf diesem Streckenabschnitt. Uns passiert aber nichts.

Der Norden Griechenlands bildet ein schmaler Streifen entlang des Ägäischen Meeres. Diesen durchqueren wir in östlicher Richtung und machen dabei einen Badestopp in Alexandropolis. Da ich dazugelernt hatte, legte ich mich unter einen großen Sonnenschirm, bevor ich am dortigen Strand einschlief. Als nicht gerade kleiner Mensch ragten aber meine Füße darunter hervor…

Interrail Karte 1988

Interrail Karte 1988

Auf der Oberseite meiner Füße holte ich mir einen ausgewachsenen Sonnenbrand. Das Tragen von Schuhen war eine einzige Qual. Es half alles nichts, die Reise musste ja weitergehen. Und als nächstes stand Istanbul auf dem Programm. So lief ich die nächsten zwei Tage barfuß durch Istanbul. Das war – erstaunlicherweise – auch weitestgehend kein Problem, nur Wege, die den ganzen Tag schattenlos waren, galt es lieber zu meiden…

Istanbul – eine unglaublich vielseitige und aufregende Stadt – bot auch eine Neuerung in meinem Interrailleben: Die bezahlte Übernachtung. Sinnvolle Nachtzüge nach irgendwohin und zurück gab es nicht. Und der kleine Bahnhof bot auch keine brauchbaren Ecken. Zu dritt teilten wir uns ein Zimmer in einer sehr einfachen Unterkunft. Istanbul bot noch eine zweite Neuerung in meinem Leben: Das erstmalige Verlassen Europas. Ohne viel Aufwand fährt man mit der Fähre über den Bosporus und schon ist man in Asien!

Von Istanbul ging es in zwei Nächten und einem Tag durch das nördliche Griechenland nach Kalambaka. Überfüllte Züge. Und Stehklos – aus hygienischen Gründen kann man in einem Stehklo ja auch Vorteile sehen, wenn aber der Zug – trotz oder vielleicht gerade wegen seiner unendlichen Langsamkeit – ständig durchgerüttelt wird, sind diese eine wahre Herausforderung. Und entsprechend sahen sie aus. Dazu die Hitze. Der Versuch in der Gepäckablage zu schlafen, scheitert kläglich. Dort ist es noch wärmer.

Griechenland 1988: Im Abteil

Griechenland 1988: Im Abteil

Und wo ist Kalambaka? Es liegt am Fuße der Metéora-Klöster, Klöster, die sich auf der Spitze von steil-aufragenden Felsen befinden. Früher konnten diese nur über abenteuerliche Seilwinden erreicht werden. Im öffentlichen Bus, der die Touris zu den Klöstern bringt, herrscht Arbeitsteilung: Es gibt den Fahrer, es gibt den Fahrkartenverkäufer. Und es gibt den Fahrkartenkontrolleur, der die Fahrkarten, die sein Kollege gerade verkauft hat, wieder einsammelt. Ein Arbeitsbeschaffungsprogramm auf griechisch.

Von Kalambaka weiter in Richtung Delphi. Nur nicht nach Fahrplan (der auch – wenn nicht gerade „Drähn kabut“ – höchstens eine Absichtserklärung darstellt). Irgendwann kommt ein Zug. Zuckeln bis Paleofarsalos (im Frühjahr 2008 – fast genau 20 Jahre nach meinem ersten Besuch – staune ich Bauklötze, als ich im Rahmen einer Balkanrundreise wieder zu den Metéora-Klöstern komme, und einen durchgehenden Intercity nach Athen auf den Bahnhofsgleisen Kalambakas sehe). Warten. Weiterzuckeln in Richtung Süden. Außerplanmäßiges Ende in Bralos. Waldbrände verhindern die Weiterfahrt. Es ist schon Nacht. Zu fünft nehmen wir ein Taxi nach Delphi. Am Taxi funktioniert nur das Fernlicht. Kommt ein Auto entgegen, schaltet der Fahrer „zur Sicherheit“ das Licht ganz aus…

In Delphi kommt zum ersten Mal eine weitere Internet-Neuheit zum Einsatz: Die Isomatte. Zwischen ein paar Bäumen unweit des Einganges zum Ausgrabungsgelände breite ich sie aus und schlafe so gut, dass ich erst durch anrückende Besucher am Morgen mit ihren Unterhaltungen geweckt werde. Abends mit dem Bus nach Levadia. Die Nacht auf dem Bahnhof. Mit dem ersten Zug am Morgen in die griechische Hauptstadt Athen.

