Andalusien

Flughafen München. Der Abflug des Air Berlin-Fluges nach Málaga wird schon zum zweiten Mal um eine Stunde verschoben. Waren die Probleme beim ersten Mal noch von “allgemeiner Natur”, sind sie jetzt konkreter, die Befestigung einer Notrutsche macht Zicken. Ein Grund sich Sorgen zu machen? Wohl eher nicht… Ein Flugausfall am eigenen Geburtstag? Das geht nicht.

Der etwas holprige Beginn der Reise setzt sich nach der Landung in Málaga fort. Langes Warten auf das Gepäck, völlig unnötige Schwierigkeiten beim Auffinden der Mietwagenfirma (die alte Weisheit, dass, wer lesen kann, sich klar im Vorteil befindet, hatte hier mal wieder seine Berechtigung…) und zu guter Letzt der Umstand, dass es eine auf der Karte eingezeichnete Autobahn in der wahren Welt noch gar nicht gibt.

Erstes Ziel ist der Felsen von Gibraltar. Da gerade kein Flugzeug startet oder landet, geht der Grenzübertritt schnell. Was der Grenzübertritt mit einem Flugzeug zu tun hat? Die Straße von Spanien nach Gibraltar verläuft quer über die Start- und Landebahn. Und wenn eben ein Flugzeug starten oder landen will… Eben.

The Rock Hotel in Gibraltar

The Rock Hotel in Gibraltar

In (oder auf?) Gibraltar ist alles very british, von der Steckdose bis zum Geld. Überlegungen der britischen Regierung im fernen London, Gibraltar an Spanien zurückzugeben, findet in der lokalen Bevölkerung nicht wirklich viel Zustimmung. 2002 stimmten 99 % der Abstimmenden für einen Verbleib unter britischer Herrschaft. Den Hinweis, die Fenster im Hotel bei Abwesenheit geschlossen zu halten, versteht man schnell. Selbst rund ums Hotel wimmelt es von Affen. Die auf Gibraltar lebenden Berberaffen sind die einzigen freilebenden Affen in Europa.

Von Gibraltar geht es nach Sevilla. Die andalusische Hauptstadt ist die einzige Stadt Andalusiens, die ich schon einmal besucht habe. 1992, anlässlich der Weltausstellung, als Abstecher einer Portugal-Reise. Das alte EXPO-Gelände macht jetzt aber einen teilweise ziemlich heruntergekommenen Eindruck. Ansonsten ist die Stadt eine strahlende Schönheit.

Hotel Monte Triana in Sevilla

Hotel Monte Triana in Sevilla

Das gilt auch für Granada, die nächste Station der Rundreise. In schwüler Hitze geht es zu Fuß hinauf zur Alhambra. Erinnerungen an Marrakesch machen sich dort breit. In der Altstadt Granadas die fast völlig von Häusern eingepferchte Kathedrale.

Hotel Hesperia in Granada

Hotel Hesperia in Granada

In der Hügellandschaft zwischen Granada und Córdoba liegt das Städtchen Priego de Córdoba, eines der weißen Dörfer Andalusiens.

Die Mezquita de Córdoba war nicht nur die Hauptmoschee des maurischen Spaniens, sie ist auch der größte Moscheebau Europas. Oder besser war. Denn seit der Reconquista ist sie eine katholische Kathedrale. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche in den Gebetssaal der Moschee hineingebaut.

Hotel Eurostars Maimonides in Córdoba

Hotel Eurostars Maimonides in Córdoba

Wie schon in den beiden Jahren zuvor, gibt es auch dieses Mal während meiner “Geburtstagsreise” ein Konzert. Nach Bruce Springsteen 2008 im Camp Nou in Barcelona und U2 bei ihrem Heimspiel 2009 im Dubliner Croke Park ist es 2010 Mark Knopfler in dem eher beschaulichen Ambiente der Stierkampfarena von Córdoba. Obwohl der Auftritt in Córdoba eines der letzten Konzerte seiner Get Lucky-Tour ist, machte sowohl der Meister selbst als auch seine Mitstreiter einen spielfreudigen Eindruck. Allerdings war die Set List im Vergleich zu früheren Konzerten der Tour leicht gekürzt. Eher grenzwertig war allerdings der Krach, Konzertbesucher in Spanien unterhalten sich ständig und lautstark, was gerade bei ruhigen Passagen doch schon mal gewaltig nervt. Das gelegentlich auftretende Publikumszischen löst immer nur ein kurzes Schweigen aus. Auch die vor Konzertbeginn ausgesprochene Bitte keine Blitzlichter beim Fotografieren zu nutzen wird völlig ignoriert. Ein wahres Blitzlichtgewitter geht anfangs durch die Arena – wann sagt den Leuten endlich mal jemand, dass der Blitz einer Kompaktkamera dann doch keine 30 Meter reicht? Bei aller Kritik, die Begeisterung des spanischen Publikums, besonders bei den Dire Straits-Klassikern Romeo and Juliet, Sultans of Swing und Telegraph Road, ist riesig und ansteckend.

Nicht nur in der Stierkampfarena herrschen heiße TemperaturenGuy Fletcher, Mark Knopflers Keyboarder seit Dire Straits-Zeiten, schreibt in seinem Blog von 46 Grad während des Bühnenaufbaus. In den von mir im Juli 2010 besuchten Orten Andalusiens sinkt die Temperatur erst nach Sonnenuntergang unter 30 Grad. Aber dies ist nicht wirklich eine Überraschung. Überrascht bin in vielmehr davon, dass Andalusien, zumindest in den Gebieten, die ich auf dieser Reise durchquere, einen verhältnismäßig grünen Eindruck macht. Ich hatte eine vertrocknete Landschaft erwartet. Die Berge sind voll von einer schier unendlichen Anzahl von Olivenbäumen. Und wenn es mal keine Olivenbaumplantagen gibt, dann eben Sonnenblumenfelder.

Hotel Posadas de España in Málaga

Hotel Posadas de España in Málaga

Der Abschluss der kleinen Rundreise durch Andalusien bildet Málaga: Baden an der Costa del Sol und ein abendlicher Blick vom Monte Gibralfaro auf die Stadt. Dazu ein Reisejubiläum. Genau 25 Jahre früher begann – nicht nur für mich – das Reisen durch europäische Länder auf dem Bahnhof in Donaueschingen mit der Abfahrt des Nachtzuges nach Paris.

Eine Andalusien-Reise besteht nicht nur aus dem Abklappern von Sehenswürdigkeiten und Fotografieren. Auch wenn mancher, der mich zu kennt, das denken mag… Nein, meine geliebten Gambas al ajillo gab es in diesen Tagen – glaube ich – jeden Tag, und abends dazu ein kühles Bier.  Die schon vorab gebuchten Hotels – immerhin mit 3 oder 4 Sternen dekoriert – waren überraschend günstig. Hochsommer ist wohl nicht die Hochsaison für anadalusische Städte. Aber wenn man die Mittagshitze meidet, ist es eine schöne Zeit dorthin zu reisen.

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Europäische Kulturhauptstadt

Auf den ersten Blick würde ich Essen (und mit ihr das gesamte Ruhrgebiet) nicht unbedingt als erste Wahl für eine Europäische Kulturhauptstadt halten. Aber dem war im Jahr 2010 so. Was erwartet man von einer Stadt die einen solchen Titel trägt? Einen gewissen kulturellen Anspruch.

Mit der Kokerei und Zeche Zollverein besitzt die Stadt sogar ein Weltkulturerbe. Keine schlechte Voraussetzungen, könnte man meinen. Nur irgendwie bekommt man den Eindruck, man hat es niemandem vor Ort gesagt. Ein einfaches Beispiel: Abendführungen über das angestrahlte Zechengelände finden nur einmal (!) die Woche statt. Und um dies – und die Ausgebuchtheit der Tour – herauszufinden, fragt man am (immerhin besetzten) Infostand vor Ort nach, erhält dort eine Telefonnummer, ruft dort an und erfährt dann eben, dass der Termin in dieser Woche ausgebucht sei.

Zeche Zollverein Essen

Zeche Zollverein Essen

Überhaupt die Sache mit der Information. Wäre der Aufwand wirklich unbezahlbar, auf dem großen Gelände von Kokerei und Zeche ein paar Hinweisschilder aufzustellen, auf denen die Besucher informiert würden, was sie denn sehen? Nicht jeder kann mit den vorhandenen Stahlungetümen von Haus aus etwas anfangen.

Und die zahllosen Baustellenabsperrgitter? Gehören diese zum Kulturobjekt? Für ein Weltkulturerbe und eine Europäische Kulturhauptstadt ist das alles ziemlich unwürdig. Dass einem dann mitten in der abendlichen Fotosession auch noch die Beleuchtung abgedreht wird, war dann wohl einfach Pech.

Dass es besser geht, zeigt der Landschaftspark Nord in Duisburg. Das dortige ehemalige Hüttenwerk ist hervorragend mit Wegen erschlossen. Der riesige Hochofen bis zur Spitze erklimmbar. Hinweisschilder beschreiben viele Details der Anlage. Hier ist Industriekultur spürbar und macht auch Spaß.

Aber noch einmal zurück nach Essen. Die Lichtburg, ein Kino in der Innenstadt, wirbt für sich als größter Kinosaal Deutschlands, 1250 Plätze. Das mag auch so sein. Allerdings ist er wohl auch der größte leere Kinosaal Deutschlands. In der Freitagabend-Spätvorstellung des am Tag zuvor angelaufenen Films Robin Hood verlieren sich gerade mal 10 oder 15 Besucher.

Und auch das gerne vom Ruhrgebiet gepflegte Image, Deutschlands Fußball-Hauptstadt zu sein, hält der Realität nicht völlig Stand, zumindest nicht in Essen. Es ist Samstagabend. In Berlin findet das deutsche Pokalendspiel zwischen Bayern München und Werder Bremen statt. Und ich suche eine Fußballkneipe in Essens Innenstadt. Die erste Empfehlung lautet, man solle doch nach Dortmund fahren, dort gäbe es Fußball in jeder Kneipe (das erinnert mich an “Was ist das beste an Stuttgart? – Die Autobahn nach München”). Ein toller Rat 20 Minuten vor Spielstart! Was ist los mit Essen?? Letztendlich sehe ich das Spiel in der Kneipe Der Löwe. Es handelt sich um eine Wirtschaft, die völlig von der Münchner (!) Löwenbräu-Brauerei geprägt ist! Bayerisches Bier und bayerische Gerichte. Und das mitten im Herz des Ruhrgebiets! Egal, der FC Bayern gewinnt 4:0 und ich bin zufrieden.

P.S.: Sehenswert sind die erwähnte Zeche und Kokerei Zollverein trotzdem. Auch Park und Villa Hügel mit anschließendem Baldeneysee.

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Am Rande erwähnt (3)

Die Erkenntnisse eines Wochenendes im November 2010:

  1. Roger Glover kann Bass spielen.
  2. Child in Time ist und bleibt einer der größten Rock-Songs aller Zeiten – auch (oder vielleicht gerade), wenn es in einer klassischen Konzerthalle gespielt wird.

Punkt 1 überrascht nicht wirklich, sollte man meinen, schließlich ist Roger Glover über 40 Jahre Bassspieler, davon die meiste Zeit bei Deep Purple. Zusammen mit Schlagzeuger Ian Paice bildet er die wohl beste Rythmn Section der Rockgeschichte (die eine oder andere Bewertung in diesem Beitrag könnte eventuell – zumindest etwas – subjektiv eingefärbt sein). Nur, was vor nicht allzu langer Zeit (Band-historisch betrachtet) begann, war, dass Roger plötzlich live Solos spielt, ein Vorrecht, dass Jahrzehnte der Gitarre und dem Keyboard bei Deep Purple vorbehalten war. Und was er an diesem Novemberabend in der Mitte des Zugabenteils in der Münchner Olympiahalle bot, hat mich vom (wenn auch imaginären) Hocker gehauen.

Zu Punkt 2 komme ich später. Erst ein Blick zurück. Weit zurück. Ok, relativ weit zurück…

Meine Jugendzeit war – rein musikalisch betrachtet – reichlich indifferent (um es mal vorsichtig auszudrücken). Das Radio lief – oder auch nicht. Die Platte, die mein musikalisches Leben verändern sollte, war Perfect Strangers, mit dem Deep Purple in ihrer legendären Mark 2-Besetzung (Ritchie Blackmore, Ian Gillan, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice) 1984 ihre Rückkehr feierten. 1976 hatte sich die Band – d.h. das, was von ihr zu diesem Zeitpunkt noch übrig war – aufgelöst.

Meine erste eigene Platte (zu einem eigenen Plattenspieler sollte ich es allerdings nicht mehr bringen…) war dann aber nicht Perfect Strangers (das hatte ich schon auf Cassette, noch so ein Medium das im MP3-Zeitalter kaum noch einer kennt), sondern Greatest Purple, ein Doppelalbum mit den Band-Höhepunkten aus den 1960er und 1970er Jahren. Um es kurz zu machen, ich hatte meine Lieblingsband gefunden (und bis heute behalten – auch wenn sich mein musikalisches Spektrum im Laufe der Zeit noch ausweiten sollte…).

Live sollte ich Deep Purple erst im Rahmen der House of Blue Light-Tour sehen. Stuttgart, Schleyerhalle, 18. Februar 1987. Schon Wochen vorher fieberte ich auf den Termin hin.  Ziemlich früh war ich dort, um einen (Steh-) Platz weit vorne zu bekommen. Meine kleine Schwester ging dann doch frühzeitig im Gewühl unter.

Deep Purple Stuttgart 1987

Deep Purple Stuttgart 1987

Die Vorgruppe war auch überstanden. Bühnenumbau. Dunkelheit. Die ersten Trommelschläge von Highwar Star. Ich glaube, ich bin den Rest des Abends nur mit offenem Mund dagestanden.

Noch im Sommer des gleichen Jahres sah ich Deep Purple das zweite Mal, dieses Mal als Headliner des Monster of Rock-Open Air-Festivals in Pforzheim. Langes Warten in drückender Hitze bis zum Höhepunkt des Tages, der mit Smoke on the Water zu später Stunde ein Ende fand.

1988 brachte eine neue Herausforderung mit sich. Eine Deep Purple-Tour, die nur Konzerte im Norden Deutschlands beinhaltete. Heute setzt man sich an den Rechner, besucht eine Ticketseite wie eventim im Internet, klickt ein paar Mal drauf rum und schon hat man ein Ticket für irgendwo in der Welt. In der alten Welt von 1988 musste man sich erst alle Informationen durch Telefonanrufe besorgen (erinnerst sich noch jemand an die Telefonpreise von vor 20 Jahren? 10 Mark für ein Ferngespräch, abends nach 18 Uhr…). Egal, das Ticket war irgendwann da. Und es konnte nach Köln gehen.

Deep Purple Köln 1987

Deep Purple Köln 1987

Ohne Plan für die Übernachtung blieben wir – ein Studienfreund und ich – nach dem Konzert noch vor der Halle stehen. Und wurden – weit nach Mitternacht – mit Small Talk und Autogrammen belohnt! Ian Gillan, Roger Glover und Jord Lord haben sich bei dieser Gelegenheit auf meinem Ticket verewigt (das ich für den obigen Scan zum ersten Mal seit Jahrzehnten aus seinem Bilderrahmen geholt habe!). Da das Parkhaus der Veranstaltungshalle über Nacht schloss, fuhren wir noch auf den nächstgelegenen Autobahnparkplatz, um dort im Auto zu übernachten…

Bald nach dieser Tour kam der alte Streit in der Band wieder hoch, er endete damit, dass Ian Gillan durch Joe Lynn Turner, einem alten Kumpel Blackmores aus Rainbow-Zeiten, als Sänger ersetzt wurde. Die dabei entstandene Platte Slaves and Masters war ebenso wie der dazugehörende Liveauftritt (mit Burn als Opener, einer Nummer, die zu Gillan-Zeiten nicht gespielt werden konnte, weil sie aus Coverdale-Zeiten stammt – es solle niemand behaupten, dass die Bandgeschichte von Deep Purple einfach zu durchschauen ist!) nicht schlecht, aber Deep Purple ohne Gillan, da fehlte irgendetwas.

Diese Erkenntnis hatten wohl auch andere. Mit The Battle Rages On… ist die alte, d.h. die legendäre Mark 2-Besetzung wieder zusammen. Was folgt, ist eine Tour mit Höhen und Tiefen. Ich hatte das Glück bei einem Mega-Hoch dabei zu sein, dem Purple-Auftritt im September 1993 in der Stuttgarter Schleyerhalle.

Deep Purple Stuttgart 1993

Deep Purple Stuttgart 1993

Nicht nur meiner Meinung nach ist dies eines der besten Konzerte der Mark 2-Formation überhaupt. Und glücklicherweise durch CD-Veröffentlichungen (Live in Stuttgart 1993 bzw. Live Across Europe 1993) für die Nachwelt erhalten.

Live Across Europe 1993 enthält neben dem Stuttgart-Konzert auch ein späteres Konzert derselben Tour aus Birmingham. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und die sich im Birmingham-Mitschnitt andeutende Nacht manifestiert sich schon bald. Ritchie Blackmore verlässt noch während der Battle Rages On-Tour die Band (und wird auch nie wieder zurückkehren).

Joe Satriani hat als Purple-Gitarrist nur ein kurzes Intermezzo. Keine Studioplatte entsteht mit ihm. Es bleibt bei Live-Auftritten. Richtig neues Leben kommt erst mit Steve Morse als Gitarristen in die Band. Neue Platten entstehen, unzählige Touren werden absolviert.

Zwei Konzerte sind mir aus der Steve Morse-Ära in besonderer Erinnerung geblieben.

