Schlagwort-Archive: Osnabrück

Die ersten Zwanzig

In Erinnerung an Jörg

15. Oktober 1986
Stuttgart
Mit dem Tag der Erstsemestereinführung an der Physik-Fakultät der Universität Stuttgart beginnt für mich die Studienzeit. Zwei anderen Neu-Studenten, mit denen ich in den nächsten Jahren viel Zeit verbringen werde, begegne ich während der Erstsemestereinführung zum ersten Mal.

Physik-Hochhaus der Universität Stuttgart

Physik-Hochhaus der Universität Stuttgart

30. September 1993
Stuttgart
Der Tag der Exmatrikulation ist auch das Ende meiner Stuttgarter Zeit. Der Arbeitsmarkt ist – auch für Neu-Physiker – alles andere als gut. Über drei Ecken erhalte ich das Angebot bei einem Hersteller für Windkraftanlagen arbeiten zu können. Dafür ziehe ich Anfang Oktober 1993 nach Osnabrück, in den Norden Deutschlands. Meine Studienfreunde – auch die beiden oben erwähnten – bleiben in Stuttgart, sie hatten sich für eine Promotion entschieden.

Zumindest einmal im Jahr treffe ich die Studienfreunde wieder. Meist in der Weihnachtszeit, immer in Stuttgart. Im Laufe des Jahres 1996 endet auch für sie endgültig die Zeit des Studiums und sie verstreuen sich quer über Deutschland. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt schon von Osnabrück nach München weitergezogen. Deshalb schlug ich ein Wiedersehenstreffen in Bayern vor, genaugenommen am Rand der Alpen.

1
1996
Garmisch-Partenkirchen und Umgebung
Ende August treffen wir uns auf dem zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald gelegenen Campingplatz Tennsee. Das Wetter ist regnerisch und kühl. Neben Besuchen der Partnachklamm und des Walchensees erleben wir ein wohl als historisch zu bezeichnendes 7:1 im Eishockey-Länderspiel zwischen Deutschland und Tschechien.

Campingplatz Tennsee

Campingplatz Tennsee


Olympia Eissportzentrum: World Cup-Eishockey-Länderspiel Deutschland - Tschechien

Olympia Eissportzentrum: World Cup-Eishockey-Länderspiel Deutschland – Tschechien


Partnachklamm

Partnachklamm


Dass dieses Treffen für uns Fünf eine lange Tradition begründen wird, das war uns allen damals bestimmt noch nicht bewusst. Auf jeden Fall wollten wir uns im darauf folgenden Jahr wieder treffen. Auf einem Campingplatz werden wir aber – zumindest bis heute – nicht mehr übernachten.

2
1997
Niederlande
Eine feste Unterkunft haben wir auch 1997 noch nicht. Wir mieten uns für Anfang Oktober ein Boot und tuckern von Woubrugge aus über die Kanäle und Seen Hollands. Unerfahren wie wir alle im Bootsfahren sind, bleibt das eine oder andere kleinere Missgeschick nicht aus. Zwei Steuerkonsolen an Bord machen das Bootsfahren dabei nicht unbedingt einfacher. Kaputtes Geschirr und eine Schramme am Boot zeugen am Ende davon. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – wird diese Reise im Rückblick immer für Heiterkeit sorgen.

Bootstour Holland

Bootstour Holland


Bootstour Holland

Bootstour Holland


Bootstour Holland

Bootstour Holland


Bootstour Holland

Bootstour Holland

3
1998
Fränkische Schweiz
Wiederum Anfang Oktober findet das dritte Treffen statt, halbwegs in der Mitte von unseren damaligen Wohnorten in der Fränkischen Schweiz. Höhlen und andere geheimnisvolle Orte stehen auf dem Programm, dazu ein Ausflug nach Bamberg.

Ruinentheater im Felsengarten von Sanspareil

Ruinentheater im Felsengarten von Sanspareil


Ferienwohnung Kirchahorn

Ferienwohnung Kirchahorn


Druidenhain Wohlmannsgesees

Druidenhain Wohlmannsgesees


Altes Rathaus Bamberg

Altes Rathaus Bamberg

4
1999
Prag
Nach den eher Natur-orientierten ersten drei Studie-Reisen steht im Juli 1999 mit der tschechischen Hauptstadt Prag zum ersten Mal eine reine Städtereise an.

U Fleku Prag

U Fleku Prag


Prag

Prag


Prag: Moldau, Karlsbrücke, Nikolauskirche, Burg, St.-Veits-Kathedrale

Prag: Moldau, Karlsbrücke, Nikolauskirche, Burg, St.-Veits-Kathedrale

5
2000
Budapest
Budapest im hochsommerlich-heißen Juli ist das Ziel im Jahr 2000.

Budapest

Budapest


Budapest

Budapest


Matthiaskirche Budapest

Matthiaskirche Budapest


Budapest: Kettenbrücke, Donau, Palais Gresham (Sezessionspalast) und St.-Stephans-Basilika

Budapest: Kettenbrücke, Donau, Palais Gresham (Sezessionspalast) und St.-Stephans-Basilika

6
2001
Malta
Malta ist das erste Ziel im Süden Europas, das wir anlässlich unserer jährlichen Treffen besuchen. Über den 1. Mai fliegen wir für ein paar Tage dorthin, haben unsere Unterkunft in Valletta, fahren aber auch mit dem Mietwagen kreuz und quer über die Insel. Bei der Aussage „Fuel is extra“ war uns allerdings nicht klar, dass der Mietwagen überhaupt erstmal „Fuel“ brauchen würde. Tankstellen sind aber am 1. Mai geschlossen. Bis – zum Glück – auf die sehr wenigen, die einen Münzautomaten haben. Nicht zum einzigen Mal während unserer Reisen sind wir an einem der Abende in einer Kneipe, um Fußball zu schauen. In Malta sehen wir so einen Sieg des FC Bayern Münchens im Champions League-Halbfinalhinspiel gegen Real Madrid.

