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Wembley 2013 – Football Is Coming Hoam

Ein Rückblick auf DEN sportlichen Höhepunkt des Jahres 2013. Und das ganze ohne viel Worte.

London, Wembley-Stadion, 25. Mai 2013
Champions League Finale
FC Bayern München – Borussia Dortmund

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013 – White Horse Bridge und Wembley-Stadion
Der Name für die White Horse Bridge wurde in einer Internet-Umfrage gesucht. Dort bekam der Name „Dieter Hamann Bridge“ die meisten Stimmen (Dieter Hamann war der letzte Torschütze im alten Wembley-Stadion), wurde dann aber – unverständlicherweise – nicht verwendet…

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley-Stadion London

Wembley 25. Mai 2013

Champions League Finale 2013 FC Bayern München - Borussia Dortmund
Der Münchner Stadionsprecher Stephan Lehmann präsentiert die Mannschaftsaufstellung des (künftigen) Champions League-Siegers 2013, dem FC Bayern München: 1 Manuel Neuer, 4 Dante, 7 Franck Ribéry, 8 Javi Martinez, 9 Mario Mandzukic, 10 Arjen Robben, 17 Jerome Boateng, 21 Philipp Lahm, 25 Thomas Müller, 27 David Alaba, 31 Bastian Schweinsteiger

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Aufwärmen

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Eröffnungszeremonie – Paul Breitner an der Spitze der Bayern-Delegation.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Eröffnungszeremonie

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Eröffnungszeremonie

Wembley 25. Mai 2013
Eröffnungszeremonie

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Eröffnungszeremonie

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Choreografie der Bayern-Fans.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Kurz vor dem Anpfiff.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

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Wembley 25. Mai 2013
Halbzeit (0:0)

Wembley 25. Mai 2013

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Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
60. Spielminute. Die Spieler und Fans des FC Bayern bejubeln das 1:0 durch Mario Mandzukic.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
89. Spielminute. Die Spieler und Fans des FC Bayern bejubeln das 2:1 durch Arjen Robben.

Wembley 25. Mai 2013

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Wembley 25. Mai 2013
Spielende (2:1)

Wembley 25. Mai 2013

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Wembley 25. Mai 2013
Dortmunder Kurve. Auf der Videoleinwand wird der Name des FC Bayern München in den Champions League Pokal eingraviert.

Wembley 25. Mai 2013

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Arjen Robben.

Wembley 25. Mai 2013

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Wembley 25. Mai 2013
Das Tor und die Eckfahnen werden gut behütet (21:42 Uhr).

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Die Spieler von Borussia Dortmund bedanken sich bei ihren Fans.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Champions League Sieger 2013: Der FC Bayern München.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Die Spieler des FC Bayern auf dem Weg zur Siegerehrung.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Siegerehrung für den FC Bayern (v.l.): Claudio Pizarro, Anatolij Tymoschtschuk, Rafinha, Dante, Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger (mit Bundeskanzlerin Angela Merkel) und Philipp Lahm (mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Siegerehrung für den FC Bayern: Pokalübergabe und Goldschnipselregen.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Siegerehrung für den FC Bayern (v.l.): Claudio Pizarro, Javi Martínez, Thomas Müller, Anatolij Tymoschtschuk, Mario Mandzukic, Diego Contento, Xherdan Shaqiri, Luiz Gustavo.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Siegerehrung für den FC Bayern (v.l.): Thomas Müller auf den Schultern von Manuel Neuer.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Siegerehrung für den FC Bayern (v.l.): David Alaba, Mario Mandzukic, Jupp Heynckes, Karl-Heinz Rummenigge, Bastian Schweinsteiger, Emre Can.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Siegerehrung für den FC Bayern (v.l.): Anatolij Tymoschtschuk, David Alaba, Mario Mandzukic, Franck Ribéry, Jupp Heynckes, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Bastian Schweinsteiger, Daniel Van Buyten, Emre Can, Claudio Pizarro.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Siegerehrung für den FC Bayern (v.l.): Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Das Tor und die Eckfahnen werden gut behütet (22:06 Uhr).