Zum einen der Auftritt Deep Purples gemeinsam mit dem Romanian Philharmonic Orchestra (und weiteren Gästen) in der Münchner Olympiahalle im Herbst 2000, mit der Wiederaufführung des Concerto For Group And Orchestra aus dem Jahr 1969 . Wie sich erst im Nachhinein herausstellen sollte, war die Concerto-Tour auch schon fast der Abschied Jon Lords von Deep Purple. Er bildete zusammen mit Ian Paice die Konstante in der Besetzungsgesichte der Band. Sie waren immer dabei. Jetzt war aber für Lord Schluss, nicht im Streit wie bei Blackmore, er wollte vielmehr eigenen Projekten außerhalb der Band mehr Zeit widmen. Ersetzt wurde er durch Don Airey, einem in der Rockszene sehr bekannten und geschätztem Keyboarder (laut Wikipedia wirkte er an mehr als 200 Alben mit!).

Zum anderen das Konzert in einem Innenhof des Klosters Benediktbeuern im Sommer 2008. Nicht nur das äußere Ambiente war besonders, vielmehr war es der zweite Gitarrist bei Smoke on the Water: Notker Wolf, seines Zeichens der Abtprimas der benediktinischen Konföderation.

Die anderen Deep Purple-Konzerte stehen den genannten nicht nach, jedes einzelne brachte einen unvergesslichen Abend mit sich. Enttäuscht war ich nie! Vielleicht fehlte mal der eine oder andere Song, den man gerne gehört hätte… Woman from Tokyo oder Speed King beispielsweise – und zu Child in Time komme ich ja noch…

Deep Purple München 2010

Deep Purple München 2010

Jetzt war also Deep Purple-Konzert Nummer 19 an der Reihe, wiedermal in der Münchner Olympiahalle. Damit bin ich wieder ganz am Anfang dieses Berichtes. Die Sache mit Roger und dem Bass…

Aber noch nicht ganz am Ende. Denn an diesem steht Child in Time. Wie es der Zufall so wollte, spielte an einem Wochenende im November 2010 nicht nur Deep Purple, sondern auch Jon Lord live in München. Die Auftrittsorte konnten dabei unterschiedlicher nicht sein, da die Olympiahalle, hier die Philharmonie im Gasteig.

Angekündigt wird der Abend als “Jon Lord in Classic”. Allein auf der Bühne ist Jon allerdings nicht, er wird vom Deutschen Filmorchester Babelsberg unter Leitung von Scott Lawton, der Band Demon’s Eye sowie den beiden Sängern Steve Balsamo und Kasia Laska begleitet. Diese Besetzung ist nicht nur ein Versprechen, sie übertrifft alles, was ich von dem Abend erwartet hatte.

Jon Lord München 2010

Jon Lord München 2010

Mit den Worten “It’s always the guitarist” – der Konzertauftakt durch den Demon’s Eye-Gitarristen stockte – hatte Jon die Lacher auf seiner Seite (wer sollte dabei nicht an den alten Ärger mit Blackmore denken). Was folgte war die komplette Aufführung des oben schon erwähnten Concertos. Im Gegensatz zu meinem ersten Live-Erlebnis nun auch noch in passender Umgebung! In der zweiten Konzerthälfte ging es mit dem Machine Head-Klassiker Pictures of Home weiter. Im Anschluss die Höhepunkte aus Lords umfangreichen Soloschaffen (auch wenn ich nicht gerade der Klassik-Fan schlechthin bin, Pictured Within oder Sarabande finde ich wunderschön).

Als ich dachte, dass der Abend mit Soldier of Fortune (aus dem Purple-Album Stormbringer) seinen Höhepunkt erreicht hätte, kamen drei (!) Töne aus Jon Lords Hammond-Orgel, die mir fast die Tränen in die Augen trieben. Der Anfang von Child in Time. Was ein magischer Moment! Deep Purple selbst spielen die Nummer schon seit Jahren – wohl aus stimmlichen Gründen – nicht mehr. Meine Begeisterung in den nächsten zehn Minuten kannte keine Grenzen mehr.

Long Live Rock ‘n’ Roll!

Live in Stuttgart 1993

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Unterwegs in Asien

Fünf Monate Südostasien im “Winter” 2001/2002. Erinnerungen ans Unterwegssein.

Die Größe eines VW-Busses kennt wahrscheinlich jeder. In Südostasien nennt man ein Fahrzeug dieser Größenordnung Minibus. Und Minibusse sind ein wichtiges Touristen-Beförderungsmittel. So weit ist das kein Problem. Nur in Asien passen neben dem Fahrer noch elf Touristen in den Minibus. Passen ist dabei eigentlich das falsche Wort. Und der Minibusfahrer fühlt sich als Herrscher der Straße, schließlich ist sein Fahrzeug ja viel größer als jedes Fahrrad, jedes Moped, jedes Tuk-Tuk oder jedes Autos.

Innerhalb der großen Städte hat man meist mehrere Alternativen zur (nicht-selbständigen) Fortbewegung. Das Tuk-Tuk habe ich schon erwähnt. Ein dreirädriges Moped, vorne sitzt der Fahrer, auf der Rücksichtsbank die Gäste. Bis auf einen Regenschutz ist es offen.

Das Fahren mit dem Tuk-Tuk ist allerdings ein Erlebnis der besonderen Art. Morgens um sechs ist das Fahren mit dem Tuk-Tuk selbst in Bangkok kein Problem (auch wenn es unglaublich klingt, ich spreche auch für diese Uhrzeit aus eigener Erfahrung!). Dann sind die Straßen für asiatische Verhältnisse praktisch leer (ok, in einer deutschen Kleinstadt würde man wohl noch Jahre später von einem nie dagewesenen Verkehrschaos sprechen).

Rush Hour in Bangkok

Rush Hour in Bangkok

Zu “normalen” Tageszeiten sieht es ein bisschen anders aus. Man sitzt im Dauergestank und lebt in der ständigen Hoffnung, dass größere Gefährte (wie die schon erwähnten Minibusse…) einen nicht übersehen. Schneller als mit einem Taxi kommt man mit dem Tuk-Tuk nicht durch die Stadt. Taxis haben zwar meist einen Taxameter, doch die Fahrer wollen ihn nicht benutzen. Ist die Konkurrenz an Taxis groß, hat man allerdings gute Chancen, den Fahrer doch zu überreden ihn einzuschalten. Stehen allerdings viele Kunden zur Verfügung (was in vielen Ecken Bangkoks der Fall ist) zieht man den Kürzeren. Freie Marktwirtschaft pur.

Dann gibt es noch die öffentlichen Busse, kleinere, größere, mit Klimaanlage und ohne. Alles nicht so einfach. Insbesondere da das Fahrziel nur auf Thai angeschrieben ist. Aber man gewöhnt sich daran. Will man raus aus der Stadt kann man natürlich auch den Bus nehmen, dafür gibt es in einer Stadt wie Bangkok reichlich Busbahnhöfe, man muss nur den richtigen finden…

Wenn es geht, nehme ich für weite Strecken am liebsten die Eisenbahn. Die Züge sind nicht unbedingt schneller als ein Bus, aber alles in allem ist es bequemer (und an jedem Bahnhof gibt es leckeres Essen). Die diversen Klassen und Unterklassen sind im Vergleich zum Bussystem das deutlich kleinere Übel.

Chao-Phraya

Chao-Phraya

In Bangkok kann auch das Expressboot auf dem Chao-Phraya eine praktische (und schnelle) Verkehrsmittelalternative sein. Und – wenn man in seiner Nähe ist – der Sky Train, von dem allerdings erst zwei Streckenabschnitte existierten.

Sky-Train in der Hochhausschlucht

Sky-Train in der Hochhausschlucht

Bangkok ist übrigens nicht der offizielle Namen der thailändischen Hauptstadt (auch wenn er praktisch überall benutzt wird), dieser lautet vielmehr Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit. Bangkok war auf dieser Reise die zentrale Anlaufstation. Insgesamt siebenmal kehrten wir ins New Siam Guesthouse in Bangkok zurück. Ein Teil des Gepäcks und insbesondere noch nicht benötigtes oder schon belichtetes Filmmaterial blieben in der Stadt der Engel (Krung Thep) zurück.

New Siam Guesthouse

New Siam Guesthouse

New Siam Guesthouse

New Siam Guesthouse

Bei all den schon erwähnten Verkehrsmitteln sollte man nicht vergessen, dass man aber meist zu Fuß unterwegs ist. Da bleibt es nicht aus, dass man auch mal eine Straße überqueren muss. Und die ist voll von Verkehrsmitteln, besonders Massen an Mopeds tummeln sich dort. Ich ging dabei immer davon aus, dass ein Mopedfahrer kein besonderes Interesse am Umfahren von Touris hat, sie werden schon ausweichen oder bremsen. Wichtig ist nur, dass man beim Überqueren der Straße nicht stehen bleibt. Mehr als einmal war ich allerdings überrascht, wenn ich auf der anderen Straßenseite plötzlich allein ankomme. Und meine Freundin mit verzweifeltem Gesichtsausdruck noch auf der anderen Straßenseite stand…

Alternativ zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel kann man auch ein eigenes Fahrzeug mieten (in Bangkok würde ich das allerdings nur Wahnsinnigen empfehlen). Auf einer Insel wie Ko Chang ist ein Moped aber ein nahezu ideales Fortbewegungsmittel. Meine einzige Erfahrung im Mopedfahren bestand allerdings darin, fast 20 Jahre früher kleinere Fahrten auf den Maschinen von Kumpels gemacht zu haben. Aber die Mopedvermieterin ist von meiner Fahrkunst angetan. Als ich – zuerst allein – eine Probefahrt mache und die sich etwas ausweitet, will sie gleich jemand hinter mir herschicken, um mich zu suchen. Dabei war das gar nicht nötig. Ich kam ohne fremde Hilfe zurück zur Verleihstation. Dort ging es dann richtig los, dieses Mal zu zweit. Allerdings war schon am ersten Berg wieder Schluss. Im zweiten Gang war der Anstieg nicht zu schaffen. Also wieder runter. Mit viel Anlauf und im ersten Gang kommen wir den Berg hinauf. Im Laufe des Tages schaffe ich es bis in den vierten Gang (die Suche nach der Kupplung hatte ich irgendwann aufgegeben, das Schalten ging auch so).

Mit dem Moped auf Ko Chang

Mit dem Moped auf Ko Chang

Der ganze Verkehr ist immer mit viel Lärm verbunden, mit sehr viel Lärm. Schlimmer als der Verkehrslärm sind aber die Fernsehapparate. Sie stehen immer und überall. Selbst kleine Marktstände haben oft einen. Und meistens sind sie so laut aufgedreht, dass sich der Ton dabei überschlägt. Aber auch dies ist noch nicht das obere Ende der Lärmerzeugung. Unschlagbar sind CD-Verkaufsstände. Was dort lautstärkemäßig abgeht, ist nicht zu beschreiben. Und den notwendigen Strom für die Krachgenerierung gibt es nicht nur in Bangkok! Während ich mich an Hitze und Luftfeuchtigkeit im Laufe der Zeit gewöhne, tritt dieser Gewöhnungseffekt für den Lärm nicht ein.

Mopeds an der Kreuzung

Mopeds an der Kreuzung

Mit dem Zug wollen wir einen Ausflug in das rund 100 Kilometer westlich von Bangkok gelegene Kanchanaburi machen. Der Ort lebt stark von der aus dem gleichnamigen Film bekannten Brücke am Kwai und einer schönen, abwechslungsreichen Landschaft in seiner Umgebung. Den Zug in Bangkok konnte man gar nicht verpassen. Im entsprechenden Bahnhof fuhren nämlich keine Züge, zumindest nicht an diesem Tag (stattdessen machte sich auf den Gleisen ein Markt breit). Mit einem Pick-Up wurde man zum nächsten Bahnhof gefahren. Für die schon erwähnten 100 Kilometer ist man gut drei Stunden unterwegs, mit den üblichen Verspätungen.

Discoboot auf dem River Kwai

Discoboot auf dem River Kwai

In Kanchanaburi bietet sich eine neue Variante des Lärmhorrors, das Discoboot. Und davon gibt es viele!! Und jedes möchte natürlich lauter als alle anderen sein. Zu allem Überfluss sind sie nicht an einem festen Ort verankert, sie werden auch noch über den Fluss gezogen. Und damit direkt an unserer – als ruhig beschriebenen – Unterkunft vorbei.

Ohne Motor heißt ein Tuk-Tuk Cyclo, ein Fahrradtaxi für zwei Personen. Wenn es regnet, wird man abgedeckt und kann den Verkehr nur noch durch Löcher in der Plastikhülle sehen. An diesen Fortbewegungskomfort kann man sich gewöhnen!

Zurück zur Eisenbahn. Eine nächtliche Zugfahrt in Vietnam von Hanoi nach Hue. Hard-Sleeper! Und dieser Begriff ist wörtlich zu nehmen. Denn unter dem Begriff Hard-Sleeper ist tatsächlich nur eine Pritsche zu verstehen, die von einer Bastmatte (!) bedeckt wird.

Hard-Sleeper-Abteil Hanoi - Hue

Hard-Sleeper-Abteil Hanoi - Hue

Unser mitreisender Nachbar (ein normales Zugabteil wird für sechs Reisende zur Schlafstätte) lacht sich fast tot, als er sieht, dass ich beim besten Willen nicht in dieses “Bett” passe. Neben den viel zu kleinen “Betten” gibt es ein Laken als Decke sowie etwas, das sich mit viel Phantasie Frühstück und Mittagessen nennen lässt. Die Fenster sind vergittert (angeblich zum Schutz vor Steine werfenden Kindern – ich glaube eher, man hat Angst, dass die Fahrgäste unterwegs flüchten).

In Hue, der alten vietnamesischen Kaiserstadt, haben wir eine Rundtour auf Mopeds durch die Umgebung gebucht. Ein Moped mit Fahrer. Meine Freundin bekam auch einen. Ich nicht. Auf meinen Hinweis hin, ich hätte nicht viel Ahnung vom Mopedfahren (das oben erwähnte Ko Chang ist schon ein Weile her und war dazu eine nahezu einsame Insel), gibt es eine Fahrstunde, genaugenommen Fahrdreiminuten.

Straßenverkehr in Hue

Straßenverkehr in Hue

Ich falle nicht runter, kann Gas geben und bremsen, bei fließendem Verkehr wenden. Und – natürlich das Wichtigste – Hupen. Bestanden. Also geht es los. Man muss sich das folgendermaßen vorstellen: Der Tripp führt nicht nur durch die Fußgängerzone am Vorweihnachtssamstag, nein es geht auch noch quasi mitten über den Viktualienmarkt und hin und wieder kreuzt man die Tour de France. Abends fühle ich mich als wahrer Held.

Immer noch Vietnam. Für die Strecke von Hoi An nach Nha Trang soll es zur Abwechslung ein Nachtbus sein. Abfahrt 6 Uhr abends, Ankunft 6 Uhr morgens. Zwölf Stunden für 450 Kilometer. Um kurz vor 7 geht es tatsächlich los. Der Sitzabstand hat das übliche asiatische Maß. Mit Glück bekomme ich aber eine eigene Reihe (d.h. 2 Plätze), der pure Luxus! Aufgrund des regnerischen Wetters kündigt der Fahrer schon bei der Abfahrt eine Verspätung von ein, zwei Stunden an. Diverse Pannen im Laufe der Nacht und des Morgens (darunter ein Reifenwechsel, Bremsprobleme und ein Motorschaden) werfen uns um weitere Stunden zurück. Mittags um halb 12 kommen wir in Nha Trang an, einem beliebten Badeort am südchinesischen Meer.

Dass der eine oder andere Vietnamese hin und wieder mal mein (kleines!) Bäuchlein streichelt, kann ich zwar nicht verstehen, aber ich kann damit leben. Ich nehme an, ich  erinnere sie – rein figürlich – an Buddha. Als mich mein Motorradfahrer (er hatte mich durch die Gegend um Da Lat gefahren) allerdings fragte, ob er denn aufgrund meiner Größe und meines Gewichtes einen Zuschlag haben kann, fand ich das dann doch diskriminierend!! Aber irgendwie hatte er es ja verdient. Und die Tour war auch sehr schön.

So einen Beifahrerplatz auf einem Motorrad sollte man sich nicht gerade als einen gemütlichen Fernsehsessel vorstellen. Auch die Größe eines vietnamesischen Motorrades ist nicht wirklich mit meiner Körpergröße kompatibel (ich fühlte mich in einem Dauerverrenkungszustand). Und die Straßen Vietnams (eigentlich müsste man eher von landschaftlichen Bereichen, in denen sich verstärkt Verkehrsmittel aufhalten, reden) bilden nicht gerade die Grundlage für eine ruhige Fahrt sind. Kurze Strecken als Beifahrer sind mit dem Motorrad noch angenehm, längere aber nicht, insbesondere, wenn dann auch noch das ganze Gepäck mit auf das Gefährt müsste. Deshalb geht es mit einem (komfortablen!) Bus statt auf dem Motorrad von Da Lat weiter nach Saigon, vorbei an zahllosen Fabriken, in denen unsere Turnschuhe hergestellt werden.

In Saigon gab es zum Zeitpunkt der Reise zwei Millionen Mopeds (und das bei einer Einwohnerzahl von offiziell vier Millionen), dazu kommen eine halbe Million Fahrräder und 70000 Cyclos (die Autos und Busse sind da schon vernachlässigbar). Man kann sich leicht ausmalen, was das bedeutet.

In den drei Tagen, in denen wir uns anschließend im Mekong-Delta befinden, habe ich eine Vielzahl von Bootstypen kennengelernt. Vom kleinen 3-Personen-Ruderboot bis zu mittelgroßen Personenschiffen für vielleicht 30 Personen.

Im Mekong-Delta

Im Mekong-Delta

Entsprechend der Größe der Wasserwege, vom nur einen Meter breiten Flussärmchen bis zum hunderte Meter breiten Hauptstrom.