Valletta

Valletta


Fort St. Elmo in Valletta

Fort St. Elmo in Valletta


Ghar Hassan

Ghar Hassan

Hagar Qim

Hagar Qim

7
2002
Südtirol
Nach dem Ausflug in die Ferne geht es Ende Oktober 2002 ins – zumindest für Münchner – nahe gelegene Südtirol.

Halbweghütte am Mendelpass

Halbweghütte am Mendelpass


Blick vom Penegal auf die Dolomiten

Blick vom Penegal auf die Dolomiten


Kreideturm bei Eppan

Kreideturm bei Eppan

8
2003
Elsaß
Nach Südtirol im Vorjahr wird auch die Reise ins französische Elsaß im Oktober 2003 eine Mischung aus Natur und Kultur. Und exzellentem Essen.

Zigeunerfelsen bei Niedersteinbach

Zigeunerfelsen bei Niedersteinbach


Burg Fleckenstein bei Lembach

Burg Fleckenstein bei Lembach

Schon seit Südtirol sind Teddy und Teddine immer auf unseren Studie-Reisen dabei.

Burg Fleckenstein beim Lembach: Teddy und Teddine

Burg Fleckenstein beim Lembach: Teddy und Teddine

9
2004
Trier / Luxemburg
Bei angenehmen Temperaturen besuchen wir im Herbst 2004 die alte Römerstadt Trier und das nicht weit davon entfernte Luxemburg.

Kaiserthermen Trier

Kaiserthermen Trier


Porta Nigra Trier

Porta Nigra Trier


Luxemburg: Unterstadt Grund, Alzette und Oberstadt mit St. Michael

Luxemburg: Unterstadt Grund, Alzette und Oberstadt mit St. Michael

10
2005
Mallorca
Studie-Treffen Nummer 10! Zu unserem Jubiläum geht es nach Mallorca. Nicht zum Ballermann (der hat im November wohl auch geschlossen), sondern zu Land und Leute quer über die Insel. Ihr fragt euch: Fünf Kerle auf Tour in Malle und kein Ballermann? Nicht, dass es abends auch mal ein Bier gäbe, aber tagsüber steht – wie auf all unseren Reisen – das Besichtigen und Fotografieren im Vordergrund. Kein Wunder, wenn von den Fünfen drei Hardcore-Fotografen sind…

Puig de Santa Maria

Puig de Santa Maria


Castell de Bellver Palma de Mallorca

Castell de Bellver Palma de Mallorca


Cap de Formentor

Cap de Formentor

11
2006
Sizilien
Nach Malta und Mallorca ist Sizilien die dritte Insel im Mittelmeer, die wir im Rahmen unserer jährlichen Treffen besuchen. Zum ersten Mal auf unseren Studie-Reisen wechseln wir täglich das Quartier. Start und Ende ist Palermo, Stationen dazwischen sind unter anderem Erice, der Ätna, Taormina, Syrakus, Noto und Agrigent. Obwohl schon Ende Oktober haben wir traumhaftes Wetter.

Agrigent: Concordia-Tempel im Tal der Tempel

Agrigent: Concordia-Tempel im Tal der Tempel


Ätna

Ätna


Ätna

Ätna


Syrakus: Griechisches Theater im Parco Archeologico della Neapoli

Syrakus: Griechisches Theater im Parco Archeologico della Neapoli

12
2007
Istanbul
Istanbul, das wir Ende Mai / Anfang Juni besuchen, ist – abgesehen von einem Schiffsausflug auf dem Bosporus – wieder eine klassische Städtereise.

Topkapi-Palast Istanbul

Topkapi-Palast Istanbul


Süleymaniye-Moschee Istanbul

Süleymaniye-Moschee Istanbul


Yerebatan-Zisterne Istanbul

Yerebatan-Zisterne Istanbul

13
2008
Thüringen
Wieder einmal ein Ziel in Deutschland: Thüringen im Mai 2008. Ausgangsort unserer „Exkursionen“ ist die thüringische Landeshauptstadt Erfurt. Für alle geht es von dort mit dem Rad nach Weimar, für die meisten mit selbigem auch wieder zurück. Für den Ausflug nach Gotha teilen wir uns auf, ich gehöre zum Zweimannteam, das den Zug nimmt (der Plattfuß auf dem Rückweg von Weimar hatte mich frustriert…). Der Nationalpark Hainich und Bad Langensalza sind der Abschluss des Ausfluges in die ehem. DDR.
Da wir alle mit Autos angereist sind, haben wir endlich auch noch eine weitere Möglichkeit: Dias schauen bis zum Abwinken (bei Flugreisen möchte dann doch keiner einen Projektor mitschleifen…). Wobei… Das mit dem Abwinken stimmt so nicht ganz genau, aus Erfahrung mit früheren derartigen Abenden musste jeder, der Dias mitbrachte, sich auf 200 Stück limitieren. Noch bis zur Reise nach Rom 2011 bleiben die schon erwähnten drei Hardcore-Fotografen dem Dia treu.

Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich

Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich


Erfurt

Erfurt


Weimar

Weimar


Gotha

Gotha

14
2009
Belgien
Brüssel ist Übernachtungsort für unsere Reise nach Belgien im Mai 2009. Die Stadt ist viel abwechslungsreicher als man sie aus den Nachrichten kennt. Neben dem bekannten Europaviertel existiert beispielsweise eine Altstadt und das nette Comic-Viertel. Brüssel ist nicht die einzige Stadt, die wir uns in Belgien anschauen. Ausflüge nach Ostende, Brügge, Mechelen und Antwerpen stehen tagsüber auf dem Programm. Abends versuchen wir uns einen Überblick über die schier unendliche Vielfalt belgischer Biere zu verschaffen.

Atomium Brüssel

Atomium Brüssel


Brüssel

Brüssel


Auch das ist Brüssel

Auch das ist Brüssel


Mechelen

Mechelen


Brügge

Brügge


Antwerpen

Antwerpen


Ostende

Ostende

15
2010
Ruhrgebiet
Auf das Ruhrgebiet als Reiseziel kommt vielleicht nicht jeder. Aber es lohnt sich. Die Anlagen aus dem Zeitalter von Steinkohle und Stahl sind beeindruckend, besonders die Zeche Zollverein in Essen und der Landschaftspark Duisburg-Nord. Das Wetter hätte für Mai besser sein können, aber alles in allem haben wir – wie fast immer auf unseren gemeinsamen Reisen! – Glück.