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Franck Ribéry auf den Spuren von Franz Beckenbauer 1990.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Die Spieler des FC Bayern feiern ihren Trainer Jupp Heynckes.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Die leere Westtribüne.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Die Spieler des FC Bayern zerlegen das Tor, in das sie zweimal getroffen hatten.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
Ein Fan des FC Bayern. 🙂

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013
2 Stunden nach Spielschluss – Das Stadion ist leer.

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Wembley 25. Mai 2013

Italia! Italia!

„Italia! Italia!“ Diese Worte höre ich nicht von begeisterten Fans in einem Fußballstadion, sondern von Leuten, die auf die eine oder andere Weise auf dem Flughafen von Neapel arbeiten. Und wirklich begeistert sind sie auch nicht.

Was ist passiert? Die lange Version? Ok, warum nicht 🙂

Im August 2012 kündigt Mark Knopfler seine Privateering-Tour mit Konzerten im Frühling/Sommer 2013 an. Zwei Termine bringen meine Augen zum Leuchten. Der 27. Mai in London (noch dazu in der Royal Albert Hall!) und der 14. Juli in Neapel. Der London-Termin ist schnell erklärt. Denn, wenn es noch einen Grund gebraucht hätte, in jenen Maitagen noch London zu fliegen, jetzt ist er gefunden. Denn der 27. Mai ist der Montag, der jenem Samstag folgt, an dem im Wembley-Stadion das Champions League-Endspiel 2013 stattfinden wird…

Aber warum Neapel? In Neapel war ich schon einmal. Das ist aber über 25 Jahre her. Und seitdem wollte ich mal wieder dorthin. Aus beruflichen Gründen sind ausgedehnte Reisen im Juli 2013 nicht möglich. Aber da das Neapel-Konzert an einem Sonntag ist, würde sich das Ziel hervorragend für ein (verlängertes) Wochenende eignen.

Gründe für die beiden Knopfler-Konzerte gab es also genug. Noch ein bisschen Überzeugungsarbeit. Dann sind die Tickets für die beiden Konzerte gekauft. Und kurz darauf auch entsprechende Flüge gebucht.

Das London-Wochenende im Mai 2013 wird einzigartig. Der Zufall will es, dass am Anreisetag, dem Freitag (vor dem oben genannten Montag), Eric Clapton in der Royal Albert Hall spielt und ich auch noch Tickets dafür bekomme (wenn auch sehr ungewöhnliche).

Royal Albert Hall London

Royal Albert Hall London


Royal Albert Hall London: Eric Clapton

Royal Albert Hall London: Eric Clapton


Royal Albert Hall London: Mark Knopfler

Royal Albert Hall London: Mark Knopfler

Und dann ist da ja auch noch DER Samstag zwischen EC’s Auftritt am Freitagabend und MK’s Konzert am Montagabend. Nach 2010 in Madrid und 2012 dahoam das 3. Champions League-Endspiel des FC Bayern München innerhalb kürzester Zeit.

Wembley-Stadion London

Wembley-Stadion London

Anfang Juli geht es dann in den Süden Italiens. 4 Tage, 3 Nächte am Golf von Neapel. Um auch die Umgebung Neapels erkunden zu können habe ich für die erste Zeit ein Mietwagen. Mit diesem geht es als erstes in das westlich von Neapel gelegene Pozzuoli, das neben einigen römischen Ausgrabungen die Phlegräischen Felder als Sehenswürdigkeit bietet.

Amphitheater Pozzuoli

Amphitheater Pozzuoli

Die Phlegräischen Felder sind ein über 150 Quadratkilometer großes Gebiet erhöhter vulkanischer Tätigkeit, sehr gut zu besichtigen im Krater des Vulkans Solfatara. Dort treten an mehreren Stellen heiße Dämpfe aus dem Erdinnern, an anderen Stellen blubbert es und über allem liegt ein penetranter Schwefelgeruch (nichtsdestotrotz liegt innerhalb dieses Kraters ein Campingplatz).