Mit Speedbooten (bei der Buchung dachte ich dabei an ein Tragflächenboot und nicht an eine größere Nussschale (mit einem zugegebenermaßen ziemlich starken Motor) – wie naiv man doch manchmal sein kann) geht die Fahrt auf dem Mekong in Richtung der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Ich frage mich allerdings, warum der kambodschanische Tourführer bei der Fahrt im Speedboot einen Sturzhelm trägt. Wegen der Sonne? Oder weil es cool aussieht? Wahrscheinlich letzteres…

Mit dem Speedboot auf dem Mekong

Mit dem Speedboot auf dem Mekong

Kambodscha. Bei den Verkehrsmitteln hat man hier die Wahl zwischen Pest und Cholera. Busfahren auf unterirdisch schlechten Straßen. Oder Highspeedboote. Der Sitzabstand in den Highspeedbooten schlägt alles bisher dagewesene (mir fehlen mindestens zehn Zentimeter, um die Beine zwischen die Sitzbankreihen zu quetschen). Der dröhnende Motor ist eine richtige Wohltat im Vergleich zu der bis an den Anschlag aufgedrehten Videomusikanlage, aus der während der ganzen Fahrt die immer gleiche kambodschanische Popmusik plärrt. Es ist zum wahnsinnig werden! Weil das aber noch nicht reicht, wird die Klimaanlage auf eine Temperatur eingestellt, bei der man erwartet, dass sich Eisblumen am Fenster bilden. Nicht im Bus, im Highspeedboot geht es nach Kratie zu den Flussdelfinen und nach Angkor zu den Tempeln.

Mekong: Highspeedboote am Bootsanleger in Kratie

Mekong: Highspeedboote am Bootsanleger in Kratie

Zurück in Thailand. In einem Nachtzug von Bangkok ganz in den Norden, ins direkt an der Grenze zu Laos gelegene Nong Khai. Für den Grenzübertritt braucht man die in der Gegend oft üblichen zwei Stunden (was würde die Menschheit ohne all die schönen Formulare machen). Hinter der Grenze liegt Vientiane, die laotische Hauptstadt. Vientiane fehlt auf den ersten (und jeden weiteren) Blick völlig der Charakter einer Hauptstadt, genaugenommen fehlt ihr sogar fast der Stadtcharakter. Blickt man von oben auf die Stadt, dann sieht sie aus wie ein großer Park mit ein paar eingestreuten Bauten.

Ich bin überrascht, dass die Fahrt von Vang Vieng nach Luang Prabang sieben Stunden dauern soll, wo es doch von Vientiane nach Vang Vieng für die etwa gleiche Strecke nur drei Stunden brauchte. Dafür kosten die sieben Stunden auch 40000 kip im Vergleich zu den 7000 kip für die 3 Stunden…. Morgens um 9 geht es los. Wir haben gute Plätze (die besonders schlechten bestehen aus Kleinstplastikhockern in der Mitte des Busganges!). Ein Münchner, den wir zwei Tage zuvor in Vientiane am Busbahnhof kennengelernt haben, hat uns die Tickets schon früh morgens besorgt. Bald verstehen wir auch, warum die Fahrt so lange dauern soll, denn es geht durch das wunderschöne laotische Bergland (mit Gipfeln von über 2000 Meter Höhe), vorbei an zahlreichen Dörfern, die fast immer auf schmalen Berggraden liegen. Absolut pünktlich kommen wir in Luang Prabang an.

Von Luang Prabang aus ist wieder der Mekong unser Reiseweg. Um sicher zu sein, ein Boot zu bekommen, sind wir schon um halb 8 am Abfahrtspier. Es gibt allerdings keine offiziellen Bootsverbindungen auf der Strecke ins nördliche Thailand. Ein engagierter Australier, der dasselbe vorhat, nimmt sich der Sache zielstrebig an und organisiert ein privates Boot, so dass wir noch vor der Mittagsstunde abfahren.

Die Fahrt über den Mekong ist sehr schön, wir sehen sich auf Sandbänken sonnende Wasserbüffel ebenso wie Elefanten im Arbeitseinsatz. Dazu das grüne Dschungelband und vereinzelte Dörfer. Da das Boot nicht komplett voll ist, kann man sich – wenn der Allerwerteste vom Sitzen auf den kleinen Holzbänken allzu sehr schmerzt – hin und wieder in den Gang legen. Die Strecke zur thailändischen Grenze ist für einen Tag zu lang ist. In dem kleinen Dschungelort Pakbeng wird ein Stopp für die Nacht eingelegt.

Mekong bei Pakbeng

Mekong bei Pakbeng

Vom Norden Thailands geht es in Bussen und Zügen in den Süden des Landes. Dann “Urlaub im Urlaub” in Khao Lak. Weiter im Minibus über die Grenze nach Malaysia. Von dort mit Fähre (über die Straße von Malakka) und im Bus zu den Orang Utans auf Sumatra. Das gleiche in umgekehrter Weise auf dem Rückweg nach Malaysia. Quer durch Malaysia in Nachtzügen. Singapur (mit seiner Operationssaal-ähnlichen Sauberheit) ist dann schon fast das Ende der Reise durch Südostasien. Aber nur fast. Ein weiteres Mal Khao Lak und zum Schluss das dann schon für mich wie eine zweite Heimat wirkende Bangkok.

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Besuch bei Verwandten – die Berggorillas in Ruanda

Mein Interesse an Portugal brachte mich dazu an der Stuttgarter Volkshochschule mit dem Lernen von Portugiesisch anzufangen. Als ich mich nach meiner Studienzeit – zu meiner eigenen Überraschung – plötzlich in Osnabrück wiederfand, wollte ich die Portugiesisch-Kenntnisse nicht wieder sang- und klanglos untergehen lassen. Ich belegte an der dortigen Universität als Gasthörer einen abendlichen Portugiesisch-Kurs. Die Teilnehmer waren fast alles Studenten, nur ein weiterer Nicht-Student war noch dabei, ein Geografie-Professor.

Durch den Professor hatte ich dann das Vergnügen an Exkursionen, die er für seine Studenten anbot, teilzunehmen, darunter eine mehrtägige Exkursion quer durch den Nordwesten Deutschlands. Auch nach meiner Zeit in Osnabrück riss der Kontakt zu ihm nie ab.

So kam es 2006 zu einer gemeinsamen Afrika-Reise durch Malawi und Tansania. Aufgrund einer Gastprofessur, die er an der Universität von Mzuzu inne hatte, organisierte er für Osnabrücker Studenten fast jährlich Exkursionen in Afrika. Die Exkursion 2006 war aber nicht für Studenten sondern für Verwandte und Freunde gedacht.

Kamuzu International Airport in Lilongwe

Kamuzu International Airport in Lilongwe

In einer dreiwöchigen Reise ging es mit eigenen Fahrzeugen von der malawischen Hauptstadt Lilongwe entlang des Malawisees ins südliche Tansania und auf die Insel Sansibar. Für einen Großteil der Reisegruppe bildete Sansibar den Abschluss der Reise. Der Professor machte sich mit seiner Lebensgefährtin auf den Rückweg nach Malawi, die restlichen Teilnehmer traten von Daressalam aus den Rückflug nach Deutschland an.

Nicht aber ich. Von dem Gedanken beseelt, wenn man denn schon mal in der Gegend ist (wobei Gegend in diesem Fall – recht großzügig betrachtet – das zentrale Afrika meint), dann könnte man ja noch bei den Berggorillas in Ruanda vorbei schauen. Von Daressalam nach Ruanda sind es ja nur knapp 1500 Kilometer…

Der Gedanke, die Affen zu besuchen, kam natürlich nicht erst an einem lauen Abend auf Sansibar, sondern schon Monate zu vor. Was auch gut so war. Denn einfach mal so zu den Virunga-Vulkanen im Norden Ruandas zu fahren, um die Gorillas aufzusuchen, das geht nicht. Der Otto-Normal-Bürger mit nicht zu engen Budgetbegrenzungen macht das folgendermaßen: Er geht in ein auf Afrika-Reisen spezialisiertes Reisebüro und lässt sich das organisieren. Der Nachteil dabei ist, es ist sehr teuer.

Wirklich billig wird es, wenn man es selbst organisiert, allerdings auch nicht. Aber man kann trotzdem viele Hundert Euros sparen.

Wichtigste Grundlage für den Gorillabesuch in Ruanda ist ein Permit. Die Zahl der Besucher ist streng limitiert (was allem Anschein nach auch strikt eingehalten wird). Berggorillas leben in freier Wildbahn in mehr oder weniger großen Gruppen, angeführt von einem Silberrücken. Und ein paar wenige dieser frei lebenden Gorillagruppen (die Gesamtzahl aller frei lebender Berggorillas wird auf gerade mal 700 geschätzt) sind an den Besuch von Menschen gewöhnt. Maximal acht Personen dürfen für maximal eine Stunde pro Tag eine solche Gruppe besuchen. Zusammen mit einem Führer und mehreren bewaffneten Soldaten (eine Vorsichtsmaßnahme aufgrund der politisch nicht  ganz spannungsfreien Lage im Grenzgebiet zwischen Ruanda, Uganda und dem Kongo).

Im Vorfeld der Afrikareise nehme ich deshalb Kontakt zum Rwanda Tourism Board auf und bezahle 375 US-Dollar (!) pro Person für das genannte Permit. In diesem Preis sind allerdings keine Anfahrts- und keine Übernachtungskosten enthalten, nur die Berechtigung an einem ganz bestimmten Tag an einer Gorilla-Besuchstour teilnehmen zu dürfen.

Zurück nach Afrika, nach Daressalam in Tansania. Von dort fliegen meine damalige Freundin und ich mit Kenya Airways und einem Zwischenstopp in Nairobi nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Dieser Flug bot einen unglaublich schönen, wolkenlosen Blick auf Afrikas höchsten Berg, den Kilimandscharo.

Ruanda stand für mich auf einer Liste mit Ländern wie Kuwait oder Kambodscha, man hat zumindest ein leicht mulmiges Gefühl und weiß nicht so recht, was einen erwartet. Der letzte Genozid, bei dem 1994 innerhalb weniger Wochen fast eine Million Menschen umgebracht wurden, ist gerade einmal ein gutes Jahrzehnt her.

In Kigali suchen wir das Büro des Rwanda Tourism Boards auf und bekommen nun auch eine schriftliche Form des erwähnten Permits, zusammen mit genauen Anweisungen, wann wir uns wo einzufinden hätten.

Gorillabesuchsgenehmigung ("das Permit")

Gorillabesuchsgenehmigung ("das Permit")

Von Kigali aus geht es im Minibus nach Ruhengeri. Minibusfahrten gehören zu den Dingen, die sich der weiter oben erwähnte Otto-Normal-Bürger bei einer organisierten Reise erspart. Ihm entgeht dadurch ein – meiner Meinung nach – eher zweifelhaftes Vergnügen. Losgefahren wird, wenn der Minibus voll ist. Und beim Wort voll gibt es keinen Interpretationsspielraum! Ich bezahle für zwei Plätze, einen für mich, einen für meinen Rucksack. Der Sitzreihenabstand lässt den Rückschluss zu, dass die Einheimischen ein zusätzliches Gelenk im Bereich des Oberschenkels haben müssen. Da die Wiege der Menschheit quasi ums Eck liegt und die Evolution dadurch hier mehr Zeit als in anderen Weltgegenden hatte, bin ich sogar davon überzeugt…

Die für afrikanische Verhältnisse sehr guten Straßen in Ruanda spornen die Minibusfahrer zu sportlichen Höchstleistungen an (unterstützt durch die profillosen Reifen…). Unser Fahrer hat allerdings Pech, er gerät in eine Radarkontrolle. Und nach seinem Gesichtsausdruck zu schließen, war die Strafe weit höher als sein Tagesverdienst. Davon nicht wirklich beeindruckt (oder vielleicht davon ausgehend, dass es nur eine Radarpistole in Ruanda gibt), versucht er die verlorene Zeit auf der restlichen Strecke wieder reinzuholen.

Ruhengeri liegt im Nordwesten Ruandas zu Füßen der Virunga-Vulkane. Um zum Hauptquartier des Vulkan-Nationalparks, dem Ausgangsort der Gorilla-Touren zu kommen, braucht man allerdings ein Allradfahrzeug. Es zu organisieren klappt noch einfach, den Fahrer zu bezahlen, ist allerdings eine Herausforderung. Nicht, dass es unendlich teuer wäre oder dass wir kein Geld dabei hätten, nein, das Problem sind die Jahreszahlen auf unseren 20-Dollar-Geldscheinen (ruandische Franc werden gar nicht akzeptiert). Ein Druckdatum vor dem Jahr 2000 macht den Geldschein in den Augen unseres Fahrers als wertlos. Nur mit viel Aufwand bekommen wir genügend “gültiges” Geld zusammen.

Hotel Muhabura in Ruhengeri

Hotel Muhabura in Ruhengeri

Nach einer sehr unruhigen Nacht sind wir am frühen Morgen am Hauptquartier des Vulkan-Nationalparks. Dort findet eine Einweisung in die Verhaltensweise beim Gorillabesuch und die Einteilung der Touristen auf die verschiedenen Gorilla-Gruppen statt. Nachdem ich kurz die Beschreibung der einzelnen Gruppen (und insbesondere deren aktuelle Lage in den Bergen) überflogen hatte, entschied ich mich zielstrebig für Gruppe 13.

Die Führer kennen zwar den ungefähren Aufenthaltsort der jeweilige Gruppen, aber da die Tiere immer wieder weiter ziehen, nicht ihren aktuellen Ort (allerdings gibt es auch Ranger, die rund um die Uhr in der Nähe der Tiere bleiben, und diese insbesondere vor Wilderern schützen sollen). Wir haben Glück! Schon nach einer guten Stunde schweißtreibenden Marschierens durch den Dschungel sind wir in der Nähe “unserer” Berggorillas. Bis auf die Kameras wird das gesamte Gepäck abgelegt und man nähert sich auf Zehenspitzen den Tieren (die morgendlichen Erläuterungen über Scheinangriffe von sich bedroht fühlenden Silberrücken habe ich noch in den Ohren…).

Für mich war es einer der beeindruckendsten Augenblicke in meinem Leben, plötzlich einer vielköpfigen Gorillagruppe mitten in ihrer Heimatwelt gegenüber zu stehen. Während wir den Mindestabstand zu den Tieren einhalten zu versuchen (insbesondere um mögliche Krankheitsübertragungen zu vermeiden), nehmen die Gorillakinder darauf nicht immer Rücksicht. Unbeeindruckt tollen sie um uns herum. Der Silberrücken und die anderen älteren Tiere beobachten die Situation in aller Ruhe. Immer mehr Tiere entdecken wir im teilweise dichten Dschungelgeflecht. Auf die Minute genau nach einer Stunde ist das Schauspiel vorbei. Den restlichen Tag haben die Gorillas menschenfrei. Die Emotionalität dieser Stunde ist schwer zu beschreiben. Nie fühlte ich mich unseren tierischen Verwandten näher.

Besuchszertifikat

Besuchszertifikat

Einmal in Ruanda wollten wir aber auch vom restlichen Land noch mehr sehen. Es ist ein Land der extremen Gegensätze. “Land der tausend Hügel” wird es völlig berechtigt genannt. Und – bis auf die wenigen Ausnahmen in Form von Nationalparks – wird jeder dieser Hügel landwirtschaftlich genutzt. Was bei einer Bevölkerungsdichte von über 300 Personen pro Quadratkilometer auch gar nicht anders geht.

Allgegenwärtig ist aber auch die jüngere ruandische Geschichte mit dem Genozid von 1994. Schon in Kigali – zu Beginn des Besuches in Ruanda – haben wir Gedenkstätten und Massengräber (mit Zehntausenden von Toten) gesehen. Bei einem Besuch der Genoizid-Gedenkstätte in Murambi, einer ehemaligen Schule, erzählt uns ein Überlebender seine Geschichte. Schon das Zuhören ist fast physisch schmerzhaft.

Plakate am Straßenrand weisen auf die Gacaca-Gerichte hin, einer traditionellen Gerichtsform, die die Verbrechen des Völkermordes auf örtlicher Ebene aufarbeiten. Einmal die Woche ruht das normale Leben und das Dorf sitzt zu Gericht. Selbst die Läden haben dann geschlossen.

Von Kibuye aus geht es mit privatem Fahrzeug und eigenem Fahrer (ich hatte mich geweigert, weitere Minibusfahrten zu machen…) entlang des Kivusees in den Südwesten des Landes, nur noch eine Brücke vom immer wieder kriegsumtobten Ostkongo entfernt. Einer der letzten, noch nicht landwirtschaftlich genutzen Flecken Ruandas ist der Nyungwe-Wald, ein immergrüner Bergregenwald. Unweit davon überqueren wir die Wasserscheide zwischen Afrikas bedeutendsten Flüssen, dem Nil, der seinen Weg in nördlicher Richtung sucht und im Mittelmeer endet, und dem Kongo der westwärts in den Atlantik strebt. Beide Flüsse besitzen Quellen hier in Ruanda.

Nach einem letzten Tag in der Hauptstadt Kigali (mit einem Besuch des Hôtel des Mille Collines, bekannt aus dem Film “Hotel Ruanda”) geht es heimwärts. Die Abfertigung auf dem Flughafen Kigalis geschieht komplett per Hand, einschließlich handgeschriebener Bordkarten und Gepäckanhänger.

Bordkarte Flug Kigali - Addis Abeba (Ethiopian Airlines)

Bordkarte Flug Kigali - Addis Abeba (Ethiopian Airlines)

Aber es funktioniert. Alles – auch wir – kommen wohlbehalten in Frankfurt am Main an.

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Trans-Kanada Teil 2

Toronto, die Niagara-Fälle und einmal quer durchs Land im Zug, das war – knapp zusammengefasst – der erste Teil der Kanada-Reise im Herbst 2007. Der zweite Teil der Reise führte mit eigenem Wohnmobil durch die Provinzen Alberta und British Columbia im Südwesten des riesigen Landes. Das Wohnmobil hatten wir früh im Jahr angemietet und konnten dadurch Frühbucherrabatte nutzen. Insbesondere entfiel für uns die Einwegmiete.

Start- und Endpunkt der Wohnmobiltour waren – völlig zufällig und letztendlich durch den Wohnmobilvermieter bestimmt – die beiden letzten kanadischen Orte, die Olympische Winterspiele veranstalteten, Calgary und Vancouver (wobei die Olympischen Spiele in Vancouver zum Zeitpunkt der Reise noch in der Zukunft standen). Schon daraus kann man schließen, dass Berge nicht weit weg sein können. Bevor es aber in die Berge ging, stand ein Abstecher in die kanadische Prärie mit den Badlands auf dem Reiseplan.