Park der Villa Hügel in Essen

Park der Villa Hügel in Essen


Zeche Zollverein Essen

Zeche Zollverein Essen


Gasometer Oberhausen

Gasometer Oberhausen


Landschaftspark Duisburg-Nord

Landschaftspark Duisburg-Nord


Schleusenpark Waltrop

Schleusenpark Waltrop

16
2011
Rom
Ruinen der klassischen Art gibt es in Rom (im Vergleich zu den Industrieruinen im Jahr zuvor). Und Hunderte Kirchen. Und Paläste, Brunnen, Plätze, Monumente. Und italienisches Essen. Die ewige Geschichte der Stadt lebt an fast jeder Ecke. Anfang Juni ist es schon sommerlich warm. Die Idee, unser Gepäck am letzten Reisetag im Bahnhofsschließfach zu lassen, geben wir in Anbetracht der riesigen Schlange schnell wieder auf. Stattdessen rumpeln wir mit den Rollkoffern ein letztes Mal durch die Stadt.

Palatin in Rom

Palatin in Rom


Rom

Rom


Kolosseum Rom

Kolosseum Rom


Rom: Via dei Fori Imperiali und Monumento Vittorio Emanuele II

Rom: Via dei Fori Imperiali und Monumento Vittorio Emanuele II


Spaghetti Carbonara

Spaghetti Carbonara

17
2012
Stockholm
In Stockholm im Juni 2912 ist etwas grundlegend anders als in den Jahren zuvor. Wir sind nur noch zu viert. Jörg ist im Herbst 2011 verstorben. Meistens legen wir uns schon während der aktuellen Reise auf ein Ziel für das kommende Jahr fest, zusammen mit einer Person, die Dinge wie Reisetermin, Unterkunft oder einen Mietwagen für die nachfolgende Reise organisiert. Wenn ich mich richtig erinnere, war es Jörgs Idee Stockholm zu besuchen, er wollte diese Reise auch organisieren. Er konnte es nicht mehr tun.

Stockholm

Stockholm


Stockholm

Stockholm


Vaxholm (Schären)

Vaxholm (Schären)


Stockholm

Stockholm


Stockholm

Stockholm

18
2013
Südfrankreich
Anfang und Ende der Reise durch Südfrankreich im Oktober 2013 verbringen wir in Marseille, in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt. Für die drei Tage dazwischen übernachten wir in Avignon und machen Ausflüge nach Aix-en-Provence, Orange, Carpentras, zum Pont du Gard, nach Nîmes, Aigues-Mortes, Les Baux-de-Provence, Arles und in die Camargue.

Marseille

Marseille


Marseille: Alter Hafen (Vieux-Port) und La Garde mit der Basilique Notre-Dame-de-la-Garde

Marseille: Alter Hafen (Vieux-Port) und La Garde mit der Basilique Notre-Dame-de-la-Garde


MuCEM (Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée) in Marseille

MuCEM (Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée) in Marseille


Markt auf dem Place des Prêcheurs in Aix-en-Provence

Markt auf dem Place des Prêcheurs in Aix-en-Provence


Pont d'Avignon über die Rhone

Pont d’Avignon über die Rhone


Antikes Theater von Orange

Antikes Theater von Orange


Cathédrale Saint-Siffrein de Carpentras

Cathédrale Saint-Siffrein de Carpentras


Pont du Gard

Pont du Gard


Place des Arènes in Nîmes

Place des Arènes in Nîmes


Aigues-Mortes

Aigues-Mortes


Les Baux-de-Provence: Burgruine Château des Baux

Les Baux-de-Provence: Burgruine Château des Baux


Amphitheater (Arènes d'Arles)

Amphitheater (Arènes d’Arles)


Camargue: Rosaflamingos im Étang de Vaccarès

Camargue: Rosaflamingos im Étang de Vaccarès


Meerwassersalinen in der Camargue

Meerwassersalinen in der Camargue

19
2014
Südpolen
Polen stand schon früher als mögliches Reiseziel zur Diskussion. Im Herbst 2014 ist es dann so weit. Wir treffen uns für unser fünftägiges Treffen in Krakau, der früheren polnischen Hauptstadt. Zwei von uns, die schon am Morgen des ersten Reisetages anreisen, nutzen das zu einem Ausflug ins Salzbergwerk Wieliczka. Von Krakau geht es bei regnerisch-trübem Wetter am dritten Tag über Kalwaria Zebrzydowska nach Auschwitz. In einer mehrstündigen Führung werden uns die Stätten, die für den unglaublichen nationalsozialistischen Terror stehen, gezeigt. Tief bedrückt geht es abends weiter nach Breslau.