Solfatara

Solfatara

Der bekannteste Vulkan am Golf von Neapel ist allerdings nicht die Solfatara sondern der Vesuv. Und dieser ist das erste Ziel unseres zweiten Tages. Aufgrund längerer nächtlicher Probleme mit der Tür unseres Hotelzimmers (wieder einmal versagte die Technik des elektronischen Schlosses) kommen wir am Parkplatz unterhalb des Vesuvgipfels später an als geplant.

Vesuv

Vesuv

Bei gut 30 Grad im Schatten geht es hoch zum Kraterrand. Schatten gibt es in der baumlosen Landschaft allerdings nicht. Der Blick in den Kraterschlund ist faszinierend, der Blick auf die Bucht von Neapel – am Fuße des Vesuvs gelegen – aber durch Wolken meist stark eingeschränkt.

Der Vesuv ist ein aktiver Vulkan, auch wenn sein bekanntester Ausbruch – die sog. Pompeji-Eruption – schon fast 2000 Jahre zurückliegt. Und genau dieses Pompeji, das mit dem Vesuvausbruch im Jahr 79 n. Chr. untergegangen ist, besuchen wir am Nachmittag des gleichen Tages. Die verschüttete Stadt geriet für Jahrhunderte in Vergessenheit, erst im 18. Jahrhundert wurde sie wiederentdeckt.

Pompeji - im Hintergrund der Vesuv

Pompeji – im Hintergrund der Vesuv

Ein fast immer leicht wehender Wind macht die Tour durch die Ruinen – trotz der heißen Temperaturen – erträglich. Die in den Medien oft kolportierte Verwahrlosung Pompejis kann ich aber nicht feststellen, sowohl für den Zufluss als auch für den Abfluss von Flüssigkeiten ist gesorgt.

Die meist besuchte Sehenswürdigkeit in Pompei ist allerdings nicht, wie ich gedacht hatte, das römische Pompeji, sondern das „Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz“ (Santuario della Beata Vergine del Rosario), eine römisch-katholische Marien-Wallfahrtskirche, die jährlich von über vier Millionen Pilgern besucht wird. Mit einem Besuch diese Kathedrale – sie steht im Range einer Papstbasilika – starten wir unseren dritten Reisetag.

Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz in Pompei

Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz in Pompei

Zeit für Herculaneum bleibt leider nicht mehr, denn wir müssen unseren Mietwagen vor 12 Uhr am Flughafen Neapel abgeben. Davor gilt es noch das Tankproblem zu lösen, Möglichkeit 1 besteht darin das Auto nicht vollgetankt abzugeben, dann muss ich den kompletten ersten Tankinhalt bezahlen. Eine schlechte Option, denn dafür haben wir viel zu wenig verbraucht. Möglichkeit 2 ist selbst vollzutanken.

Kurz vor dem Flughafen von Neapel erblicken wir eine offene Esso-Tankstelle. Nachdem uns der Tankwart vollgetankt hat, gehe ich mit ihm ins Kassenhäuschen und reiche ihm einen 50-Euro-Schein. Er nimmt ihn, blubbert aber ständig von „Carta, Carta“. Ich vermute, er will, dass ich stattdessen mit Kreditkarte zahle. Warum das denn? Er hat doch 50 Euro. Und die müssen doch für die paar Liter sicher reichen. Er lässt nicht locker. Und will den 50-Euro-Schein aber auch nicht annehmen. Ich frage, was es denn jetzt kosten würde? Er deutet auf ein Display, dass einen Meter weg steht, noch dazu leicht durch eine Pflanze verdeckt ist. Dort steht ein Betrag von knapp unter 30 Euro.

Esso-Tankstelle Neapel

Esso-Tankstelle Neapel

Um so weniger verstehe ich, warum er nicht meinen 50-Euro-Schein annehmen will. Ich kratze 30 Euro in kleineren Scheinen zusammen und gebe ihm diese. Er gibt mir meinen 50-Euro-Schein zurück. Das denke ich zumindest.