Dinosaur Trailer Park Drumheller

Dinosaur Trailer Park Drumheller

Die Kanadischen Badlands erstrecken sich östlich von Calgary entlang des Red Deer Rivers und sind eine der weltweit wichtigsten Fundstellen von Dinosaurier-Fossilien. Sehr zu empfehlen sind ein Besuch des Royal Tyrrell Museum of Palaeontology in der Nähe von Drumheller und des Dinosaur Provincial Parks noch etwas östlich davon.

Camp Ground Dinosaur Provincial Park

Camp Ground Dinosaur Provincial Park

Mit dem Dinosaur Provincial Park haben wir auch den östlichsten Punkt der Wohnmobilreise erreicht, von nun an geht es nur noch Richtung Westen. Erstes Ziel ist der Head-Smashed-In Buffalo Jump in der Nähe von Fort Macleod. Der Head-Smashed-In Buffalo Jump ist ein historischer Platz der Bison-Jagd durch nordamerikanische Indianer.

Buffalo Plains RV Campground Fort Macleod

Buffalo Plains RV Campground Fort Macleod

Von Fort Macleod ist es – für kanadische Dimensionen – nur noch ein Katzensprung zu den Rocky Mountains mit dem Waterton Lakes National Park. Auf dem Campingplatz von Watertown Site erlebten wir – wie während der ganzen Reise – die unterschiedlichsten Wetterverhältnisse, von Sonnenschein bis Schneefall war alles dabei.

Campground Waterton Townsite

Campground Waterton Townsite

Campground Waterton Townsite

Campground Waterton Townsite

Der Waterton Lakes-Nationalpark ist das südliche Ende der kanadischen Rockies. Er bildet zusammen mit dem US-amerikanischen Glacier-Nationalpark den Waterton-Glacier International Peace Park. Bei einer Bootstour über den Upper Waterton Lake (sie startet in Waterton Townsite) überquert man nicht nur die Grenze – wie auf einem Großteil wird die US-kanadische Grenze auch hier durch den 49. nördlichen Breitengrad gebildet (und ist aufgrund einer Schneise im Wald gut sichtbar) -, man reist auch ohne Kontrollen nach Montana in die USA ein, zumindest für eine halbe Stunde, dann geht es mit dem Boot zurück. Damit man hier bei diesem Kurzbesuch in den USA keine Dummheiten macht, dafür sorgt eine kleine US-Ranger-Station!.

Nach dem Besuch einer Büffelherde im Schneetreiben, dem Passieren des Crownest Passes und der Besichtigung des Freilichtmuseums in Fort Steele kommen wir nach Radium Hot Springs, dem südlichen Eingang des Kootenay-Nationalparks.

Redstreak Campground Radium Hot Springs

Redstreak Campground Radium Hot Springs

Radium Hot Springs ist benannt nach den hier auftretenden heißen Quellen (und dem darin enthaltenen Radon. Warum heißt der Ort dann nicht Radon Hot Springs?). Nachdem wohltuenden Besuch der Quellen ist es schon dunkel, als wir den Redstreak Campground erreichen. Noch beeindruckt vom Bären, den wir kurz vor dem Campingplatz gesehen haben, suchen wir uns einen Stellplatz ganz in der Nähe eines Waschhauses…

Prinzipiell brauchen wir gar kein Waschhaus, es ist alles an Bord des Wohnmobils, von der Küche über die Toilette bis zur Dusche. Hat der Campingplatz aber entsprechende Einrichtungen, nutzen wir lieber diese. Das spart Arbeit bei der Entsorgung und ist meist auch bequemer, weil nicht so beengt.

Auf der Fahrt durch den Kootenay-Nationalpark legen wir Stopps ein, um auf mal kürzeren, mal längeren Trails Teile des Parks zu erkunden. Besonders schön ist der Marble Canyon, man beobachtet live die Entstehung einer neuen Schlucht. Und wenn man ein paar Jahrtausende (oder vielleicht auch Jahrmillionen) wartet, kann man einen neuen “Grand” Canyon sehen. So viel Zeit haben wir leider nicht. Direkt im Anschluss an den Kootenay-Nationalpark liegt der Banff-Nationalpark. Unsere erste Nacht verbringen wir im gleichnamigen Hauptort des Parks.

Tunnel Mountain Campground Banff National Park

Tunnel Mountain Campground Banff National Park

Den einfallsreichen Namen Tunnel Mountain erhielt der Campingplatz, weil er auf einem kleinen Berg liegt, der von einem Tunnel der Eisenbahn durchbohrt wird. Der Ort Banff bietet mit dem Banff Springs Hotel ein schon älteres Luxushotel. Dieses – wie auch das Fairmont Chateau am Lake Louise – wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der Canadian Pacific Railway als Marketing-Maßnahme gebaut. Die Hotels sollten Touristen und damit auch Fahrgäste für die ebenfalls neu gebaute Eisenbahn anlocken.

Von Banff geht es – nach einem Besuch des Lake Minnewanka – über den Bow Valley Parkway nach Lake Louise.

Lake Louise Campground Banff National Park

Lake Louise Campground Banff National Park

Lake Louise war der Austragungsort der alpinen Skiwettbewerbe der Olympischen Winterspiele von 1988. Für uns ist es der Ausgangsort einer Wanderung zur Plain of Six Glaciers. Dort bietet sich in einem grandiosen Landschaftsszenario der Blick auf sechs Gletscher. Einer der Gletscher – oberhalb von einem felsigen Abhang gelegen – bietet sogar mehrfach das beeindruckende Schauspiel einer Gletscherkalbung. Nur dass die abgebrochenen Gletscherteile nicht als Eisberge im Meer enden, sondern im Tal lautstark zerschellen.

Ein weiterer Höhepunkt der Tour durch den Westen Kanadas ist der Icefields Parkway, der auf über 200 Kilometern durch die Nationalparks Banff und Jasper führt. Er macht seinem Namen alle Ehre. Zahlreiche Gletscher, wunderschöne Seen, tosende Wasserfälle und viele Berge sind entlang seiner Route zu entdecken.

Columbia Icefield Visitor Centre Jasper National Park

Columbia Icefield Visitor Centre Jasper National Park

Um früh morgens zum Athabasca-Gletscher zu gelangen, übernachten wir auf dem Parkplatz des Columbia Icefield Visitor Centers. Es ist eine bitterkalte Nacht – tags zuvor wurde der Icefields Parkway zeitweise wegen Schneetreibens gesperrt – und wir sind froh, dass unser Camper eine Heizung hat. Das Reisen durch die kanadischen Rocky Mountains außerhalb der Hauptsaison im Sommer hat zum Vorteil, dass sich selbst an den Hauptsehenswürdigkeiten keine Massen aufenthalten und keine Reservierungen für die Campingplätze erforderlich sind. Dafür ist – so vermute ich – aber das Wetter wechselhafter.

Weiter in Richtung Norden folgen entlang des Icefields Parkway die Sunwapta Falls, die Athabasca Falls und der Cavell Lake. Letzterer ist ein relativ kleiner Gebirgssee, in dem zahlreiche Eisberge schwimmen!

Whistlers Campground Jasper

Whistlers Campground Jasper

Auf dem Whistlers Campground begrüßen uns morgens zahlreiche Elche, die kanadischen Campingplätze sind meist nicht eingezäunt, so dass man immer mit Überraschungen rechnen muss. Scheinbar nicht ohne Grund gibt es auch immer wieder Hinweisschilder, wie man sich beim Auftauchen von Bären verhalten soll.

Medicine Lake und Maligne Lake sind zwei weitere Ziele im Jasper-Nationalpark, die wir morgens noch ansteuern, bevor es auf dem Icefields Parkway wieder zurück geht. Unser nächstes Ziel ist der weniger bekannte Yoho-Nationalpark, westlich vom Banff-, nördlich vom Kootenay-Nationalpark gelegen. Mit dem Yoho-Nationalpark verlassen wir Alberta und kommen nach British Columbia.

Kicking Horse Campground Field

Kicking Horse Campground Field

Kicking Horse Campground Field

Kicking Horse Campground Field

Im Yoho-Nationalpark übernachten wir auf dem Kicking Horse Campground in Field. Die fern von größeren Orten gelegenen Campingplätze – und dazu gehört auch dieser – haben eines gemeinsam: Sie bieten viel Platz. Kein Vergleich mit einem typischen europäischen Campingplatz. Umgeben von hohen Bäumen hat man meist noch eine Tisch-mit-2-Bänken-Garnitur und eine Feuerstelle dabei. Der Nachteil dieser Weiträumigkeit ist allerdings, dass sich kaum Kontakte mit anderen Campern ergeben.

Die Takakkaw Falls, die Natural Bridge und der Emerald Lake sind für uns die Ziele im Yoho-Nationalpark. Der Yoho-Nationalpark war der letzte Park, der zu den Rocky Mountains gehörte. Danach geht es weiter in Richtung Westen. Den Glacier-Nationalpark (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Park in den USA) in den Columbia Mountains durchqueren wir relativ zügig, er bietet für “einfache” Wanderer – wie wir es sind – wenig Besichtigungsmöglichkeiten.

Canyon Hot Springs Campground Albert Canyon

Canyon Hot Springs Campground Albert Canyon

Nächster Übernachtungsort ist der Canyon Hot Springs Campground in Albert Canyon. Der Campingplatz bietet – wie es sein Namen schon erahnen lässt – ein weiteres Mal die Möglichkeit in heißen Quellen zu baden. Ein Vergnügen, dass wir gerne nutzen.

Der Mount Revelstoke-Nationalpark ist – nach den zuvor besuchten Parks in den Rocky Mountains – enttäuschend. Bei einem Abstecher durch ihn sehen wir allerdings zum zweiten Mal einen Bären!

Alpiner Campground Sicamous

Alpiner Campground Sicamous

Vom Alpiner Campground in Sicamous führt uns ein Abstecher in den Roderick Haig-Brown Provincial Park. Dieser Park ist bekannt für die Wanderung von Rotlachsen durch den Adams River. Wir sind zwar noch etwas früh im Jahr dort, haben aber das Glück schon Lachse im Fluss zu sehen.

Der Vaseux Lake Provincial Park Campground ist eine weitere Übernachtungsstätte auf unserem Weg durch British Columbia. Der Campingplatz ist nur ein etwas größerer Parkplatz mit einem Plumpsklo, allerdings schön gelegen am Vaseux Lake.

Vaseux Lake Provincial Park Campground

Vaseux Lake Provincial Park Campground

Angezogen werden wir vom Desert Centre Osoyoos, “Canada’s only desert”. Ganz, was ich mir unter einer (heißen) Wüste vorstelle, finden wir dort allerdings nicht. Bei viel gutem Willen handelt es sich um eine Halbwüste. Und das Ganze hat auch nur die Fläche von rund 100 Hektar. Das in diesem Teil Kanadas herrschende milde Klima wird für Obst- und Weinanbau genutzt.

Kawkawa Lake Resort Hope

Kawkawa Lake Resort Hope

Letzter Campingplatz bevor es nach Vancouver Island geht, ist das Kawkawa Lake Resort in Hope. Der Ort Hope selbst und seine bergige Umgebung, unter Anderem der Coquihalla Canyon Provincial Park, waren Schauplatz des ersten Rambo-Filmes.

Von Tsawwassen geht es mit der Fähre über die Strait of Georgia nach Swartz Bay auf Vancouver Island, der vorletzten Station unserer Kanada-Reise.

Thetis Lake Campground

Thetis Lake Campground

Der Thetis Lake Campground liegt ein paar Kilometer nördlich von Victoria. Victoria, die größte Stadt der Insel und Hauptstadt British Columbias, ist vom Campingplatz gut mit dem Bus zu erreichen, eine willkommene Abwechslung zur Fahrt mit dem Wohnmobil.

Die nächsten beiden Tage verbringen wir hauptsächlich im Pacific Rim Nationalpark, einem Nationalpark der einen Teil der Westküste von Vancouver Island umfasst.

Bella Pacifica Campground Tofino

Bella Pacifica Campground Tofino

Verwunschene Wälder und wilde Küsten sind zu sehen. Und wir nehmen an einer (erfolgreichen!) Walbeobachtungstour im Pazifik teil.

Green Point Campground Pacific Rim National Park

Green Point Campground Pacific Rim National Park

Bevor es von Nanaimo (Duke Point) zurück nach Tsawwassen aufs Festland geht, steht noch der MacMillan Provincial Park mit seinen Riesenbäumen auf dem Programm.

Park Canada Camping Tsawwassen

Park Canada Camping Tsawwassen

Die letzte Nacht in “unserem” Camper verbringen wir auf dem Park Canada Campingplatz in Tsawwassen. Kein besonders schöner Campingplatz, aber ein sehr praktischer. Er bietet nicht nur Reinigungsutensilien, er liegt auch nicht weit weg von Delta, dem Ort, in dem wir unser Fahrzeug am nächsten Morgen abgeben müssen.

Knapp drei Wochen Fahren und Leben im Wohnmobil gehen zu Ende. Es war eine schöne Zeit. Unser Ford F-350 Super Duty mit aufgesetztem Wohnteil, ein sogenannter Pickup-Camper, hat sich als sehr praktisch erwiesen. Ein kleinerNachteil dieses Typs von Wohnmobil ist der sehr hoch gelegene Eingang; um ihn nutzen zu können, musste man immer erst eine kleine Treppe montieren. Den Vorteil, das Wohnmobil, auch mal “absetzen” zu können, nutzt man in der Praxis nicht. Für nordamerikanische Verhältnisse ist es ein eher kleines Wohnmobil, für mich war es aber schon ziemlich groß! Aufgrund der starken Motorisierung des Fords läßt es sich aber fast wie ein normales Auto fahren. Die in Kanada im Vergleich zu Deutschland niedrigeren Spritpreise lassen den doch recht hohen Verbrauch als nicht so schlimm erscheinen. Mein Vorurteil, mit dem Wohnmobil zu reisen ist spießig und langweilig, habe ich zumindest für Kanada revidiert.

Bevor die Kanada-Reise zu Ende geht, bleiben noch knapp zwei Tage für die Besichtigung Vancouvers, der wunderschön zwischen Meer und Bergen gelegenen kanadischen Pazifikmetropole.

Bed & Breakfast Burnaby

Bed & Breakfast Burnaby

Ohne Wohnmobil sind wir wieder auf eine feste Unterkunft angewiesen. Neben der Toronto-Unterkunft zu Beginn der Reise hatten wir auch diese, ein Bed & Breakfast im Vorort Burnaby, vorab reserviert. Und ebenso wie in Toronto ging auch diese Reservierung fast schief.

Unsere Reservierung hatte sich mit einer anderen überschnitten. Das Zimmer war für die zweite Nacht schon belegt. Unsere Gastgeber boten uns eine Matratze im Arbeitszimmer für diese Nacht an. Und wollten dafür aber nichts berechnen. Wir nahmen dankend an.

Die Zeit in Kanada ist zu Ende. Von Vancouver geht es mit Zwischenstopp in Toronto zurück nach München. Aus der Luft habe ich Kanada bei meinem Flug nach San Francisco schon wieder gesehen, kanadischen Boden aber nicht wieder betreten. Eine Reise entlang der Westküste nach Alaska steht aber weit oben auf meiner Wunschliste.

RadonR

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Am Rande erwähnt (2)

September 2010. Mein Wochenendbesuch der rumänischen Hauptstadt Bukarest ist fast zu Ende. Ich befinde mich schon auf dem Flughafen Otopeni und warte auf den Rückflug nach München.

Da ich noch etwas rumänisches Geld (Leu) übrig habe, besuche ich einen der Shops im Abflugbereich. Toblerone und After Eight kann man doch immer mal gebrauchen. Und bevor die rumänischen Scheine ewig bei mir zu Hause im Schrank liegen…

An der Kasse werden zuerst meine Flugdaten mühselig per Hand registriert (warum eigentlich? und warum per Hand?). Ich bekomme den Preis in Euro genannt und frage nach dem Preis in Leu. Nein, rumänisches Geld nehmen sie nicht! Nur Euros.

Ich verzichte auf den Einkauf. Warum ist es nicht möglich in einem rumänischen Shop auf einem rumänischen Flughafen mit rumänischem Geld zu bezahlen?

P.S.: Bukarest selbst ist sehenswert, es bietet eine Mischung aus historischer, sozialistischer und moderner Bausubstanz. Dazu Parks, breite Boulevards und kleine Gassen, der Ruf als Paris des Ostens ist berechtigt. Allerdings macht vieles einen sehr renovierungsbedürftigen Eindruck, auch im Stadtzentrum. Und wer nicht aufpasst, stürzt schnell in eine der zahlreichen, ungesicherten Baustellen, die sich oft mitten auf dem Gehweg auftun. Überrascht bin ich vom öffentlichen kulturellen Leben, Live-Musik – klassische und moderne – auf zahlreichen Plätzen. Und das alles bei sommerlichen Temperaturen.

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Kuwait – Keine Touris weit und breit

Das wohl ungewöhnlichste Land meines bisherigen Reiselebens ist Kuwait. Ohne einen gewissen Zufall wäre ich wahrscheinlich auch nie dort hin gekommen.

Nach dem Entschluss im Winter 2001/2002 eine längere Reise nach Südostasien zu machen, ging es (neben vielen anderen) um die Frage, wie kommt man dort hin und wieder zurück. Und das möglichst kostengünstig. Erstaunlicherweise steigen die Flugpreise rapide, wenn man Flüge sucht, die nicht nicht nur die üblichen drei oder vier Wochen Urlaubszeit abdecken. Das günstigste Angebot war letztendlich von Kuwait Airways – von Frankfurt über Kuwait nach Bangkok und zurück.