Großer Ring Breslau

Großer Ring Breslau


Salzbergwerk Wieliczka

Salzbergwerk Wieliczka


Hauptmarkt Krakau

Hauptmarkt Krakau


Kalwaria Zebrzydowska

Kalwaria Zebrzydowska


Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau


Jahrhunderthalle Breslau

Jahrhunderthalle Breslau


Großer Ring (Rynek) und Innerer Ringblock in Breslau

Großer Ring (Rynek) und Innerer Ringblock in Breslau

20
2015
Schottland
Nach den städtisch orientierten Reisen der Jahre zuvor steht zum Jubiläum unserer zwanzigsten gemeinsamen Reise eine Mischung aus Kultur, Natur und Technik (!) auf dem Programm. Start und Ende der Rundreise durch den Süden und die Mitte Schottlands ist Edinburgh. Schottland steht nicht im Ruf das schönste Wetter Europas zu haben. Das können wir auch nach unseren fünf Tagen im Mai 2015 bestätigen, von Regen bis strahlendem Sonnenschein war alles dabei. Mit einem deutlichen Mehr an schönem Wetter.
Am ersten Reisetag geht es für drei von uns von Edinburgh nach Dumfries nahe der Irischen See, mit Zwischenstopps bei den Ruinen von Melrose Abbey und Jedburgh Abbey. Unseren vierten Mann treffen wir erst in Dumfries auf dem Weg ins Pub, stürmisches Wetter hatte seine Anreise verzögert. War der erste Tag geprägt von Klosterruinen, so liegt am zweiten der Schwerpunkt auf Schlösser und Burgen. Vom Caerlaverock Castle geht es über Drumlanrig Castle zum wunderschön gelegenen Culzean Castle. Balloch ist unser nächster Übernachtungsort und Start für unsere Fahrt durch den Loch Lomond and The Trossachs National Park. Ein früherer Musiker der brtischen Armee betreibt die Unterkunft, in der wir in Callander übernachten. Nicht nur, dass er seine Gäste mit Dudelsackmusik weckt, er begleitet auch das Frühstück mit musikalischen Einlagen. Zwei der bekanntesten Schlösser Schottlands stehen am vorletzten Tag auf unserem Programm, morgens Stirling Castle, nachmittags Edinburgh Castle, dazwischen besichtigen wir das Falkirk Wheel, ein Schiffshebewerk in Form eines Riesenrades. Am letzten Tag beschließt ein weiterer Stadtspaziergang durch Edinburgh unsere Schottlandreise.

Loch Lomond and The Trossachs National Park

Loch Lomond and The Trossachs National Park


Edinburgh Castle

Edinburgh Castle


Melrose Abbey

Melrose Abbey


Jedburgh Abbey

Jedburgh Abbey


Caerlaverock Castle

Caerlaverock Castle


Drumlanrig Castle

Drumlanrig Castle


Culzean Castle

Culzean Castle


Loch Lomond and The Trossachs National Park

Loch Lomond and The Trossachs National Park


The Highland Guest House Callander

The Highland Guest House Callander


The Highland Guest House Callander

The Highland Guest House Callander


The Highland Guest House Callander: Scotish Breakfast

The Highland Guest House Callander: Scotish Breakfast


Stirling Castle

Stirling Castle


Falkirk Wheel

Falkirk Wheel


Blick vom Nelson Monument auf Old Town, Edinburgh Castle und New Town

Blick vom Nelson Monument auf Old Town, Edinburgh Castle und New Town


On the road

On the road

Eine bestimmte Reise herauszuheben wäre gegenüber all den anderen ungerecht. Und so interessant jede einzelne von ihnen auch war, das besondere ist, dass wir uns – auch nach all den Jahren – immer auf unser Wiedersehen freuen. Bei aller Wichtigkeit der Besichtigungen und des Fotografierens ist das Schönste an diesen Treffen die Zeit, die wir miteinander verbringen.

Die ersten Zwanzig waren erst der Anfang. Nummer 21 ist schon geplant.

Gustav Hertz, Otto Waalkes, Franka Potente, …

… 20 Millionen hier namentlich Nicht-Genannte und ich.

Wir haben eines gemeinsam – den gleichen Tag als Start ins Leben.

1967 – Donaueschingen

Altes Krankenhaus (Donaueschingen)

1982 – München

München

München

1983 – Hamburg

Der „offizielle“ Beginn meiner selbstgeplanten Reisetätigkeiten.

Hamburger Hafen

Hamburger Hafen

1984 – Breisach am Rhein

Breisach am Rhein

Breisach am Rhein

1985 – Wartenberg

Führerschein! Fahrt mit der Sponsorin Oma auf den Wartenberg. Und Blick nach unten.

Wartenberg: Blick auf Pfohren

Wartenberg: Blick auf Pfohren

1986 – Hüfingen

Durch den Commodore 64 kam ich zu meinem ersten Job als Softwareentwickler – ich hatte im Blogeintrag über meine dritte Interrail-Tour schon einmal darüber geschrieben. Vier Monate lange habe ich im Sommer 1986 bei der Fürstenberg Holzindustrie kleinere und größere Programme auf dem C64 geschrieben. Ein traumhafter Ferienjob. Nur ein Tag war anders. Irgendwelche Teile mussten dringend fertig werden. Ich half in der Produktion nicht nur aus, ich musste abends auch länger bleiben. Eigentlich nicht weiter schlimm. Wenn es nicht gerade mein Geburtstag gewesen wäre…

Ich nahm mir vor, in meinem wirklichen Berufsleben solchen Problemen aus dem Weg zu gehen, am besten durch einen Urlaubstag.

Dem wirklichen Berufsleben stand aber noch das Physikstudium im Weg. Und dem Physikstudium steht das Chemiepraktikum und sein Abschlusstest im Weg…

1987 – DER Chemietest

Universität Stuttgart

1988 – Peloponnes (Griechenland)

Griechenland

Peloponnes (Griechenland)

1992 – Leuzebad Stuttgart

Mineralbad Leuze Stuttgart

1994 – Rubbenbruchsee (Osnabrück)

Rubbenbruchsee (Osnabrück)

1995 – Sutthauser Straße Osnabrück

Sutthauser Straße Osnabrück

Sutthauser Straße Osnabrück

1998 – Elbsandsteingebirge (Sachsen)

Elbsandsteingebirge (Bastei)

Elbsandsteingebirge (Bastei)

1999 – Gardasee (Italien)

Gardasee (Italien)

Gardasee (Italien)

2001 – Feringasee (Unterföhring)

Feringasee (Unterföhring)

2003 – Alpamare Bad Tölz

Alpamare Bad Tölz

2004 – Deutsches Theater: „One Night of Queen – Live in Concert“

Deutsches Theater: "One Night of Queen - Live in Concert"

Deutsches Theater: "One Night of Queen - Live in Concert"

2005 – Julische Alpen (Slowenien)

Julische Alpen (Slowenien)

Julische Alpen (Slowenien)

2006 – Kapruner Tal (Österreich)

Kapruner Tal (Österreich)

Kapruner Tal (Österreich)

2007 – Krumau an der Moldau (Tschechische Republik)

Krumau an der Moldau (Tschechnische Republik)

Krumau an der Moldau (Tschechnische Republik)

2008 – Saragossa (Spanien)

Saragossa (Spanien)

Saragossa (Spanien)

2009 – Iveragh-Halbinsel (Irland)

Irland

Iveragh-Halbinsel (Irland)

2010 – Gibraltar

Gibraltar

Gibraltar

2011 – Wien (Österreich)

Der überraschendste Überraschungsbesuch an einem Geburtstag. Und Bon Jovi.