Noch auf den wenigen Metern von der Tankstelle zum Flughafen werde ich stutzig. Ich schaue mir den zurückgegebenen 50-Euro-Schein noch einmal an. Und merke sofort, dass ist nicht meiner. Nicht, dass ich meine Geldscheine auswendig kennen würde, nein, aber dieser war nicht der Schein, den ich vor kurzem dem Tankwart gegen hatte. Denn der Schein, den ich jetzt hatte, das war Falschgeld.

Was tun? Wir entschließen uns zur Polizei zu gehen. Das sollte ja am internationalen Flughafen der Millionenstadt Neapel kein Problem sein. Also, noch kurz den Mietwagen abgegeben, dann die Polizeistation gesucht. Und gefunden. Dort angekommen macht uns der anwesende Polizist klar, dass er weder Deutsch noch Englisch spräche. Und mit dem falschen Fuffziger, dem ich zeige, auch nichts anzufangen weiß.

So schnell gebe ich nicht auf. Ich bin ja auch ziemlich sauer, so dreist übers Ohr gehauen worden zu sein. Und jetzt interessiert sich der Polizist in der Polizeistation des internationalen Flughafens der drittgrößten Stadt Italiens nicht dafür? Irgendwann steht er dann doch auf und wir gehen gemeinsam zu einem Flughafenschalter, an dem eine Angestellte Englisch spricht. Sie übersetzt ihm meine Geschichte. Währenddessen kommen noch mehr Flughafenangestellte hinzu. Sie alle begutachten den Geldschein und sind – mit einer Ausnahme – auch einig, dass dieser Schein falsch ist. Nur einen interessiert das alles gar nicht mehr. Der Polizist ist schon wieder weg. Auf meinen fragenden Blick in die Runde der Flughafenangestellten, bekomme ich nur eine Antwort: „Italia! Italia!“

Echt und falsch

Echt und falsch

Ohne einen weiteren Versuch den falschen Schein in italienische Polizeihände zu geben packe ich den falschen Fuffziger ein und nehme ihn mit nach Hause, wo er seinen Weg zum bayerischen Landeskriminalamt findet.

Vor dem Rückflug bleibt aber noch Zeit Neapel kennenzulernen. Und natürlich Mark Knopfler live zu sehen! Neapel ist eine verrückte Stadt. Sie ist das Zentrum einer Metropolregion von drei, vier Millionen Einwohnern. Und hat – das ist richtig spürbar – eine hohe Bevölkerungsdichte, über 8000 Einwohnern pro Quadratkilometer. In Rom – zum Vergleich – leben „nur“ etwa 2000 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Aber mir gefällt Neapel.

Neapel, Golf von Neapel, Vesuv

Neapel, Golf von Neapel, Vesuv

Ursprünglich sollte Mark Knopfler auf der Piazza del Plebescito in der Altstadt Neapels auftreten. Da es sich um einen öffentlichen Platz handelt, kam ein Politiker der Stadt auf die Idee, kostenlosen Eintritt für das Konzert zu fordern. Das Management von Mark Knopfler war wohl darüber nicht so glücklich und beschloss den Veranstaltungsort zu wechseln. Statt mitten in der Altstadt fand das Konzert nun in der Arena Flegrea statt, einer Freilichtbühne am Rande der Stadt. Eigentlich eine schöne Veranstaltungsstätte. Aber nicht für Rockkonzerte. Denn zwischen der Bühne und dem Publikum befindet sich ein riesiger Graben – gedacht für ein komplettes Orchester bei Opernaufführungen.

Arena Flegrea Neapel

Arena Flegrea Neapel

Open Airs beginnen in Italien sehr spät, in Mark Knopflers Fall um halb 10 abends. Zur Arena Flegrea zu kommen war kein Problem. Am frühen Abend fuhren Vorortzüge dort hin. Kurz vor Mitternacht aber, d.h. nach Konzertende, gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr mehr.