Neben dem reinen Flug bot Kuwait Airways auch die Möglichkeit eines Stop Overs in Kuwait an, zusammen mit einer relativ günstigen Übernachtungsmöglichkeit. Gesagt, getan. Wir buchen den Flug bei Kuwait Airways einschließlich eines dreitägigen Aufenthaltes in Kuwait. Anfang November 2001 geht es in Frankfurt los. Kurz vor Mitternacht kommen wir in Kuwait an. Quasi mit persönlicher Betreuung werden wir durch die Zoll- und Einreisekontrolle geleitet.

Visum für Kuwait

Visum für Kuwait

Ist nicht besonders schwierig, wir scheinen die einzigen westlichen Reisenden zu sein, die in Kuwait aussteigen. Ein Fahrer wartet schon, um uns in unser Hotel, das Oasis, zu bringen.

Das Oasis ist für kuwaitische Verhältnisse eher einfach, für die Unterkünfte, die wir in Südostasien in den Monaten danach haben werden, aber luxuriös. Auch im Hotel scheinen wir die einzigen Nicht-Araber zu sein.

Hotel Oasis

Hotel Oasis

Auf dem Dach des neben dem Oasis gelegenen Gebäudes befand sich eine Siemens Mobile-Werbetafel. Dass ich nach der Rückkehr von der Asien-Reise für Siemens Mobile arbeiten würde, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Am nächsten Morgen wollen wir Kuwait-City erkundigen. Als wir das Hotel verlassen, merken wir erst, wie heiß es draußen ist, im Hotel war natürlich alles klimatisiert. November ist zwar auch in Kuwait ein Wintermonat, aber was bedeutet schon Winter, wenn es draußen auf 40 Grad zusteuert. Über die Frage, was dann Sommer bedeutet, sehe ich in diesem Augenblick hinweg. Interessanter ist die Frage, wie kommen wir an Bargeld.

Wir gehen zur nächsten Bank. Die Geldautomaten verweigern sich unseren Kredit- und EC-Karten völlig. Und am Schalter bekundet man uns, dass sie Bargeld, auch wenn es sich um deutsche Mark oder amerikanische Dollar handelt, nicht wechseln können. Uns wird empfohlen in die Altstadt zum Exchange Square zu gehen. Die Altstadt ist wohl organisiert, es gibt Straßen für dies und Straßen für das. Und es gibt den Exchange Square für Geldgeschäfte. Da, wo in anderen Geschäften Schuhe oder Werkzeuge in den Auslagen liegen, da liegen am Exchange Square Geldstapel hinter den Schaufenstern!

Noch haben wir aber keine kuwaitischen Dinar. Als wir 50 D-Mark in einem der “Geldgeschäfte” umtauschen wollen, werden wir belächelt. Hier werden normalerweise ganz andere Summen getauscht. Mit Kleinbeträgen – und dazu gehören 50 Mark – gibt man sich nicht ab. Irgendwann erbarmt sich einer und tauscht uns unsere “Kleinsumme”. Wir sind glückliche Besitzer von gut 20 Dinar! Und – aber das nur am Rande – stellen fest, dass der kuwaitische Dinar eine sogenannte Tausenderwährung ist, d.h. ein Dinar teilt sich in 1000 Fils.

1 kuwaitischer Dinar

1 kuwaitischer Dinar

Nach so viel Stress und noch mehr Hitze ziehen wir uns erst mal in die Kühle des Hotels zurück. Erst am späten Nachmittag wagen wir einen erneuten Aufbruch.

Insgesamt haben wir drei Tage für Besichtigungen Zeit. Und allzu viel gibt es nicht zu sehen. Reisen ins Umland – wenn sie überhaupt möglich wären – müsste man mit Hilfe eines Taxifahrers selbst organisieren, eine wie auch immer geartete Tourismus-Infrastruktur ist nicht vorhanden. Sieht man überhaupt einmal einen Westler auf den Straßen, so scheint es sich um einen Angehörigen eines in Kuwait Arbeitenden zu handeln. Kurz nach 13 Uhr kommen wir zum Nationalmuseum. Zu spät für diesen Tag, es hat um 13 Uhr geschlossen. Ein Mann in traditionellem weißen Gewand und aus dem Museum kommend, der uns – leicht frustriert vor besagtem Museum sitzend – sieht, fragt uns, ob er uns ein Stück in seinem Auto mitnehmen könne. Gerne nehmen wir das Angebot an und lassen uns zu den Kuwait Towers, der Hauptsehenswürdigkeit Kuwaits, fahren. Unsere Fahrer freut sich, westlichen Touristen bei der Besichtigung “seiner” Stadt weiterhelfen zu können. Von der Aussichtsplattform der Kuwait Towers hat man einen schönen Blick auf die Stadt und den Persischen Golf.

Am nächsten Morgen sind wir zurück im Nationalmuseum und treffen unseren “Fahrer” vom Vortag wieder. Er ist Chef der einzigen intakten Museumsabteilung und freut sich uns wiederzusehen. Ein Großteil des Museums wurde von irakischen Truppen während des Zweiten Golfkrieges 1990/91 bei der Besetzung Kuwaits zerstört und bis November 2001 nicht wieder aufgebaut. Wir sind die einzigen Besucher im Museum, wahrscheinlich nicht nur in dieser Stunde, wahrscheinlich auch an diesem Tag und in dieser Woche…

Zur Mittagszeit sind wir zurück im Hotel, wir müssen auschecken. Denken wir zumindest. Da der Flug erst spät abends geht, dürfen wir unser Zimmer noch den restlichen Tag behalten. Kurz vor Mitternacht endet mein erster und bisher einziger Besuch in Kuwait, der Flieger startet nach Bangkok.

Ein Land ohne Touristen kannte ich bisher nicht. Zugegebenermaßen bot Kuwait – um die Jahrtausendwende herum – touristisch nicht wirklich viel. Für einen Zwischenstopp fand ich es aber lohnenswert. Es war eine völlig andere Welt und bot einen – wenn auch sehr oberflächlichen – Einblick in die arabische Kultur. Die Menschen – allen voran unser Museumsmitarbeiter und die Hotelangestellten – waren immer hilfsbereit. Zumindest, so weit es ging. Mit den Bedürfnissen von Touristen beispielsweise waren sie in unserem Hotel völlig überfordert.

Erst viele Jahre später kam ich bei einer Reise nach Syrien, Libanon und Jordanien wieder in diese Gegend der Welt. Dort war man als Reisender auch nicht mehr allein.

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Eine alte Liebe

Der im Artikel Interrail – Die Zweite erwähnte Ferienjob als Software-Entwickler war der Anfang einer langfristigen Zusammenarbeit. Mein Chef – er hatte die ebenfalls dort erwähnte Kleinanzeige ursprünglich aufgegeben – blieb in dieser Zeit immer derselbe. Die ersten Jahre in einer holzverarbeitenden Firma, später, er hatte sich zwischenzeitlich selbständig gemacht, in einem kleinen Unternehmen, das Verpackungen aus Wellpappe herstellte.

Während eines solchen Programmierer-Jobs in den Semesterferien des Frühjahrs 1988 (der Commodore 64 hatte inzwischen ausgedient und ich – bzw. mein Auftraggeber – war  auf den Commodore Amiga umgestiegen!) fragte mich mein Chef, ob ich für das bevorstehende Osterwochenende schon Pläne hätte. Ich hatte keine. Er meinte dann, er würde gerne zum Angeln nach Portugal fahren, an die Algarve, seine Frau hätte aber keine Lust für die lange Fahrt. Angeln ist nicht so mein Ding, aber unter der Bedingung stattdessen Ausflüge nach Lissabon und durch die Algarve machen zu können, stimmte ich zu.

Portugal 1988

Portugal 1988

Donnerstag am späten Nachmittags ging es los. 29 Stunden später – wir sind abwechselnd die rund 2500 km lange Strecke quer durch Frankreich und Spanien gefahren – kommen wir am Karfreitagabend in Lagoa, einem kleinen Ort an der Algarve, an.

Angeln an der Algarve

Angeln an der Algarve

Mein Chef angelte, ich schaute mir die Algarve an. Am Ostermontag ging es nach Lissabon! Beginnend mit dem Ausblick vom Cristo Rei in Almada und der Überquerung des Tejo über die Ponte 25 de Abril und endend in den Gassen der Altstadt. Obwohl Lissabon keine herausragende Sehenswürdigkeit hat, keinen Eiffelturm, kein Petersdom und keine Hagia Sophia, faszinierte mich die Stadt. Ok, mit dem Hieronymus-Kloster hat sie sogar eine absolute Top-Sehenswürdigkeit, aber nach Belém, in den Stadtteil, in dem das Kloster steht, kam ich bei meinem ersten Besuch gar nicht. Egal, mir gefiel die Stadt, mehr noch, es war der Beginn einer langen Liebe.

Zwei Tage später ging es zurück nach Hause, wieder in einem Rutsch die 2500 Kilometer. Über Sinn und Unsinn eines Angeltripps an die Algarve könnte man sicher streiten. Für mich war es die Gelegenheit ein neues Land, Portugal, kennen zu lernen. Und die Gelegenheit hatte ich genutzt.

Kurz nach dieser ersten Portugalreise meldete ich mich an der Volkshochschule für einen Portugiesisch-Kurs an. Welche Folgen diese Entscheidung – teilweise noch viele Jahre später – in meinem Leben haben sollte, konnte ich da nicht wissen. Aber das weiß man ja nie.

Bis zu meinem nächsten Besuch in Lissabon sollte es nur zwei Jahre dauern. Nicht in einem 5er BMW wie beim ersten Mal, sondern mit einem geliehenen, damals schon 17 Jahre alten Opel Kadett (der auch nach dieser Reise noch viele Jahre weiter existierte) ging es in den Süden. Es war der Start der schon im Terceira-Artikel erwähnten Azoren-Reise im Herbst 1990.

Camping am Straßenrand

Camping am Straßenrand

Jegliche Mautstrecken – wenn es irgendwie ging – meidend und nur jeweils wenige Stunden im notdürftig aufgebauten Zelt schlafend schafften mein Mitreisender und ich die 2200 Kilometer in ziemlich genau 48 Stunden. Spät abends kamen wir auf der Südseite des Tejos, kurz vor Lissabon, an. Im Dunkeln bauten wir das Zelt abseits der Straße auf.

Zeltaufbau im Licht der Autoscheinwerfer

Zeltaufbau im Licht der Autoscheinwerfer

Erst am nächsten Morgen merkten wir, dass wir uns mitten in einem Sumpfgebiet befanden.

Zelten zwischen Sümpfen

Zelten zwischen Sümpfen

Einen Tag zur Besichtigung Lissabons hatten wir noch, bevor es mit dem Flugzeug auf die Azoren weiter gehen sollte. Neben Baixa und Alfama war dieses Mal auch Belém ein Teil dieser Besichtigung. Besonders blieb mir das Abendessen in einem kleinen Restaurant in der Alfama in Erinnerung. Außer uns waren nur Einheimische anwesend und wir unterhielten uns mit Händen und Füßen (meine Portugiesisch-Kenntnisse waren – wie sich schnell raus stellte – noch nicht so praxistauglich) über Gott und die Welt.

Mir gefiel das kleine Restaurant so gut, dass ich es bei meinem nächsten Besuch in Lissabon, wiederum zwei Jahre später, in den Gassen der Alfama suchte und auch wiederfand. Auf dieser Reise im Sommer 1992 – direkt nach der Abgabe meiner Diplomarbeit – hatte ich mehr Zeit, insgesamt drei Wochen. Natürlich nicht nur für Lissabon. Neben einem Abstecher zur Weltausstellung ins spanische Sevilla bereiste ich viele Teile Portugals, von den Stränden der Algarve bis zum Nationalpark Peneda-Gerês an der Grenze zu Galizien ganz im Norden. Ich nutzte nur öffentliche Verkehrsmittel (oder trampte mal), hatte einen großen und einen kleinen Rucksack dabei und übernachtete auf Campingplätzen (besonders “toll” war derjenige von Sevilla, er liegt direkt in der Einflugschneise des dortigen Flughafens).  In Lissabon hatte ich die Zeit, durch Stadtteile zu streifen, die man sich bei Kurzbesuchen nicht anschaut.

Campingplatz Lissabon

Campingplatz Lissabon

Was mir auf der 92′er Reise durch Portugal fehlte, war Flexibilität. Kleinere Orte und das Hinterland sind mit Bussen und Bahnen teilweise schwer, oft gar nicht zu erreichen. Das wollte ich bei meiner nächsten Reise ändern. Wiederum eine Weltausstellung spielte dabei eine Rolle. Die EXPO 1998 in Lissabon war der konkrete Anlass nach Portugal zu fliegen. An zwei Tagen besuchte ich die am Ufer des Tejo gelegene Ausstellung. Auch für einen Stadtrundgang blieb genügend Zeit. Für das Landesinnere hatte ich dieses Mal einen Mietwagen, mit dem ich durch den Alentejo, die nördlich davon gelegene Beira (die mir besonders gut gefallen hat) und die Estremadura kurvte.

Durch den Altentejo

Durch den Altentejo

Auch auf dieser Tour hatte ich mein Zelt dabei und übernachtete auf Campingplätzen. Noch heute könnte ich mich über die beiden Holländer aufregen, die es auf dem Campingplatz – ich glaube es war in Guarda – doch geschafft haben, ihr Zeit – während ich noch unterwegs war – direkt vor meinem aufzubauen. Und das, wo wir auf dem Campingplatz fast allein waren, und es reichlich Platz gab. Mein Anschnauzen hatte immerhin zur Folge, dass sie morgens, als ich aufstand, schon weg waren.

2002, kein Zelt und kein Campingplatz, allerdings auch nur ein Wochenende in Lissabon. In den Jahren davor hatte ich aufgrund meiner Wochenendbeziehung reichlich Lufthansa-Meilen angesammelt. Und bevor diese verfallen, hatte ich für mich und meine Freundin davon Flüge nach Lissabon gebucht. Übernachtet haben wir im ibis-Hotel José Malhoa, nicht sehr zentral gelegen, aber mit einer Metro-Station in der Nähe.

hotel ibis José Malhoa

hotel ibis José Malhoa

Besonders schön war das abendliche Lissabon mit Blick vom Castelo de São Jorge – vor einem die Baixa, dahinter in leichtem Nebel der Tejo, das Monumento Cristo Rei und die Ponte 25 de Abril.

Sieben Jahre sollte es dauern, bis ich das nächste Mal nach Lissabon kommen sollte. Im Gegensatz zu mir sind meine Eltern nie viel gereist, insbesondere der Respekt vor Ländern, in denen nicht Deutsch gesprochen wurde, schien recht groß zu sein. Daher beschloss ich vor ein paar Jahren, ihnen für jeweils ein verlängertes Wochenende einen Teil meiner Welt zu zeigen, die Welt des Reisens. An einem solchen Wochenende sind wir im Juli 2009 nach Lissabon geflogen. Übernachtet haben wir in Oeiras, einem kleinen Ort an der Costa de Lisboa. Das Wetter war hervorragend, vom Stadtbummel durch Lissabon – einschließlich einer kurvigen Fahrt mit der Elétrico durch die Altstadt – über Baden im Atlantik bis zur Serra de Sintra gab es viel an Programm. Ich denke, ich konnte ihnen ein wenig meine Begeisterung für Lissabon vermitteln.

Und ich? Ich freue mich auf meinen nächsten Besuch in Lissabon.

P.S.: Mein Chef, mit dem ich 1988 erstmals nach Lissabon kam, ist inzwischen gestorben. Seine Zuneigung zu Lissabon habe ich aber schon vor langer Zeit übernommen.

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Exotik vor der Haustür – eine Balkan-Reise

Ich schwöre, es war keine Absicht. Aber der 50-Euro-Schein befand sich im Pass. Und der Pass befand sich zu diesem Zeitpunkt in den Händen eines mazedonischen Zollbeamtens. Und das an einer Grenzstation, die mit Aufklebern vollgeklebt war, die vor Bestechung warnten. Der Zollbeamte gab mir den Pass zurück, mit der bitte, doch nochmals hineinzuschauen. Es hat gedauert, bis ich geblickt habe, warum…

Dabei war schon der Weg zur mazedonischen Grenze nicht wirklich einfach. Die Griechen ignorieren nämlich ihren neuen nördlichen Nachbar. Griechenland befürchtet Gebietsansprüche Mazedoniens auf seine Region Makedonien. Und so findet man höchstens mal ein Verkehrsschild mit einem Hinweis auf FYROM (Former Yugoslavian Republic of Macedonia). Europa im Frühjahr 2008.

Diese Reise begann natürlich nicht mit der Suche nach der griechisch-mazedonischen Grenze, sie begann mit einer Fahrt durch die Schweizer Alpen und Norditalien. Der erste Reisetag endete in der kleinen Republik San Marino auf einem Campingplatz. Schön gelegen und mit einer hervorragenden Pizzeria ausgestattet.

Campingplatz San Marino

Campingplatz San Marino

Bevor die Fahrt am nächsten Tag weiterging, stand noch ein Gang durch die Altstadt sowie entlang der alten Festungsmauer in San Marino auf dem Programm. Das Wetter lies zwar etwas zu wünschen übrig (es war trübe und zeitweise regnete es), lohnenswert war die Besichtigung aber trotzdem, nicht ohne Grund gehört die Stadt San Marino und der Monte Titano, auf der sie liegt, zum Weltkulturerbe.

Auf der Fahrt zur italienischen Hafenstadt Ancona regnete es weiter vor sich hin. Ich hatte die Fähre nach Griechenland schon vorab gebucht, so dass es beim “Einschiffen” keine Probleme gab. Überraschend war allerdings, dass wir – so schien es zumindest – fast die einzigen Urlauber auf der Fähre waren. Die Fähre war voll mit gebrauchten Fahrzeugen aus Deutschland. Und als Marke gab es fast nur Mercedes. Wir sollten die Autos alle in Albanien wiedersehen. Bei einbrechender Dunkelheit legt die Fähre ab und quert bei ruhiger See die Adria. Morgens sind wir in Igoumenitsa, ganz im Nordwesten Griechenlands gelegen.