Ernst-Happel-Stadion Wien: Nach dem Bon Jovi-Konzert

Ernst-Happel-Stadion Wien: Nach dem Bon Jovi-Konzert

2012 – München

 

Zeltdachbegehung Olympiastadion München

Olympiastadion München

Olympiastadion München

2013 – Rom

Ippodromo delle Capannelle (Rock in Roma)

Ippodromo delle Capannelle (Rock in Roma)


Ippodromo delle Capannelle (Rock in Roma): Deep Purple

Ippodromo delle Capannelle (Rock in Roma): Deep Purple

Und eine neue Berühmtheit, geboren an einem 22. Juli: George Alexander Louis.

2014 – Lyon

Le Laurencin Lyon: Die Vorspeise

Le Laurencin Lyon: Die Vorspeise


Le Laurencin Lyon: Das Hauptgericht

Le Laurencin Lyon: Das Hauptgericht


Und Nachspeisen gab es auch noch.

2015 – Lucca (Italien)

Piazza Napoleone (Lucca Summer Festival 2015)

Piazza Napoleone (Lucca Summer Festival 2015): Konzertankündigungen für Mark Knopfler (22. Juli) und Robbie Williams (23. Juli)

2016 – Besançon (Frankreich)

La Fabrique Besançon

La Fabrique Besançon

2017 – München

Olympiastadion München

Olympiastadion München

Olympiastadion München: Robbie Williams

Olympiastadion München: Robbie Williams

Fortsetzung folgt.

Besuch bei Verwandten – die Berggorillas in Ruanda

Mein Interesse an Portugal brachte mich dazu an der Stuttgarter Volkshochschule mit dem Lernen von Portugiesisch anzufangen. Als ich mich nach meiner Studienzeit – zu meiner eigenen Überraschung – plötzlich in Osnabrück wiederfand, wollte ich die Portugiesisch-Kenntnisse nicht wieder sang- und klanglos untergehen lassen. Ich belegte an der dortigen Universität als Gasthörer einen abendlichen Portugiesisch-Kurs. Die Teilnehmer waren fast alles Studenten, nur ein weiterer Nicht-Student war noch dabei, ein Geografie-Professor.

Durch den Professor hatte ich dann das Vergnügen an Exkursionen, die er für seine Studenten anbot, teilzunehmen, darunter eine mehrtägige Exkursion quer durch den Nordwesten Deutschlands. Auch nach meiner Zeit in Osnabrück riss der Kontakt zu ihm nie ab.

So kam es 2006 zu einer gemeinsamen Afrika-Reise durch Malawi und Tansania. Aufgrund einer Gastprofessur, die er an der Universität von Mzuzu inne hatte, organisierte er für Osnabrücker Studenten fast jährlich Exkursionen in Afrika. Die Exkursion 2006 war aber nicht für Studenten sondern für Verwandte und Freunde gedacht.

Kamuzu International Airport in Lilongwe

Kamuzu International Airport in Lilongwe

In einer dreiwöchigen Reise ging es mit eigenen Fahrzeugen von der malawischen Hauptstadt Lilongwe entlang des Malawisees ins südliche Tansania und auf die Insel Sansibar. Für einen Großteil der Reisegruppe bildete Sansibar den Abschluss der Reise. Der Professor machte sich mit seiner Lebensgefährtin auf den Rückweg nach Malawi, die restlichen Teilnehmer traten von Daressalam aus den Rückflug nach Deutschland an.

Nicht aber ich. Von dem Gedanken beseelt, wenn man denn schon mal in der Gegend ist (wobei Gegend in diesem Fall – recht großzügig betrachtet – das zentrale Afrika meint), dann könnte man ja noch bei den Berggorillas in Ruanda vorbei schauen. Von Daressalam nach Ruanda sind es ja nur knapp 1500 Kilometer…

Der Gedanke, die Affen zu besuchen, kam natürlich nicht erst an einem lauen Abend auf Sansibar, sondern schon Monate zu vor. Was auch gut so war. Denn einfach mal so zu den Virunga-Vulkanen im Norden Ruandas zu fahren, um die Gorillas aufzusuchen, das geht nicht. Der Otto-Normal-Bürger mit nicht zu engen Budgetbegrenzungen macht das folgendermaßen: Er geht in ein auf Afrika-Reisen spezialisiertes Reisebüro und lässt sich das organisieren. Der Nachteil dabei ist, es ist sehr teuer.

Wirklich billig wird es, wenn man es selbst organisiert, allerdings auch nicht. Aber man kann trotzdem viele Hundert Euros sparen.

Wichtigste Grundlage für den Gorillabesuch in Ruanda ist ein Permit. Die Zahl der Besucher ist streng limitiert (was allem Anschein nach auch strikt eingehalten wird). Berggorillas leben in freier Wildbahn in mehr oder weniger großen Gruppen, angeführt von einem Silberrücken. Und ein paar wenige dieser frei lebenden Gorillagruppen (die Gesamtzahl aller frei lebender Berggorillas wird auf gerade mal 700 geschätzt) sind an den Besuch von Menschen gewöhnt. Maximal acht Personen dürfen für maximal eine Stunde pro Tag eine solche Gruppe besuchen. Zusammen mit einem Führer und mehreren bewaffneten Soldaten (eine Vorsichtsmaßnahme aufgrund der politisch nicht  ganz spannungsfreien Lage im Grenzgebiet zwischen Ruanda, Uganda und dem Kongo).

Im Vorfeld der Afrikareise nehme ich deshalb Kontakt zum Rwanda Tourism Board auf und bezahle 375 US-Dollar (!) pro Person für das genannte Permit. In diesem Preis sind allerdings keine Anfahrts- und keine Übernachtungskosten enthalten, nur die Berechtigung an einem ganz bestimmten Tag an einer Gorilla-Besuchstour teilnehmen zu dürfen.