Arena Flegrea Neapel: Mark Knopfler

Arena Flegrea Neapel: Mark Knopfler

Aber wozu gibt es Taxis? Die Fahrpreisverhandlungen gestalten sich kurz. 40 Euro. Stand auf so auf der Liste des Taxifahrers. Und an diese Liste glaubte er. Die Alternativen waren nicht reichlich. Ok, besser als in einem dunklen Vorort Neapels umherzulaufen.

Weniger dunkel ist zu diesem Zeitpunkt die Innenstadt Neapels, in die es mit dem Taxi zurückgehen soll. Zur mitternächtlichen Stunde herrscht dort ein Treiben wie bei uns zur abendlichen Rushhour. Von dem Treiben habe ich allerdings nicht viel mitbekommen. Denn ich erlebe die Taxifahrt meines Lebens.

Taxi in Neapel.
Oben die Fahrstrecke von der Arena Flegrea zum Hotel. Unten das Geschwindigkeitsprofil. Die flachen Abschnitte sind Tunneldurchfahrten, in denen kein GPS-Signal vorhanden war, links die Galleria di Posillipo, rechts der Tunnel della Vittoria.
Die Darstellung erfolgt mit Hilfe des GPX Viewer-Scripts von Jürgen Berkemeier.

Rote Ampeln? Warum anhalten. Zebrastreifen mit Menschen darauf? Eine Lücke findet sich. Stockender Verkehr? Dafür gibt es doch Abkürzungen über Parkplätze, Fußgängerwege, Nebenstraßen oder notfalls auch die Gegenfahrbahn – letzteres besonders beliebt bei den Fahrten durch die Tunnel. Geschwindigkeitsbeschränkungen? Kann man beim Vorbeirasen ja nicht wirklich erkennen. Nur einmal kommt unser Fahrer kurz ins Grübeln. Die letzten Meter zu unserem Hotel „versperrt“ eine Einbahnstraße. Er findet dafür das Wort „Problem“. Aber, wie geschrieben, das Grübeln war kurz…

Wir sind nicht die einzigen mit interessanten Nach-Mark-Knopfler-in-Neapel-Taxi-Fahrten. Isaac – ein Blogger, der nicht nur wie ich zwei Konzerte von Mark Knopflers Privateering-Tour besucht, sondern alle! – schreibt dazu in seinem Blog folgendes:

The ride to the hotel was one of the scariest taxi rides I took in my entire life. I would never drive in Napoli. People here drive like complete and utter idiots. Sort of like Istanbul: you can never anticipate who’s going to do what. You can’t take anything for granted.

The drive took about 10 minutes but it felt like forever. I was sure we’re going to end up in a hospital somewhere: insane drivers. Luckily, got back to the hotel safely.

Quelle: Isaac’s “Privateering” Tour Blog

Nach einem weiteren Spaziergang durch die Altstadt Neapels am Morgen des vierten Reisetages geht es ohne Taxi und Mietwagen, sondern mit einem öffentlichen Bus zum Flughafen Neapels. Und von dort zurück nach Hause.

Italien im Sommer 2013 ist damit aber noch nicht zu Ende. Der Anlass für weitere Reisen in den Süden sind weitere Rockkonzerte. Deep Purple in Rom. Noch dazu an einem 22. Juli. Und Robbie Williams steht am 31. Juli in Mailand auf der Bühne des San-Siro-Stadions.

Ippodromo delle Capannelle (Rock in Roma): Deep Purple

Ippodromo delle Capannelle (Rock in Roma): Deep Purple

San Siro Mailand: Robbie Williams

San Siro Mailand: Robbie Williams

Juli und August sind nicht die idealen Reisemonate für Italien. Gibt es aber einen Anlass – wie es die drei Konzerte waren – und passt man sich den Verhältnissen – gut beschrieben mit dem spanischen Begriff Siesta – an, dann kann man das Land auch im Sommer gut bereisen. Und lange laue Sommerabende sind ja etwas ganz besonders Schönes.