Fähre Ancona - Igoumenitsa

Fähre Ancona - Igoumenitsa

Kaum haben wir Igoumenitsa verlassen, regnet es auch hier, in den Bergen teilweise sogar mit Schnee vermischt. Die Egnatia Odos, die neue Autobahn die Nordgriechenland komplett durchquert, wird erst ein Jahr später fertig sein. So geht es bergauf, bergab in Richtung Osten. Nach Kalambaka, zu Füßen der Metéora-Klöster. Fast 20 Jahre ist es her, dass ich während einer Interrail-Reise das letzte Mal hier war. Bei Sonnenschein stehen am nächsten Tag mehrere der auf Felsspitzen gebauten Klöster auf dem Besuchsprogramm.

Abgesehen vom eingangs beschriebenen “Zwischenfall” ist die Einreise nach Mazedonien problemlos. Nach einem Stopp in Bitola und der Besichtigung der dort liegenden römischen Ruinen von Herakleia Lynkestis geht es weiter an den schön gelegenen Ohridsee. In Ohrid, dem mazedonischen Hauptort am See, werden wir von einem Radfahrer “verfolgt”. Es stellt sich heraus, dass er uns eine Unterkunft anbieten will. Sie ist einfach, sauber und zentrumsnah gelegen. Wir nehmen sie.

Unterkunft Ohrid

Unterkunft Ohrid

Ohrid besitzt eine schöne Altstadt, über der die mittelalterliche Festung des Zaren Samuil thront. Die Stadt ist voll von Kirchen, aber auch mehrere Moscheen gibt es. Nach zwei Nächten in Ohrid geht die Fahrt entlang des Ostufers des Ohridsees weiter. Kurz vor der albanischen Grenze besuchen wir noch das sehenswerte Kloster Sveti Naum.

Nun ist es soweit. Albanien steht vor der Tür, oder besser gesagt, wir stehen an der mazedonisch-albanischen Grenze. Bei Albanien beschleicht mich ein bisschen das Gefühl, das ich hatte, als ich nach Vietnam oder Ruanda unterwegs war. Eine gewisse Flauheit. Was wird uns erwarten? Der Grenzübertritt stellt sich als einfach heraus, ja wäre da nicht auch ein Koreaner (oder war es ein Japaner, ich weiß es nicht mehr so genau), der zeitgleich einreisen wollte. Obwohl reichlich Grenzbeamten vorhanden wären, behandelt nur einer uns gleichzeitig (und mit den Formalitäten für einen Asiaten scheint er überfordert). Alles zieht sich etwas hin.

Albanien war bis Ende der 80er Jahre völlig von der Außenwelt abgeschottet. Die Betonbunker aus der Zeit der Isolierung – es gibt davon mehrere Hunderttausend im Land – findet man überall. Besonders viele in Grenzgebieten und Küstennähe.

Im Umfeld größerer Städte sind die Straßen oft schon erneuert, in abgelegenen Gebieten aber auch noch von vielen Schlaglöchern übersät. Und wo die Straße gerade erneuert wird, fährt man einfach mitten durch die Baustelle.

Albanische Straßenbaustelle

Albanische Straßenbaustelle

Die Verteilung der Automarken auf Albaniens Straßen ist einfach: Gut 90 Prozent sind Mercedes (in der Mehrzahl die schon angesprochenen Gebrauchtfahrzeuge). Vom Rest sind ein Großteil Audi 80 (da wir selbst mit einem zum Reisezeitpunkt fast 20 Jahre alten Audi 80 unterwegs sind, fallen wir nicht weiter auf).

Die Kommunikation ist oft nicht einfach. Meine Albanisch-Kenntnisse sind nahe Null, bleibt also nur die Hoffnung, dass sich immer jemand findet, der ein wenig Deutsch oder Englisch spricht. Da bleibt es nicht aus, dass ein bestelltes Essen auch mal nur aus einer Portion Reis und etwas Salat besteht. Umgekehrt hat man auch keine Probleme an Polizeikontrollen. Ein paar Worte auf Deutsch und schon wird man durch gewunken.

Korça ist das Ziel des ersten Tages in Albanien, eine Stadt im Südosten des Landes ohne allzu viele Sehenswürdigkeiten. Entlang des Grammos-Gebirges geht die Fahrt am nächsten Tag nach Përmet. Auffallend sind die zahllosen, sehr neu aussehenden, immer gleichen Verkehrsschilder, bestehend aus einer Kombination der Ankündigung einer Doppelkurve in 1000 Metern und einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.

Verkehrsschilder in Albanien

Verkehrsschilder in Albanien

Mit Gjirokastra – der Stadt der Steine – und Butrint – eine auf einer Halbinsel zwischen dem See von Butrint, dem Vivar-Kanal und dem Ionischen Meer gelegenen Ruinenstätte – folgen in den nächsten Tage sehr sehenswerte Orte im Süden des Landes. Von Butrint aus geht es durch die Albanische Riviera – immer entlang der Küste, erst des Ionischen Meeres, später der Adria – in Richtung Norden. In Dhërmi beginnt – straßentechnisch gesehen – das Paradies. Nach fast einem Tag Baustellen und Geholper war mir das einen Stopp wert.

Straße Alt / Neu

Straße Alt / Neu

Übernachten in Orikum an der Bucht von Vlora. Am Morgen Weiterfahrt über Vlora und Apollonia nach Berat, der Stadt der tausend Fenster. Berat ist neben Gjirokastra die  Sehenswürdigkeit Albaniens schlechthin! Aber auch Tirana, die Hauptstadt Albaniens und unser nächstes Ziel, bietet – für mich durchaus überraschend – eine Menge zu sehen.

Nach einer knappen Woche geht mein erster Besuch in Albanien mit der Ausreise nach Montenegro zu Ende. Mir hat das Land – alles in allem – sehr gut gefallen! Die Landschaften, die Städte und insbesondere auch die Albaner selbst. Auch wenn die Verständigungsschwierigkeiten oft groß waren, waren sie immer freundlich und hilfsbereit.

Montenegro – ein verhältnismäßig kleiner Staat, der aus dem ehemaligen Jugoslawien entstanden ist – hat – wie der Namen schon vermuten lässt – viele Berge! Und eine schöne Küste! Nach einer Nacht in Virpazar am Skutarisee fahren wir entlang der Adriaküste weiter nordwärts, ein kurzer Stopp bei Sveti Stefan, längere Stopps in Budva und Kotor, Übernachten in Herceg Novi.

Herceg Novi liegt schon fast an der kroatischen Grenze. Und kurz hinter dieser Grenze liegt Dubrovnik! Der Name Perle der Adria hat voll und ganz seine Berechtigung. Die Altstadt und die Stadtmauer – beide wurden während des Kroatien-Krieges in der Schlacht um Dubrovnik 1991/92 erheblich beschädigt – sind zwischenzeitlich fast komplett wieder restauriert. Ein Rundgang über die fast zwei Kilometer lange Stadtmauer belohnt mit vielen Blicken auf die Stadt und das Meer.

Während wir – abgesehen von der ersten Nacht in San Marino – bisher immer feste Unterkünfte auf dieser Reise hatten, ist in Kroatien wieder das Zelt unser Übernachtungsort. Nicht jeder Campingplatz hat im April schon offen, aber mit ein wenig suchen, finden wir immer einen. Auch wenn, wie in Opuzen geschehen, wir die einzigen Gäste sind (dafür aber auch vom Campingplatzbesitzer auf ein Bier eingeladen werden!).

Campingplatz Opuzen

Campingplatz Opuzen

Von Kroatien machen wir einen Abstecher nach Bosnien-Herzegowina, ich möchte die wieder aufgebaute Alte Brücke (Stari most) über der Neretva in Mostar sehen. Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde sie 1993 im jugoslawischen Bürgerkrieg zerstört. Schon 1995 wurde mit ihrem Wiederaufbau begonnen. Heute erstrahlt sie wieder in ihrer alten Schönheit. Ganz im Gegenteil zu vielen anderen Teilen der Stadt, der man noch immer ihre zahllosen Zerstörungen und Kriegswunden ansieht. Immer wieder stockt einem der Atem, wenn man sieht, was am Ende des 20. Jahrhunderts noch mitten in Europa passieren konnte.

Medjugorje, ein kleiner Ort im Westen Herzegowinas, ist ein Zwischenhalt auf der Fahrt zurück nach Kroatien. Bekannt wurde der Ort durch vermeintliche Marienerscheinungen in den 80er Jahren, die aber von der (offiziellen) katholischen Kirche bis heute nicht anerkannt wurden. Trotzdem besuchen eine Vielzahl von Pilgern diesen Ort.

Zurück an der Dalmatinischen Küste in Kroatien warten mit den Städten Sibenik und Zadar sowie dem Nationalpark Krka weitere Höhepunkte dieser Reise, nur noch getoppt vom Nationalpark Plitvicer Seen. Mit dem Besuch der Plitvicer Seen geht die Reise ihrem Ende entgegen. Auf der Insel Krk, dem nächsten Ziel, regnet es.

Campingplatz Bor auf Krk

Campingplatz Bor auf Krk

Und das Wetter soll in den nächsten nicht besser werden. Ohne viele Stopps fahren wir durch Slowenien und Österreich zurück nach München.

Nie mehr seit der Asien-Reise 2001/2002 habe ich während einer einzigen Reise so viele Länder – San Marino, Mazedonien, Albanien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina – erstmalig besucht. Obwohl der Balkan – wenn man wie ich im Südosten Deutschlands lebt – fast vor der Haustür liegt, war er für mich – bis zu dieser Reise – sehr weit weg. Geprägt durch die Kriegsbilder aus Jugoslawien und der langen Verschlossenheit Albaniens. Mein Bild hat sich geändert. Beeindruckende Landschaften, herausragende Stadtschönheiten, freundliche Menschen, das ist mein neues Bild vom Balkan.

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Nationalparks fast ohne Ende – der Südwesten der USA

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre – die Zeit meines Physikstudiums in Stuttgart – war eine Hoch-Zeit für Diavorträge. Zumindest kommt mir das im Rückblick so vor. Und ein Thema war damals ganz groß, der Südwesten der USA mit seinen grandiosen Landschaften. Diese Region rutsche in meiner Reiseprioritätenliste weit nach oben.

Zwei ganze Jahrzehnte sollten vergehen bis ich mir dieses Wunschziel erfüllen sollte. Im April 2010 war es dann so weit. Die Entscheidung fiel aber schon im Herbst davor. Eine News-Mail der Mark-Knopfler-Webseite enthielt die Konzertdaten seiner Get Lucky-Tour für Nordamerika. Unter anderem auch ein Konzert in Phoenix am 18. April. Ohne mir allzu viel Gedanken zu machen – ich hatte aufgrund eines Siegs des FC Bayerns in der Champions League eh gute Laune an diesem Abend – kaufte ich mir ein Ticket für das besagte Konzert. Man glaubt ja manchmal gar nicht, wie schnell so was in Zeiten des Internets gehen kann.

Ein größeres Problem blieb aber noch, ich musste zu dem Konzert auch hinkommen. Nicht ohne Grund hatte ich ja gerade Phoenix ausgewählt. Phoenix liegt im Südwesten der USA! Und nach etwas Hin- und Hersuchen fand ich die idealen Flüge: Hinflug nonstop von München nach San Francisco, zurück mit Zwischenstopp in Charlotte ab Phoenix. Dass ich diesen Rückflug aus Versehen fast für den 18. April, d.h. für den Tag des Konzerts, gebucht hätte, erwähne ich jetzt nur mal am Rande.

San Francisco International Airport. Nach fast 12 wortlosen Stunden steht mein Sitznachbar genauso wortlos auf. Die Entscheidung – trotz der beengten Verhältnisse – einen Fensterplatz zu reservieren, hatte sich aber als richtig erwiesen. Ich wurde mit einem sensationellen Ausblick auf die Eislandschaften Grönlands und die kanadischen Rocky Mountains belohnt. Der Blick aus dem Flugzeug in San Francisco war allerdings weniger sensationell: Tiefes Grau und strömender Regen. Dabei war dies genau der Grund, die Reise hier beginnen zu lassen. 2006, bei meinem ersten Besuch in San Francisco, hatte ich schon dieses Wetter. Und ich wollte die Stadt doch einmal bei schönem Wetter sehen.

Die Zollkontrolle war länglich, aber eher unterhaltsam als nervig. Allein reisend (ich denke, wenn ich Teddy und Teddine als meine Mitreisenden vorgestellt hätte, wäre meine Lage nicht besser geworden…), syrisches Visum im Pass, nur 70 Dollar Bargeld. Da scheint für den Einreisebeamten Gesprächsbedarf zu bestehen. Aber meine Pakete an Filmmaterial scheinen mich als Touri glaubwürdig zu machen.

Mit dem Wetter hatte ich auch Glück. Der Morgen nach meiner Ankunft bot strahlendes Frühlingswetter! Golden Gate Bridge, Golden Gate Park, Downtown, die Piers, Coit Tower, … Mein zweiter Besuch in San Francisco war ein voller Erfolg. Und nicht nur das Wetter war mir wohlgesinnt. Mein in der Hektik eines Buswechsels heruntergefallener Geldbeutel wird von einem Busmitfahrer sofort entdeckt. Das wäre richtig beschissen gewesen, gleich am ersten Tag der Reise ohne Geld, ohne Ausweise und ohne Kreditkarten dazustehen.  Am nächsten Tag machte mir dann das Wetter einen – wenn auch kleinen – Strich durch die Rechnung. Auf meinem Weg ins Death Valley wollte ich die Strecke über Lake Tahoe nehmen. Schwere Schneefälle in der Sierra Nevada ließen das aber nicht zu. So fuhr ich auf südlicher Route dort hin. Die Pazifikküste sowie die Nationalparks Yosemite und Kings Canyon / Sequoia ließ ich aus, da ich diese schon 2006 bereist hatte.

Der Death Valley Nationalpark war weit abwechslungsreicher als ich mir vorgestellt hatte. Von Sanddünen über farbige Felsformationen bis zum schneeweißen Badwater-Gebiet. Auch die Hitze war – obwohl gerade mal Anfang April – durchaus nicht ohne. Am frühen Nachmittag ging es weiter in Richtung Osten. Es ist beeindruckend wenn man irgendwann die Berge herunterfährt und Las Vegas mitten in der Wüste entdeckt.

Im Gegensatz zu den sonst üblichen Motels entscheide ich mich in Las Vegas für ein Hotel, dem Palace Station. Mein Zimmer ist so abgelegen, dass man es ohne die ausgehängten Pläne nie finden würde. Das Fenster bietet einen Ausblick direkt auf eine einen Meter entfernte Hauswand. Als “Ausgleich” brummt die Kühlung eines Getränkeautomaten im Hintergrund. Und der Duschkopf läßt darauf schließen, dass der durchschnittliche Nutzer des Zimmers 2 Köpfe kleiner ist als ich. Mit einem Shuttle-Bus gehts zum Las Vegas Strip. Es ist Samstagabend und es ist die Hölle los. Trotz schon leicht müder Knochen laufe ich den Strip einmal hoch und einmal runter. Die Geldmaschinen sehen allerdings keinen Cent von mir.

Am nächsten Morgen ein kurzer Stopp am Hoover Dam, der den Colorado River zum riesigen Lake Mead aufstaut, dann weiter in Richtung Grand Canyon. Meine Idee dort den Sonnenuntergang zu erleben, löst sich auf der Interstate 40 kurz vor Williams im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auf. Ein Reifen an meinem Mietwagen platzt.

Koreanischer Plattfuß

Koreanischer Plattfuß

Ich rufe die Mietwagenfirma an. Ich solle warten, spätestens in einer Stunde würde jemand vorbeikommen. Als nach zwei Stunden niemand da ist, rufe ich wieder an. Den abendlichen Grand Canyon habe ich inzwischen gestrichen. Nach vier Stunden habe ich die Schnauze voll. Ich wechsle das Rad selbst und fahre – inzwischen ist es dunkel geworden – nach Flagstaff. Dort wechsle ich den Mietwagen und übernachte auch. Warum ich erst 4 Stunden warte, bis ich das Rad in ein paar Minuten selbst wechsle? Ich weiß es nicht. Warum mich der angekündigte Reparaturdienst nicht findet, obwohl ich direkt an einer viel befahrenen Interstate nur ein paar Meilen vor einem größeren Ort stehe? Das weiß ich allerdings noch weniger.

Den Grand Canyon gibt es dann am nächsten Morgen. Ich bin beeindruckt. Was mich aber aufregt: Steine von den Klippen zu werfen ist beliebt bei Jung und Alt. Den Einwand “Da könnte jemand unten lang laufen” wird einfach mit dem nächsten Steinwurf beantwortet. Unglaublich.

Sandsturm in Utah

Sandsturm in Utah

Die Weiterfahrt ist von starken Winden geprägt. In baumlosen Gegenden fegt ein regelrechter Sandsturm über die trockene Landschaft. Beim Stopp am Horseshoe Bend, einer wunderschönen Schleife, die der Colorado dort gebildet hat, bleibe ich sicherheitshalber doch recht weit von der Kante weg. Gleich mehrere Höhepunkte bietet der nächste Tag, morgens der Lower Antelope Canyon und der Glen Canyon Dam mit dem Lake Powell, abends der Zion Nationalpark. Aus fotografischen Gründen versuche ich die Hauptsehenswürdigkeiten immer früh morgens oder spät abends anzusteuern.

Mit dem Zion Nationalpark bin ich in Utah angekommen, schon mein vierter Bundesstaat nach Kalifornien, Nevada und Arizona in den wenigen Tagen. Das von den Mormonen geprägte Utah bietet eine Fülle an Natursehenswürdigkeiten. Nicht nur die Nationalparks Zion, Bryce Canyon, Capitol Reef, Canyonlands und Arches sind alle schon eine Reise wert, auch die Landschaften dazwischen sind wunderschön. Und nahezu menschenleer. Selten mal ein kleiner Ort. Einer dieser Orte ist Escalante. Es ist schon Nachmittag und ich habe Hunger. Ich stoppe an einer Tankstelle mit einem Subway.