Zurück nach Afrika, nach Daressalam in Tansania. Von dort fliegen meine damalige Freundin und ich mit Kenya Airways und einem Zwischenstopp in Nairobi nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Dieser Flug bot einen unglaublich schönen, wolkenlosen Blick auf Afrikas höchsten Berg, den Kilimandscharo.

Ruanda stand für mich auf einer Liste mit Ländern wie Kuwait oder Kambodscha, man hat zumindest ein leicht mulmiges Gefühl und weiß nicht so recht, was einen erwartet. Der letzte Genozid, bei dem 1994 innerhalb weniger Wochen fast eine Million Menschen umgebracht wurden, ist gerade einmal ein gutes Jahrzehnt her.

In Kigali suchen wir das Büro des Rwanda Tourism Boards auf und bekommen nun auch eine schriftliche Form des erwähnten Permits, zusammen mit genauen Anweisungen, wann wir uns wo einzufinden hätten.

Gorillabesuchsgenehmigung ("das Permit")

Gorillabesuchsgenehmigung ("das Permit")

Von Kigali aus geht es im Minibus nach Ruhengeri. Minibusfahrten gehören zu den Dingen, die sich der weiter oben erwähnte Otto-Normal-Bürger bei einer organisierten Reise erspart. Ihm entgeht dadurch ein – meiner Meinung nach – eher zweifelhaftes Vergnügen. Losgefahren wird, wenn der Minibus voll ist. Und beim Wort voll gibt es keinen Interpretationsspielraum! Ich bezahle für zwei Plätze, einen für mich, einen für meinen Rucksack. Der Sitzreihenabstand lässt den Rückschluss zu, dass die Einheimischen ein zusätzliches Gelenk im Bereich des Oberschenkels haben müssen. Da die Wiege der Menschheit quasi ums Eck liegt und die Evolution dadurch hier mehr Zeit als in anderen Weltgegenden hatte, bin ich sogar davon überzeugt…

Die für afrikanische Verhältnisse sehr guten Straßen in Ruanda spornen die Minibusfahrer zu sportlichen Höchstleistungen an (unterstützt durch die profillosen Reifen…). Unser Fahrer hat allerdings Pech, er gerät in eine Radarkontrolle. Und nach seinem Gesichtsausdruck zu schließen, war die Strafe weit höher als sein Tagesverdienst. Davon nicht wirklich beeindruckt (oder vielleicht davon ausgehend, dass es nur eine Radarpistole in Ruanda gibt), versucht er die verlorene Zeit auf der restlichen Strecke wieder reinzuholen.

Ruhengeri liegt im Nordwesten Ruandas zu Füßen der Virunga-Vulkane. Um zum Hauptquartier des Vulkan-Nationalparks, dem Ausgangsort der Gorilla-Touren zu kommen, braucht man allerdings ein Allradfahrzeug. Es zu organisieren klappt noch einfach, den Fahrer zu bezahlen, ist allerdings eine Herausforderung. Nicht, dass es unendlich teuer wäre oder dass wir kein Geld dabei hätten, nein, das Problem sind die Jahreszahlen auf unseren 20-Dollar-Geldscheinen (ruandische Franc werden gar nicht akzeptiert). Ein Druckdatum vor dem Jahr 2000 macht den Geldschein in den Augen unseres Fahrers als wertlos. Nur mit viel Aufwand bekommen wir genügend „gültiges“ Geld zusammen.

Hotel Muhabura in Ruhengeri

Hotel Muhabura in Ruhengeri

Nach einer sehr unruhigen Nacht sind wir am frühen Morgen am Hauptquartier des Vulkan-Nationalparks. Dort findet eine Einweisung in die Verhaltensweise beim Gorillabesuch und die Einteilung der Touristen auf die verschiedenen Gorilla-Gruppen statt. Nachdem ich kurz die Beschreibung der einzelnen Gruppen (und insbesondere deren aktuelle Lage in den Bergen) überflogen hatte, entschied ich mich zielstrebig für Gruppe 13.

Die Führer kennen zwar den ungefähren Aufenthaltsort der jeweilige Gruppen, aber da die Tiere immer wieder weiter ziehen, nicht ihren aktuellen Ort (allerdings gibt es auch Ranger, die rund um die Uhr in der Nähe der Tiere bleiben, und diese insbesondere vor Wilderern schützen sollen). Wir haben Glück! Schon nach einer guten Stunde schweißtreibenden Marschierens durch den Dschungel sind wir in der Nähe „unserer“ Berggorillas. Bis auf die Kameras wird das gesamte Gepäck abgelegt und man nähert sich auf Zehenspitzen den Tieren (die morgendlichen Erläuterungen über Scheinangriffe von sich bedroht fühlenden Silberrücken habe ich noch in den Ohren…).

Für mich war es einer der beeindruckendsten Augenblicke in meinem Leben, plötzlich einer vielköpfigen Gorillagruppe mitten in ihrer Heimatwelt gegenüber zu stehen. Während wir den Mindestabstand zu den Tieren einhalten zu versuchen (insbesondere um mögliche Krankheitsübertragungen zu vermeiden), nehmen die Gorillakinder darauf nicht immer Rücksicht. Unbeeindruckt tollen sie um uns herum. Der Silberrücken und die anderen älteren Tiere beobachten die Situation in aller Ruhe. Immer mehr Tiere entdecken wir im teilweise dichten Dschungelgeflecht. Auf die Minute genau nach einer Stunde ist das Schauspiel vorbei. Den restlichen Tag haben die Gorillas menschenfrei. Die Emotionalität dieser Stunde ist schwer zu beschreiben. Nie fühlte ich mich unseren tierischen Verwandten näher.

Besuchszertifikat

Besuchszertifikat

Einmal in Ruanda wollten wir aber auch vom restlichen Land noch mehr sehen. Es ist ein Land der extremen Gegensätze. „Land der tausend Hügel“ wird es völlig berechtigt genannt. Und – bis auf die wenigen Ausnahmen in Form von Nationalparks – wird jeder dieser Hügel landwirtschaftlich genutzt. Was bei einer Bevölkerungsdichte von über 300 Personen pro Quadratkilometer auch gar nicht anders geht.