Athen finde ich enttäuschend. Es gibt die interessanten antiken Ruinien, Akropolis und Agora beispielsweise. Und dann? Die Stadt scheint danach in einen Jahrtausende langen Schlaf gefallen zu sein. Nicht wie Rom – die andere große Stadt der europäischen Antike -, die heute Sehenswertes aus vielen Jahrhunderten der Geschichte bietet.

Von Piräus – dort nächtigten wir in einer einsamen Ecke des Hafens – geht es mit Fähren und Zwischenstopps auf Ägina und Angistri auf den Peloponnes. Das Theater in Epidauros, die Zahnradbahn Diakopton – Kalavrita und das antike Olympia stehen auf dem Programm. Nachtzüge gibt es hier nicht. Übernachtet wird entweder auf dem Bahnhof oder einfach irgendwo, der Isomatte sei Dank!

Tagsüber sind die Züge meist voll, man ist froh, überhaupt einen Platz zu bekommen.

Griechenland 1988: Im Gepäckwagen

Griechenland 1988: Im Gepäckwagen

Dieses Bild war eines von drei Gewinnerbilder eines Wettbewerbes, den GEO Saison zu ihrem 20-jährigen Bestehen durchführte. In diesem Wettbewerb suchte die Zeitschrift Bilder aus ihrer Gründungszeit.

Mit der Fähre ging es über die Adria von Patras ins italienische Brindisi. Die Fähre ist auch der Grund für die blaue Farbe des Interrail-Tickets. Mit der Option „+ Schiff“ durfte man nicht nur alle nicht-deutschen Züge nutzen, auch bestimmte Fähren waren damit kostenlos. Von Brindisi mit einem Zwischenstopp in Tarent nach Reggio di Calabria. Dort mal wieder eine Nacht auf dem Bahnhof. Morgens die Fähre nach Messina. Sizilien! Zug nach Catania. Nicht, dass ich mir Catania anschauen wollte. Nein, das Ziel ist der Ätna. Auf der Suche nach einer Fahrgelegenheit, die uns Richtung Gipfel bringen soll, geraten wir in eine merkwürdige Situation. Erst später wird uns bewusst, dass wir übers Ohr gehauen werden sollten (was den Betrügern aber nicht gelingt, weil uns schlichtweg das nötige „Kleingeld“ fehlte). Mit einem Bus gelangen wir schließlich in höhere Regionen des Ätnas, allerdings noch weit weg vom Gipfel. Dort laufen wir noch stundenlang über die Weiten der Lavafelder. Abends kommen wir per Anhalter und einem Bus zurück nach Catania, fahren von dort mit dem Zug nach Syrakus. Leider macht der Bahnhof in Syrakus über Nacht zu, so dass wir uns zu mitternächtlicher Stunde noch eine Unterkunft suchen müssen.

Die Fahrt von Syrakus, beginnend am nächsten Abend, in Richtung Norden war dann eine äußerst merkwürdige. Eine im Mülleimer des Toilettenabteiles gefundene Handtasche, die erst niemand vermisst, dann aber doch jemandem gehört. Und das Schussloch im Fenster! Mitten in der Nacht schrecken wir durch ein Geräusch auf. Die äußere Scheibe des Abteils hat ein Loch. Es war wohl nur die Kugel eines Luftgewehrs. Aber richtig ruhig kann man danach auch nicht mehr schlafen…

Mailand ist die letzte Station der „Hauptreise“, viel Zeit für die Besichtigung der Stadt bleibt allerdings nicht mehr, da der Syrakus-Zug nicht nur seltsame Ereignisse mit sich brachte, er hatte auch mehrere Stunden Verspätung. Am Nachmittag geht es weiter nach Hause.

Die Schweiz (u.a. mit dem Glacier-Express von Brig nach Chur) und ein abschließendes Wochenende in Paris sind die letzten Ziele dieser Reise.

Nicht nur diese Interrail-Tour ist damit vorbei, auch die Interrail-Zeit insgesamt ist damit für mich zu Ende (oder vielleicht doch nicht? Inzwischen gibt es das Interrail-Ticket ja für jede Altersklasse…), die Zeit der großen Bahnreisen fast auch. Nur noch ein gelegentliches Aufflackern, aber nicht mehr in Europa.