Die FC Bayern-Tankstelle mit Subway

Die FC Bayern-Tankstelle mit Subway

Tagsüber habe ich normalerweise das Handy aus, man hat eh keinen Empfang. Jetzt schalte ich es aber ein. Und ich bekomme die Nachricht, dass der FC Bayern (trotz der 3:2-Niederlage bei Manchester United) im Halbfinale der Champions League steht. Ich hüpfe innerlich. In weiser Voraussicht hatte ich mir schon im Herbst 2009 Flugtickets für Madrid an Pfingsten 2010 gekauft. Und am Pfingstsamstag ist das Champions League-Endspiel in… Genau! In Madrid. Und die Bayern stehen nur noch zwei Spiele davor.

Die unbewohnten Gebiete bieten nicht nur keinen Handy-Empfang, es gibt auch keinen Radio-Empfang. In Kalifornien gab es ständig Classic Rock-Radiostationen, hier gibt es nur Rauschen. CDs habe ich keine dabei. Die Lösung findet sich aber in Form eines kleinen Kabels, mit dem ich meinen MP3-Spieler mit dem Autoradio verbinden kann.

Das Colorado National Monument bietet noch einmal eine ähnliche Landschaft und insbesondere die roten Farbtönen der Nationalparks von Utah. Danach treten neue Formen und Farben in den Vordergrund. Schwarz im Black Canyon of the Gunnison (wer hätte es bei dem Namen schon erwartet?), weiß vom noch reichlich vorhandenen Schnee in den Rocky Mountains, gelb und grau in den Sanddünen der Great Sand Dunes. Und wieder – dieses Mal richtig blendendes – Weiß im White Sands National Monument, schon in New Mexico gelegen. Ansonsten ist New Mexico eher langweilig, die Altstädte von Taos und Albuquerque verdienen – wenn man europäische Altstädte kennt – ihren Namen nicht.

White Sands ist nicht nur durch ihre Dünen bekannt, auch ist der Ort unmittelbar mit dem Zünden der ersten Atombombe und der amerikanischen Raketenentwicklung verbunden. Der Besuch der Raketenausstellung auf der White Sands Missile Range bleibt nicht das einzige Technik-Highlight dieser Reise. Mit dem Titan Missile Museum in Sahuarita, dem Pima Air & Space Museum in Tucson, dem Kitt Peak National Observatory und mit Biosphere 2 nördlich von Tucson kommen weitere Technik-Sehenswürdigkeiten hinzu. Daneben bleibt aber auch Zeit für das ganz im Süden Arizonas gelegene Chiricahua National Monument, die Westernstadt Tombstone (berühmt durch die Schießerei der Earp-Brüder und Doc Holliday) und den zweigeteilten Saguaro Nationalpark.

Phoenix hatte ich schon ganz am Anfang erwähnt, es bildete den Abschluss dieser über 4000 Meilen langen, dreiwöchigen Reise durch den Südwesten der USA. Von deutlichen Minusgraden im Bryce Canyon Nationalpark bis hochsommerlichem Wetter im in der Wüste gelegenen Phoenix gab es ein breites Temperaturspektrum. Bis auf wenige Ausnahmen war es aber immer sonnig.

Das Mark Knopfler-Konzert, das den kulturellen Höhepunkt der Tour bildete, war sehr gut, die alten Dire Straits-Nummern reissen mich noch immer vom Hocker, aber auch die meist langsameren Solostücke sind live gespielt großartig. Die Band war gut drauf, der Meister selbst sehr gesprächig. Das Ambiente, eine relativ kleine Konzerthalle, in der Downtown von Phoenix sehr passend.

Fast hätte ich die Reise sogar noch unfreiwillig verlängert, da ein Vulkanausbruch auf Island den ganzen Transatlantikluftverkehr unterbrochen hatte. Mit einer gewissen Nervosität verfolgte ich während der letzten Tage meines Urlaubes die Entwicklung. Auch wenn es in amerikanischen Nachrichtensendungen praktisch keine Rolle spielte (was ist so ein Vulkanausbruch im Vergleich zu einer entlaufenen Katze in irgendeiner Ecke von Nebraska…), konnte ich die Nachrichten über weltweit gestrandete Passagiere im Internet verfolgen. Ich hatte Glück, genau nach Plan kam ich wieder in München an. Mein Gepäck allerdings nicht. Es brauchte einen Tag länger.

Mit der schon erwähnten Ausnahme Las Vegas habe ich auf dieser Reise immer in Motels übernachtet, meist unterwegs gesucht, an den Wochenenden auch mal einen Tag vorher reserviert. Die Zimmer sind fast immer groß, oftmals auch riesig. Der Zimmerpreis lag meist zwischen 50 und 60 Dollar, teure Ausnahmen wie das Best Western in Line Pine (auf dem Weg ins Death Valley) mit knapp über 100 Dollar gab es allerdings auch, Alleinreisenden-Rabatt selten. Das Frühstück amerikanischer Motels ist – in einem einfachen Wort gesprochen – ein Witz. Ein paar Toastscheiben, Käseecken, Kaffee aus dem Automaten. Und das alles auf Papptellern, mit Plastikgeschirr und in Plastikbechern. Mir ist es ziemlich egal, ich bin kein großer Frühstücker. Warum sich die Amerikaner das aber gefallen lassen, ist mir ein Rätsel. Die einzige Erklärung, die mir einfällt ist, ist die, dass sie nichts anderes gewöhnt sind.

Pima Air & Space Museum

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Am Rande erwähnt (1)

Zeit: Ein Sonntagmorgen im August. Ort: Der Regional-Express von Ulm nach München. Genaugenommen: Der Bahnhof in Offingen (ich möchte Offingen nicht zu nahe treten, aber ich kannte den Ort bis zu diesem Zeitpunkt nicht – was allerdings für einen Großteil aller Orte gilt, es gibt ja erstaunlich viele davon). Verlängerter Stopp wegen kaputter Zug-Toiletten. Reisende mit einem dringenden Geschäft können die Bahnhofstoilette benutzen. Erst als alle wieder da sind, geht es weiter. Kundenorientiertheit bei der Bahn!

Die Frage, warum in einem ziemlich neu aussehenden Zug beide Toiletten kaputt sind und ob Reisende durch die Verzögerung ihre Anschlüsse verpassen, kann ich allerdings nicht beantworten. Ab Augsburg wird es einfacher, ein Zugteils mit funktionierenden Toiletten wird angehängt.

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Steine im Dom

Von meinen jährlichen Treffen mit alten Studienfreunden habe ich schon berichtet. Mit einem aus dieser Gruppe hatte ich meine Diplomarbeitszeit am Stuttgarter Max-Planck-Institut für Metallforschung verbracht (speziell im A-Raum – was für ein unglaublich einfallsreicher Namen für ein Labor! Und ja, den B-Raum gab es auch… – des Pelletron-Gebäudes). Dieser Freund promovierte später und ging für eine Post-Doc-Stelle 1994 nach Japan. Gerne dürfe ich ihn doch auch dort mal besuchen…

Ich hatte Europa zu diesem Zeitpunkt noch nie verlassen (mit einem gewissen geologischen Anspruch könnte man sagen, dass der westliche Teil Islands zu Amerika, Teile der Azoren gar zu Afrika gehören…), finanziell war das während des Studiums (oder gar davor) und jetzt – mitten in meinen Osnabrücker Windkraftzeiten – einfach nicht drin. Aber ich ließ mich zu der Aussage hinreißen, wenn er Karten für die Rolling Stones in Tokio besorgen würde, dann würde ich zu dem Konzert mitkommen (woher ich von diesen Konzerten wusste – man darf nicht vergessen, 1994 ist noch das Vor-Web-Zeitalter (zumindest was den allgemeinen Privatgebrauch betrifft) -, kann ich heute nicht mehr sagen). So richtig ernst, habe ich das nicht genommen und Tickets bekommt man bestimmt auch nicht so leicht.

Ich denke, es war um die Weihnachtszeit 1994, als ich erfuhr, dass mein Studienfreund zwei Tickets für ein Rolling Stones-Konzert am 17. März 1995 bekommen hatte. In Tokio. Nun musste ich nur noch meinen Teil des Versprechens einlösen…

Ich kratzte mein Geld zusammen, hatte die Aussicht durch einen Windkraft-Vortrag ein paar Yen zuverdienen und die Möglichkeit in einer Studentenunterkunft umsonst übernachten zu können. Mit deutschem Wein und mehrsprachigen (!) Osnabrück-Bildbänden im Gepäck (als Gastgeschenke für die Unterkunftsverwalterin und den Professor, der meinen Vortrag organisierte) ging es los.  Zug von Osnabrück nach Düsseldorf, kurzer Hüpfer nach Brüssel und weiter nach Tokio.

Für den Weg von Narita, den nordöstlich von Tokio gelegenen internationalen Flughafen, nach Hiratsukaka, den Ort der Post-Doc-Stelle meines Studienfreundes (und südlich von Tokio gelegen), hatte ich eine genaue Beschreibung in der Tasche. Flughafenzug nach Shinjuku im Zentrum Tokios, dort in einen Zug der Odakyū Odawara Line, einer S-Bahn-artige Vorortbahn, umsteigen und am Bahnhof Hadano wieder raus. Hört sich einfach an, oder? Für den Flughafen stimmt das auch, da ist das meiste auch auf Englisch angeschrieben. In Shinjuku aber nicht. Die Abfahrtsgleise der Odakyū Odawara Line hatte ich schnell gefunden, nur ist diese Line genaugenommen zwei Linien. Und nur auf einer Linie liegt mein Zielbahnhof. Ich zeige meinen Zettel mit den japanischen Schriftzeichen meiner Endstation herum und irgendwann heißt es, das sei mein Zug. “Heißt es” ist eigentlich falsch, die Japaner sind hilfsbereit, vermeiden aber das gesprochene (englische) Wort.

Ich komme an und freue mich auf die Unterkunft in Hiratsuka. Sie bietet bei klarem Wetter einen Blick auf Japans heiligem Berg, dem Fuji.

Hiratsuka mit Fuji

Hiratsuka mit Fuji

An weniger klaren Tagen – das waren leider die meisten während meines knapp zweiwöchigen Aufenthalts – hat  man immer noch den Ausblick auf eine Straßenbaustelle vor dem Haus. Das klingt jetzt nicht besonders spannend, ist es wohl auch nicht, hat aber – zumindest für einen Nicht-Japaner – einen gewissen Unterhaltungswert. Der Verkehr an der Baustelle wird durch – in schicke Uniformen und weiße Handschuhe gekleidete – Menschen geregelt, die sogenannten “Winker”, einen Namen, den sie von mir aufgrund ihrer Tätigkeit bekamen. Und sie taten das – und tun es vielleicht noch immer – mit einer unglaublichen Gewissenhaftigkeit…

Neben dem oben erwähnten Windkraft-Vortrag stehen in den ersten Tagen Ausflüge in die nähere Umgebung an, darunter das nicht enden wollende Häusermeer Tokios, die Kleinstadt Odawara und die Insel Enoshima. Selbst in Tokio sieht man wenige westliche Touristen, außerhalb fast gar nicht. Und das “Sehen” ist in diesem Fall einfach, da die meisten Nicht-Japaner selbst in Menschenmeeren aufgrund ihrer Körpergröße immer schnell sichtbar sind. An das Fehlen lateinischer Buchstaben gewöhne ich mich schnell. Ausgerüstet mit den Schriftzeichen der wichtigsten Orten komme ich überall klar. Und richtig genial sind die Shokuhin sampuru, nachgemachte Nahrungsmittel aus Plastik, die sich im Schaufenster eines jeden Restaurants befinden.

Shokuhin sampuru

Shokuhin sampuru

Und Shokuhin sampuru gibt es nicht nur für Essen…

Shokuhin sampuru

Shokuhin sampuru

Verhungern kann man also nicht. Und obwohl das Preisniveau in Japan relativ hoch ist – die wahrscheinlich bis heute teuerste Dose Bier in meinem Leben trinke ich im Hard Rock Cafe Tokios -, ist das Essen in einfachen Restaurants bezahlbar und gut.

Um nicht nur Tokio und seine Umgebung kennenzulernen, habe ich schon vor der Reise den Japan Rail Pass gekauft (das “vor der Reise” ist wichtig, man bekommt den Pass nur im Ausland!). Mit ihm hat man die Möglichkeit alle Züge von Japan Rail für einen bestimmten Zeitraum ohne zusätzliche Kosten zu nutzen, insbesondere auch die Hochgeschwindigkeitszüge Shinkansen.

Japan Rail Pass

Japan Rail Pass

Ausflüge in die Hunderte Kilometer entfernten Städte Sendai (relativ weit im Norden Honshus), Kyoto und Nara (beide südwestlich von Tokio gelegen) sind damit problemlos an einem Tag möglich. Morgens hin, abends zurück. Kyoto vermittelt einen gewissen Eindruck des “alten” Japans, die Stadt hatte als eine der wenigen Städte Japans das Glück, nicht im Zweiten Weltkrieg zerstört zu werden. Ein Tagesausflug nach Hiroshima (seine Zerstörung durch eine Atombombe jährt sich heute das 65. Mal) klappt nicht, die Shinkansen-Linie dorthin ist durch ein schweres Erdbeben teilweise zerstört.

Noch fehlen allerdings die “Auslöser” der Japan-Reise. Die Rolling Stones. An insgesamt sieben Abenden treten sie im Rahmen ihrer Voodoo Lounge-Tour im Tokyo Dome, einem überdachten Baseballstadion für über 50000 Zuschauer, auf.

Wir haben Tickets für die Tribüne, was für die hinter uns stehenden Japaner zumindest eine gewisse Möglichkeit bietet, auch etwas zu sehen (alle Plätze im Stadion sind zwar Sitzplätze, aber alle Besucher stehen mit Beginn des ersten Tones von Not Fade Away auf, und das obwohl der Stadionsprecher doch gesagt hatte, man solle während des Konzertes sitzen bleiben…). Das allgemeine Aufstehen ist nicht das einzig Auffallende, ein Großteil des Publikums ist im Anzug gekommen, oft mit Aktentasche (was wohl am frühen Beginn des Konzertes liegt), und spendet Beifall eher zurückhaltend. Ein kurzes Klatschen am Ende jeder Nummer, das wars. Da fallen die wenigen Westler im Publikum gleich wieder auf…

Tokyo Dome: The Rolling Stones

Tokyo Dome: The Rolling Stones

Der frühe Beginn des Konzerts hatte auch ein frühes Ende zur Folge. Mit einem Vorortzug ging es “nach Hause”. Wir unterhielten uns auf Deutsch. Das erregte die Aufmerksamkeit eines älteren Japaners, der sich als Medizinprofessor vorstellte. Er berichtete davon, dass er regelmäßig in Hamburg gewesen ist, und dadurch auch ein wenig Deutsch gelernt hat. Um das Gespräch noch fortzusetzen lud er uns auf ein Essen in einem japanischen Restaurant ein. Mit Sushi und reichlich Sake, dem japanischen Reiswein, wurde es ein lustiger Abend. Später folgten noch ein paar Dosen Bier und Indiana Jones im Gemeinschaftsraum der “heimischen” Unterkunft.

Am Tag drauf begann das große Leiden, nicht wegen Sake und Bier, vielmehr hatte mich die japanische Grippe erwischt. Die Ausflüge nach Kamakura und in den Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark konnte ich leider nur noch bedingt genießen. Der ewig-lange Rückflug nach Europa war in der trocknen Flugzeugluft ein ziemlicher Horror. Dabei hatte ich großes Glück und ging dem wahren Horror aus dem Weg. Am Morgen meines Rückfluges waren die Giftgasanschläge in der Tokioter U-Bahn.

Japan war ein Erlebnis, keine Frage. Auf der Liste der Länder, die ich für eine Reise in den Fernen Osten empfehlen würde, steht es aber nicht ganz oben. Im Vergleich zu China oder den Staaten Südostasiens ist es sehr teuer, auch die touristischen Höhepunkte sind – wenn man nicht riesige, unüberschaubare Stadtlandschaften ohne Ende liebt – von begrenzter Anzahl. Ergibt sich aber – wie in meinem Fall – eine (relativ) “günstige” Gelegenheit nach Japan zu reisen, dann nur zu!

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Interrail – Die Dritte

Während meine erste Interrail-Reise wettertechnisch fast alles bot, von Dauerregen in Schottland bis Sonnenbrand an der Adria, war die zweite Auflage eher ein kühles Unterfangen – wie man es in Skandinavien irgendwie auch erwartet. Die dritte Europa-Tour im Zug im Sommer 1988 war das komplette Gegenteil davon, es war einfach nur heiß. Griechenland erlebte Temperaturen von fast 40 Grad.

Aber der Reihe nach. Bei meinen ersten beiden Interrail-Touren hatte ich schon viele Teile Europas durchstreift. Ich war ganz im Norden, viel im Westen und in Italien. Der Osten – wir befinden uns in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts – war, wenn überhaupt, nur relativ schwierig zu bereisen, schon gar nicht mit den Möglichkeiten eines Interrail-Tickets (Ausnahmen bestätigen auch hier wiedermal die Regel, wie man gleich sehen wird). Was noch blieb waren der Südosten und Südwesten Europas. Der Südwesten mit der iberischen Halbinsel schien mir damals nicht so reizvoll, in Portugal war ich, wenn auch kurz, im Frühjahr des gleiches Jahres. Und Spanien verlangte für viele Züge Zuschläge, was es auch nicht sehr verlockend machte. Der Südosten, der Balkan, war aber noch völliges Neuland.

Interrail Ticket 1988

Interrail Ticket 1988

Jugoslawien – das es damals noch gab – gehörte zwar zum Ostblock, spielte aber nicht nur politisch seine eigene Rolle, sondern war auch Mitglied im Interrail-Verbund. Dorthin sollte es als erstes gehen. Start in Schaffhausen, kurz hinter der deutschen Grenze, nicht weit weg von Donaueschingen. Durch die Schweiz und Österreich finden wir – auf dieser Reise begleitetete mich ein Studienfreund – den Weg nach Zagreb. Die heutige Hauptstadt Kroatiens gibt zwar keinen offensichtlichen Anlass, aber irgendwie herrscht doch ein gewisser Respekt vor dem “Osten”. Eine Art von Gefühl, das mich auch auf späteren Reisen immer mal wieder beschleicht, das aber fast immer – wenn man dann mal dort ist – völlig unbegründet ist.