Allgegenwärtig ist aber auch die jüngere ruandische Geschichte mit dem Genozid von 1994. Schon in Kigali – zu Beginn des Besuches in Ruanda – haben wir Gedenkstätten und Massengräber (mit Zehntausenden von Toten) gesehen. Bei einem Besuch der Genoizid-Gedenkstätte in Murambi, einer ehemaligen Schule, erzählt uns ein Überlebender seine Geschichte. Schon das Zuhören ist fast physisch schmerzhaft.

Plakate am Straßenrand weisen auf die Gacaca-Gerichte hin, einer traditionellen Gerichtsform, die die Verbrechen des Völkermordes auf örtlicher Ebene aufarbeiten. Einmal die Woche ruht das normale Leben und das Dorf sitzt zu Gericht. Selbst die Läden haben dann geschlossen.

Von Kibuye aus geht es mit privatem Fahrzeug und eigenem Fahrer (ich hatte mich geweigert, weitere Minibusfahrten zu machen…) entlang des Kivusees in den Südwesten des Landes, nur noch eine Brücke vom immer wieder kriegsumtobten Ostkongo entfernt. Einer der letzten, noch nicht landwirtschaftlich genutzen Flecken Ruandas ist der Nyungwe-Wald, ein immergrüner Bergregenwald. Unweit davon überqueren wir die Wasserscheide zwischen Afrikas bedeutendsten Flüssen, dem Nil, der seinen Weg in nördlicher Richtung sucht und im Mittelmeer endet, und dem Kongo der westwärts in den Atlantik strebt. Beide Flüsse besitzen Quellen hier in Ruanda.

Nach einem letzten Tag in der Hauptstadt Kigali (mit einem Besuch des Hôtel des Mille Collines, bekannt aus dem Film „Hotel Ruanda“) geht es heimwärts. Die Abfertigung auf dem Flughafen Kigalis geschieht komplett per Hand, einschließlich handgeschriebener Bordkarten und Gepäckanhänger.

Bordkarte Flug Kigali - Addis Abeba (Ethiopian Airlines)

Bordkarte Flug Kigali - Addis Abeba (Ethiopian Airlines)

Aber es funktioniert. Alles – auch wir – kommen wohlbehalten in Frankfurt am Main an.

Steine im Dom

Von meinen jährlichen Treffen mit alten Studienfreunden habe ich schon berichtet. Mit einem aus dieser Gruppe hatte ich meine Diplomarbeitszeit am Stuttgarter Max-Planck-Institut für Metallforschung verbracht (speziell im A-Raum – was für ein unglaublich einfallsreicher Namen für ein Labor! Und ja, den B-Raum gab es auch… – des Pelletron-Gebäudes). Dieser Freund promovierte später und ging für eine Post-Doc-Stelle 1994 nach Japan. Gerne dürfe ich ihn doch auch dort mal besuchen…

Ich hatte Europa zu diesem Zeitpunkt noch nie verlassen (mit einem gewissen geologischen Anspruch könnte man sagen, dass der westliche Teil Islands zu Amerika, Teile der Azoren gar zu Afrika gehören…), finanziell war das während des Studiums (oder gar davor) und jetzt – mitten in meinen Osnabrücker Windkraftzeiten – einfach nicht drin. Aber ich ließ mich zu der Aussage hinreißen, wenn er Karten für die Rolling Stones in Tokio besorgen würde, dann würde ich zu dem Konzert mitkommen (woher ich von diesen Konzerten wusste – man darf nicht vergessen, 1994 ist noch das Vor-Web-Zeitalter (zumindest was den allgemeinen Privatgebrauch betrifft) -, kann ich heute nicht mehr sagen). So richtig ernst, habe ich das nicht genommen und Tickets bekommt man bestimmt auch nicht so leicht.

Ich denke, es war um die Weihnachtszeit 1994, als ich erfuhr, dass mein Studienfreund zwei Tickets für ein Rolling Stones-Konzert am 17. März 1995 bekommen hatte. In Tokio. Nun musste ich nur noch meinen Teil des Versprechens einlösen…

Ich kratzte mein Geld zusammen, hatte die Aussicht durch einen Windkraft-Vortrag ein paar Yen zuverdienen und die Möglichkeit in einer Studentenunterkunft umsonst übernachten zu können. Mit deutschem Wein und mehrsprachigen (!) Osnabrück-Bildbänden im Gepäck (als Gastgeschenke für die Unterkunftsverwalterin und den Professor, der meinen Vortrag organisierte) ging es los.  Zug von Osnabrück nach Düsseldorf, kurzer Hüpfer nach Brüssel und weiter nach Tokio.

Für den Weg von Narita, den nordöstlich von Tokio gelegenen internationalen Flughafen, nach Hiratsukaka, den Ort der Post-Doc-Stelle meines Studienfreundes (und südlich von Tokio gelegen), hatte ich eine genaue Beschreibung in der Tasche. Flughafenzug nach Shinjuku im Zentrum Tokios, dort in einen Zug der Odakyū Odawara Line, einer S-Bahn-artige Vorortbahn, umsteigen und am Bahnhof Hadano wieder raus. Hört sich einfach an, oder? Für den Flughafen stimmt das auch, da ist das meiste auch auf Englisch angeschrieben. In Shinjuku aber nicht. Die Abfahrtsgleise der Odakyū Odawara Line hatte ich schnell gefunden, nur ist diese Line genaugenommen zwei Linien. Und nur auf einer Linie liegt mein Zielbahnhof. Ich zeige meinen Zettel mit den japanischen Schriftzeichen meiner Endstation herum und irgendwann heißt es, das sei mein Zug. „Heißt es“ ist eigentlich falsch, die Japaner sind hilfsbereit, vermeiden aber das gesprochene (englische) Wort.

Ich komme an und freue mich auf die Unterkunft in Hiratsuka. Sie bietet bei klarem Wetter einen Blick auf Japans heiligem Berg, dem Fuji.

Hiratsuka mit Fuji

Hiratsuka mit Fuji

An weniger klaren Tagen – das waren leider die meisten während meines knapp zweiwöchigen Aufenthalts – hat  man immer noch den Ausblick auf eine Straßenbaustelle vor dem Haus. Das klingt jetzt nicht besonders spannend, ist es wohl auch nicht, hat aber – zumindest für einen Nicht-Japaner – einen gewissen Unterhaltungswert. Der Verkehr an der Baustelle wird durch – in schicke Uniformen und weiße Handschuhe gekleidete – Menschen geregelt, die sogenannten „Winker“, einen Namen, den sie von mir aufgrund ihrer Tätigkeit bekamen. Und sie taten das – und tun es vielleicht noch immer – mit einer unglaublichen Gewissenhaftigkeit…

Neben dem oben erwähnten Windkraft-Vortrag stehen in den ersten Tagen Ausflüge in die nähere Umgebung an, darunter das nicht enden wollende Häusermeer Tokios, die Kleinstadt Odawara und die Insel Enoshima. Selbst in Tokio sieht man wenige westliche Touristen, außerhalb fast gar nicht. Und das „Sehen“ ist in diesem Fall einfach, da die meisten Nicht-Japaner selbst in Menschenmeeren aufgrund ihrer Körpergröße immer schnell sichtbar sind. An das Fehlen lateinischer Buchstaben gewöhne ich mich schnell. Ausgerüstet mit den Schriftzeichen der wichtigsten Orten komme ich überall klar. Und richtig genial sind die Shokuhin sampuru, nachgemachte Nahrungsmittel aus Plastik, die sich im Schaufenster eines jeden Restaurants befinden.

Shokuhin sampuru

Shokuhin sampuru

Und Shokuhin sampuru gibt es nicht nur für Essen…

Shokuhin sampuru

Shokuhin sampuru

Verhungern kann man also nicht. Und obwohl das Preisniveau in Japan relativ hoch ist – die wahrscheinlich bis heute teuerste Dose Bier in meinem Leben trinke ich im Hard Rock Cafe Tokios -, ist das Essen in einfachen Restaurants bezahlbar und gut.

Um nicht nur Tokio und seine Umgebung kennenzulernen, habe ich schon vor der Reise den Japan Rail Pass gekauft (das „vor der Reise“ ist wichtig, man bekommt den Pass nur im Ausland!). Mit ihm hat man die Möglichkeit alle Züge von Japan Rail für einen bestimmten Zeitraum ohne zusätzliche Kosten zu nutzen, insbesondere auch die Hochgeschwindigkeitszüge Shinkansen.

Japan Rail Pass

Japan Rail Pass

Ausflüge in die Hunderte Kilometer entfernten Städte Sendai (relativ weit im Norden Honshus), Kyoto und Nara (beide südwestlich von Tokio gelegen) sind damit problemlos an einem Tag möglich. Morgens hin, abends zurück. Kyoto vermittelt einen gewissen Eindruck des „alten“ Japans, die Stadt hatte als eine der wenigen Städte Japans das Glück, nicht im Zweiten Weltkrieg zerstört zu werden. Ein Tagesausflug nach Hiroshima (seine Zerstörung durch eine Atombombe jährt sich heute das 65. Mal) klappt nicht, die Shinkansen-Linie dorthin ist durch ein schweres Erdbeben teilweise zerstört.

Noch fehlen allerdings die „Auslöser“ der Japan-Reise. Die Rolling Stones. An insgesamt sieben Abenden treten sie im Rahmen ihrer Voodoo Lounge-Tour im Tokyo Dome, einem überdachten Baseballstadion für über 50000 Zuschauer, auf.

Wir haben Tickets für die Tribüne, was für die hinter uns stehenden Japaner zumindest eine gewisse Möglichkeit bietet, auch etwas zu sehen (alle Plätze im Stadion sind zwar Sitzplätze, aber alle Besucher stehen mit Beginn des ersten Tones von Not Fade Away auf, und das obwohl der Stadionsprecher doch gesagt hatte, man solle während des Konzertes sitzen bleiben…). Das allgemeine Aufstehen ist nicht das einzig Auffallende, ein Großteil des Publikums ist im Anzug gekommen, oft mit Aktentasche (was wohl am frühen Beginn des Konzertes liegt), und spendet Beifall eher zurückhaltend. Ein kurzes Klatschen am Ende jeder Nummer, das wars. Da fallen die wenigen Westler im Publikum gleich wieder auf…

Tokyo Dome: The Rolling Stones

Tokyo Dome: The Rolling Stones

Der frühe Beginn des Konzerts hatte auch ein frühes Ende zur Folge. Mit einem Vorortzug ging es „nach Hause“. Wir unterhielten uns auf Deutsch. Das erregte die Aufmerksamkeit eines älteren Japaners, der sich als Medizinprofessor vorstellte. Er berichtete davon, dass er regelmäßig in Hamburg gewesen ist, und dadurch auch ein wenig Deutsch gelernt hat. Um das Gespräch noch fortzusetzen lud er uns auf ein Essen in einem japanischen Restaurant ein. Mit Sushi und reichlich Sake, dem japanischen Reiswein, wurde es ein lustiger Abend. Später folgten noch ein paar Dosen Bier und Indiana Jones im Gemeinschaftsraum der „heimischen“ Unterkunft.

Am Tag drauf begann das große Leiden, nicht wegen Sake und Bier, vielmehr hatte mich die japanische Grippe erwischt. Die Ausflüge nach Kamakura und in den Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark konnte ich leider nur noch bedingt genießen. Der ewig-lange Rückflug nach Europa war in der trocknen Flugzeugluft ein ziemlicher Horror. Dabei hatte ich großes Glück und ging dem wahren Horror aus dem Weg. Am Morgen meines Rückfluges waren die Giftgasanschläge in der Tokioter U-Bahn.

Japan war ein Erlebnis, keine Frage. Auf der Liste der Länder, die ich für eine Reise in den Fernen Osten empfehlen würde, steht es aber nicht ganz oben. Im Vergleich zu China oder den Staaten Südostasiens ist es sehr teuer, auch die touristischen Höhepunkte sind – wenn man nicht riesige, unüberschaubare Stadtlandschaften ohne Ende liebt – von begrenzter Anzahl. Ergibt sich aber – wie in meinem Fall – eine (relativ) „günstige“ Gelegenheit nach Japan zu reisen, dann nur zu!