Von Zagreb geht es auf langer Fahrt quer durch Jugoslawien nach Thessaloniki. Eine recht angespannte Zugfahrt. Unter Interrailern kursieren Geschichten über Überfälle und ähnliches auf diesem Streckenabschnitt. Uns passiert aber nichts.

Der Norden Griechenlands bildet ein schmaler Streifen entlang des Ägäischen Meeres. Diesen durchqueren wir in östlicher Richtung und machen dabei einen Badestopp in Alexandropolis. Da ich dazugelernt hatte, legte ich mich unter einen großen Sonnenschirm, bevor ich am dortigen Strand einschlief. Als nicht gerade kleiner Mensch ragten aber meine Füße darunter hervor…

Interrail Karte 1988

Interrail Karte 1988

Auf der Oberseite meiner Füße holte ich mir einen ausgewachsenen Sonnenbrand. Das Tragen von Schuhen war eine einzige Qual. Es half alles nichts, die Reise musste ja weitergehen. Und als nächstes stand Istanbul auf dem Programm. So lief ich die nächsten zwei Tage barfuß durch Istanbul. Das war – erstaunlicherweise – auch weitestgehend kein Problem, nur Wege, die den ganzen Tag schattenlos waren, galt es lieber zu meiden…

Istanbul – eine unglaublich vielseitige und aufregende Stadt – bot auch eine Neuerung in meinem Interrailleben: Die bezahlte Übernachtung. Sinnvolle Nachtzüge nach irgendwohin und zurück gab es nicht. Und der kleine Bahnhof bot auch keine brauchbaren Ecken. Zu dritt teilten wir uns ein Zimmer in einer sehr einfachen Unterkunft. Istanbul bot noch eine zweite Neuerung in meinem Leben: Das erstmalige Verlassen Europas. Ohne viel Aufwand fährt man mit der Fähre über den Bosporus und schon ist man in Asien!

Von Istanbul ging es in zwei Nächten und einem Tag durch das nördliche Griechenland nach Kalambaka. Überfüllte Züge. Und Stehklos – aus hygienischen Gründen kann man ein einem Stehklo ja auch Vorteile sehen, wenn aber der Zug – trotz oder vielleicht gerade wegen seiner unendlichen Langsamkeit – ständig durchgerüttelt wird, sind diese eine wahre Herausforderung. Und entsprechend sahen sie aus. Dazu die Hitze. Der Versuch in der Gepäckablage zu schlafen, scheitert kläglich. Dort ist es noch wärmer.

Griechenland 1988: Im Abteil

Griechenland 1988: Im Abteil

Und wo ist Kalambaka? Es liegt am Fuße der Metéora-Klöster, Klöster, die sich auf der Spitze von steil-aufragenden Felsen befinden. Früher konnten diese nur über abenteuerliche Seilwinden erreicht werden. Im öffentlichen Bus, der die Touris zu den Klöstern bringt, herrscht Arbeitsteilung: Es gibt den Fahrer, es gibt den Fahrkartenverkäufer. Und es gibt den Fahrkartenkontrolleur, der die Fahrkarten, die sein Kollege gerade verkauft hat, wieder einsammelt. Ein Arbeitsbeschaffungsprogramm auf griechisch.

Von Kalambaka weiter in Richtung Delphi. Nur nicht nach Fahrplan (der auch – wenn nicht gerade “Drähn kabut” – höchstens eine Absichtserklärung darstellt). Irgendwann kommt ein Zug. Zuckeln bis Paleofarsalos (im Frühjahr 2008 – fast genau 20 Jahre nach meinem ersten Besuch – staune ich Bauklötze, als ich im Rahmen einer Balkanrundreise wieder zu den Metéora-Klöstern komme, und einen durchgehenden Intercity nach Athen auf den Bahnhofsgleisen Kalambakas sehe). Warten. Weiterzuckeln in Richtung Süden. Außerplanmäßiges Ende in Bralos. Waldbrände verhindern die Weiterfahrt. Es ist schon Nacht. Zu fünft nehmen wir ein Taxi nach Delphi. Am Taxi funktioniert nur das Fernlicht. Kommt ein Auto entgegen, schaltet der Fahrer “zur Sicherheit” das Licht ganz aus…

In Delphi kommt zum ersten Mal eine weitere Internet-Neuheit zum Einsatz: Die Isomatte. Zwischen ein paar Bäumen unweit des Einganges zum Ausgrabungsgelände breite ich sie aus und schlafe so gut, dass ich erst durch anrückende Besucher am Morgen mit ihren Unterhaltungen geweckt werde. Abends mit dem Bus nach Levadia. Die Nacht auf dem Bahnhof. Mit dem ersten Zug am Morgen in die griechische Hauptstadt Athen.

Athen finde ich enttäuschend. Es gibt die interessanten antiken Ruinien, Akropolis und Agora beispielsweise. Und dann? Die Stadt scheint danach in einen Jahrtausende langen Schlaf gefallen zu sein. Nicht wie Rom – die andere große Stadt der europäischen Antike -, die heute Sehenswertes aus vielen Jahrhunderten der Geschichte bietet.

Von Piräus – dort nächtigten wir in einer einsamen Ecke des Hafens – geht es mit Fähren und Zwischenstopps auf Ägina und Angistri auf den Peloponnes. Das Theater in Epidauros, die Zahnradbahn Diakopton – Kalavrita und das antike Olympia stehen auf dem Programm. Nachtzüge gibt es hier nicht. Übernachtet wird entweder auf dem Bahnhof oder einfach irgendwo, der Isomatte sei Dank!

Tagsüber sind die Züge meist voll, man ist froh, überhaupt einen Platz zu bekommen.

Griechenland 1988: Im Gepäckwagen

Griechenland 1988: Im Gepäckwagen

Dieses Bild war eines von drei Gewinnerbilder eines Wettbewerbes, den GEO Saison zu ihrem 20-jährigen Bestehen durchführte. In diesem Wettbewerb suchte die Zeitschrift Bilder aus ihrer Gründungszeit.

Mit der Fähre ging es über die Adria von Patras ins italienische Brindisi. Die Fähre ist auch der Grund für die blaue Farbe des Interrail-Tickets. Mit der Option “+ Schiff” durfte man nicht nur alle nicht-deutschen Züge nutzen, auch bestimmte Fähren waren damit kostenlos. Von Brindisi mit einem Zwischenstopp in Tarent nach Reggio di Calabria. Dort mal wieder eine Nacht auf dem Bahnhof. Morgens die Fähre nach Messina. Sizilien! Zug nach Catania. Nicht, dass ich mir Catania anschauen wollte. Nein, das Ziel ist der Ätna. Auf der Suche nach einer Fahrgelegenheit, die uns Richtung Gipfel bringen soll, geraten wir in eine merkwürdige Situation. Erst später wird uns bewusst, dass wir übers Ohr gehauen werden sollten (was den Betrügern aber nicht gelingt, weil uns schlichtweg das nötige “Kleingeld” fehlte). Mit einem Bus gelangen wir schließlich in höhere Regionen des Ätnas, allerdings noch weit weg vom Gipfel. Dort laufen wir noch stundenlang über die Weiten der Lavafelder. Abends kommen wir per Anhalter und einem Bus zurück nach Catania, fahren von dort mit dem Zug nach Syrakus. Leider macht der Bahnhof in Syrakus über Nacht zu, so dass wir uns zu mitternächtlicher Stunde noch eine Unterkunft suchen müssen.

Die Fahrt von Syrakus, beginnend am nächsten Abend, in Richtung Norden war dann eine äußerst merkwürdige. Eine im Mülleimer des Toilettenabteiles gefundene Handtasche, die erst niemand vermisst, dann aber doch jemandem gehört. Und das Schussloch im Fenster! Mitten in der Nacht schrecken wir durch ein Geräusch auf. Die äußere Scheibe des Abteils hat ein Loch. Es war wohl nur die Kugel eines Luftgewehrs. Aber richtig ruhig kann man danach auch nicht mehr schlafen…

Mailand ist die letzte Station der “Hauptreise”, viel Zeit für die Besichtigung der Stadt bleibt allerdings nicht mehr, da der Syrakus-Zug nicht nur seltsame Ereignisse mit sich brachte, er hatte auch mehrere Stunden Verspätung. Am Nachmittag geht es weiter nach Hause.

Die Schweiz (u.a. mit dem Glacier-Express von Brig nach Chur) und ein abschließendes Wochenende in Paris sind die letzten Ziele dieser Reise.

Nicht nur diese Interrail-Tour ist damit vorbei, auch die Interrail-Zeit insgesamt ist damit für mich zu Ende (oder vielleicht doch nicht? Inzwischen gibt es das Interrail-Ticket ja für jede Altersklasse…), die Zeit der großen Bahnreisen fast auch. Nur noch ein gelegentliches Aufflackern, aber nicht mehr in Europa.

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Interrail – Die Zweite

Die Sommerferien 1985 bestanden aus zwei Teilen, meiner ersten Interrail-Reise und einem Ferienjob. Vom im Ferienjob verdienten Geld hatte ich mir meinen ersten eigenen Computer gekauft, einen Commodore 64, gebraucht für 400 D-Mark. Schon ein paar Monate später erwies sich dies als glückliche Entscheidung. Von einem Schulfreund bekam ich eine Kleinanzeige, in der ein Nebenjob als Programmierer für den C 64 gesucht wurde. Ich bekam nicht nur diesen Nebenjob (und mit ihm zum ersten Mal Geld für selbst geschriebene Software!), sondern darüber hinaus auch einen Ferienjob im Sommer 1986.

1986, die Schulzeit war zu Ende, das Studium scheinbar noch weit weg, und ich hatte meinen ersten richtigen Job als Software-Programmierer. Und richtig hieß in diesem Fall, dass ich sogar Urlaubsgeld bekam! Zwei der drei Wochen der bevorstehenden zweiten Interrail-Reise waren bezahlter Urlaub! Das klingt jetzt vielleicht wenig aufregend, für mich war es aber einfach unglaublich.

Und das Ticket selbst bekam ich von meinen Eltern als Geschenk zum Abitur bezahlt.

Interrail Ticket 1986

Interrail Ticket 1986

Während die erste Interrail-Reise in den Westen und Süden Europas ging, sollte es dieses Mal in den Norden gehen. Dies hatte allerdings auch einen Nachteil: Das Interrail-Ticket ist nur für Länder außerhalb Deutschlands gültig, will man Züge in Deutschland nutzen, muss man den halben Fahrpreis bezahlen. Donaueschingen liegt nun aber ganz im Süden Deutschlands, es ist das kleine rote DS auf der Karte. Um kostengünstig nach Skandinavien zu kommen, braucht man deshalb viel Zeit.

Von Straßburg (dorthin fuhren uns – neben mit war noch ein Freund dabei – meine Eltern mit dem Auto) nach Paris-Ost, Wechsel zu Fuß nach Paris-Nord, weiter ins belgische Lüttich, dort die Nacht auf dem Bahnhof. Am nächsten Morgen von Lüttich über Maastricht, Utrecht, Amersfoort und Groningen zum kleinen niederländischen Grenzort Neuschanz. Mit einem Bus auf die deutsche Seite der Ems nach Leer, nicht damit rechnend deutsches Kleingeld dafür zu brauchen. Da der Busfahrer meinen 50 D-Mark-Schein nicht wechseln konnte (oder wollte), musste ich mir Geld von Mitreisenden borgen. Weiter mit dem Daumen nach oben (ist schon mal aufgefallen, dass man heute kaum noch Tramper an Deutschlands Straßen sieht?). Von Leer mit dem Auto über Bremen nach Hamburg (letztere Strecke in irgendeinem Sportwagen mit Vollgas durchgehend auf der linken Spur).

Der Nachtzug Hamburg-Kopenhagen ging erst sehr spät am Abend, so dass noch Zeit zum Stadtbummel in Hamburg war. Und hier kommt auch mein Ferienjob wieder ins Spiel. Diesen hatte ich nämlich bei “Fürstenberg Holz”, dem unbekannten Bruder der “Fürstenberg Brauerei”. Beide nutzen aber das gleiche fürstliche Logo. Und ein T-Shirt mit diesem  Logo trug ich an jenem Tag.

Wegen des T-Shirts mit dem Fürstenberg-Logo wurde ich angesprochen. Von einem in St. Pauli tätigen Sozialarbeiter, der früher einmal in Donaueschingen gelebt oder gearbeitet hatte (oder beides, genau weiß ich das nicht mehr). Was folgte, war eine Hinter-den-Kulissen-durch-St.-Pauli-über-die-Reeperbahn-Tour. Er kannte jeden, jeder kannte ihn. Ganz schön interessant und aufregend für jemanden vom Land…

Mit Zug und Fähre ging es in der Nacht nach Kopenhagen, von dort aus in der folgenden Nacht wiederum mit Zug und Fähre nach Oslo. Die Tage in Norwegen verbrachte ich zum Großteil im Zug, nicht nur nachts als Übernachtungsstätte, sondern auch tagsüber. In den Zügen der Bergen-, Flam- und Nordland-Bahn bekommt man viel vom Land der Fjorde zu sehen. Für Städte wie Trondheim und Bergen blieb nur wenig Zeit.

Interrail Karte 1986

Interrail Karte 1986

Nach Norwegen kam Finnland an die Reihe: Mit dem Zug durch das südliche Schweden nach Stockholm, von dort mit der Nachtfähre nach Turku. Die Nachtfähre, welch ein Luxus! Eine gepolsterte Liege! Eine willkommene Abwechslung zu den Zugübernachtungen der Tage zuvor. Die skandinavischen Züge haben oft nur Großraumwägen, und in denen schläft es sich deutlich schlechter als in einem “dünn”-besetzten Abteil. Von Turku ging es im Nachtzug in den finnischen Osten, morgens weiter entlang der sowjetischen Grenze in die finnische Hauptstadt Helsinki. Aus dem fahrenden Zug konnte man ein Blick hinter den eisernen Vorhang werfen, zumindest glaubten wir das.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich ein paar Jahre später für zwei Monate in Helsinki leben würde (und dann einen Wochenendausflug nach St. Petersburg machen würde, in die Stadt, die jetzt im Jahr 1986 noch Leningrad hieß und für einen Interrailer nicht erreichbar war). Helsinki ist – wie fast alle nordischen Städte – recht überschaubar. An einem Tag kann man viele der Sehenswürdigkeiten abklappern.

Der Weg führte uns vom Süden Finnlands in dessen Norden, zu Fuß ging es über die Grenze, vom finnischen Tornio ins schwedische Harapanda. Wenn auch schon recht weit im Norden, so doch immer noch südlich des Polarkreises. Will man den Polarkreis überqueren gibt es mit der Bahn nur die Möglichkeit weiter nach Narvik zu fahren. Narvik – in Norwegen gelegen – liegt am Ende der Ofot-Bahn und ist hauptsächlich für seinen großen Eisenerzverladehafen bekannt. Kommt man in Narvik erst am frühen Abend an (und will von der Stadt noch etwas sehen), so gibt es keine Möglichkeit mehr für einen Nachtzug. Man braucht eine andere Übernachtungsmöglichkeit. Eine Bank im Wartesaal des Bahnhofes. Nur der Bahnhof schließt in der Nacht für ein paar Stunden. Und draußen ist es – auch im August – frostig kalt, besonders dann, wenn man ohne Schlafsack und Isomatte unterwegs ist. Ein abgestellter, nicht verschlossener Bauwaggon bietet die Rettung, zumindest bis früh morgens der Bahnhof wieder öffnet.

Narvik ist der nördliche Wendepunkt der Reise (eine Weiterfahrt zum Nordkap ist ohne eigenes Fahrzeug kaum möglich), jetzt geht es nur noch südwärts. Stockholm (bei schönstem Wetter) und Göteborg (bei Regen) werden besucht. Weiter mit Fähren und Zügen bis nach Hamburg. In Hamburg ist gerade Dom, das große Vergnügungsfest auf dem Heiligengeistfeld. Ein – für mich – einzigartiges Erlebnis: Ich fahre zum ersten und zum letzten (!) Mal in meinem Leben Achterbahn! Ein unbeschreiblicher Horror. Die schlottrigen Knie sind mir bis heute in Erinnerung.

Von Hamburg sollte es wieder per Trampen nach Holland gehen. Nach der Nacht auf dem Hauptbahnhof suchen wir uns eine breite Straße und stellen uns mit dem Daumen nach oben an den Straßenrand. Mit dem ersten Auto, das uns irgendwann mitnimmt, kommen wir nicht weit. Bis Hittfeld, nur ein paar Kilometer südlich von Hamburg. An eine Autobahnauffahrt, die niemand zu nutzen scheint. Als nach Stunden (!) ein Auto hält und uns mitnimmt, vergesse ich meine Brille, ich hatte sie – müde vom ewigen Warten für ein Schläfchen auf dem Seitenstreifen abgenommen  – liegen lassen. Zum Glück fiel mir mein unscharfes Leben schnell auf…

Ich hatte nicht nur das Glück, meine Brille unbeschädigt wieder zu bekommen, das weitere Glück war auch, dass sich das stundenlange Warten gelohnt hatte. Unser Fahrer wollte bis nach Jülich. Nur einen Katzensprung weg von Aachen. In Aachen empfängt uns ein warmer, nachts nicht schließender Wartesaal. Früh morgens soll es mit dem Zug nach Brüssel gehen, ein Plan, der im ersten Anlauf scheitert, da wir Brüssel verschlafen und nachdem wir es merken und zu weit gefahren sind, erst wieder umdrehen müssen.

Die Reise geht ihrem Ende entgegen, Amsterdam (mit einem feucht-fröhlichen Besuch der Heineken-Brauerei) und Paris stehen noch auf dem Programm. Dann über die Schweiz zurück nach Donaueschingen. Ein Eintagestripp auf das Jungfraujoch und eine Wochenendfahrt nach Wien kommen noch dazu.

Die zweite Interrail-Reise ist vorbei. Bis zur dritten (und letzten) werden zwei Jahre vergehen.

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