Eric Clapton und die Royal Albert Hall

Zur Musik von Eric Clapton kam ich erst relativ spät. Ich erinnere mich noch gut, wie ich in meinem heimischen Plattenladen stand und die Doppel-Live-CD 24 Nights in den Händen hielt. Ohne die Musik von Clapton näher zu kennen, entschloss ich mich zu ihrem Kauf.

24 Nights ist zum einen eine Referenz auf Claptons bekannteste Live-Platte Just One Night, die ein Jahrzehnt früher entstand und ein einzelnes Konzert in Japan dokumentiert, zum anderen erinnert es an die 24 Abende, in denen ein Teil dieser CD entstand. 24 Abende im Februar und März 1991, an denen Clapton an nur einem Veranstaltungsort auftrat, in der Royal Albert Hall in London.

Royal Albert Hall

Royal Albert Hall

Royal Albert Hall und Eric Clapton, das ist etwas Besonderes, Clapton selbst spricht von seinem favorite venue to play in the world.

Mitte der 1990er Jahre ging eine ehemalige Arbeitskollegin für ein paar Jahre nach London. Ich gab ihr dazu einen Wunsch mit: Würde Clapton in London auftreten, solle sie doch bitte Tickets organisieren, ich würde auf jeden Fall dafür hinkommen. Dass dieses Konzert in der Royal Albert Hall sein würde, davon bin ich – ohne zu überlegen – ausgegangen.

Im Oktober 1998 war es soweit! Mein erstes Zusammentreffen mit EC! In London! Die Sache hatte nur einen kleinen Haken. Das Konzert fand nicht in der Royal Albert Hall statt (sondern im Earl’s Court), diese wurde nämlich in den Jahren um die Jahrtausendwende herum renoviert.

Earl's Court: Eric Clapton

Earl's Court: Eric Clapton

Weitere Clapton-Konzerte folgten in den darauffolgenden Jahren, zwei davon auf dem für solch einen Event wunderbaren Königsplatz in München. Aber keines in der Royal Albert Hall…

Dass es nun doch passiert ist – Royal Albert Hall, Eric Clapton und ICH -, das liegt am FC Bayern München. Klar, oder???

Herbst 2009. Die Bayern spielen eine katastrophale Gruppenphase in der Champions League. Ich hatte aber trotzdem das Gefühl, das diese Saison eine gute werde sollte. Und entschloss mich, einen Flug für das Pfingstwochende im Mai 2010 nach Madrid zu buchen. Denn genau am Pfingstsamstag sollte das Endspiel in der Champions League in Madrid sein. Der Rest ist Geschichte. Der FC Bayern kommt ins Endspiel, ich bin in Madrid und habe sogar Karten für das Spiel im Estadio Santiago Bernabéu.

Gewonnen hat der FC Bayern das Endspiel gegen Inter Mailand – wie man weiß – leider nicht. Neuer Versuch ein Jahr später. Dann wird das Endspiel in London sein. Mein Optimismus ist – trotz der diesmal hervorragenden Champions League-Gruppenphase des FC Bayern – nicht ganz so groß wie im Jahr zuvor. Trotzdem buche ich schon im Herbst einen Flug nach London für das entsprechende Wochenende. Um auch genügend Zeit für Besichtigungen und zum Fotografieren zu haben von Donnerstag bis Sonntag, vom 26. bis zum 29. Mai 2011.

Jetzt fehlt nur noch ein bisschen Glück… Das Glück, dass die Bayern wieder ins Endspiel kommen, das gibt es dieses Mal nicht. Dafür habe ich anderweitig Glück, großes Glück! Als treuer Leser von Where’s Eric! sehe ich rechtzeitig die Konzertankündigungen: Clapton & Winwood Announce May 2011 RAH Dates; Tickets On Sale From 4 October at 9AM. May 2011 meint den 26. und 27.! Was RAH ist und was ich am 4. Oktober 2010 gemacht habe, diese Fragen stellen sich nicht wirklich, oder? In Zeiten des Internets sind manche Wege sehr kurz…

Royal Albert Hall: Eric Clapton & Steve Winwood

Royal Albert Hall: Eric Clapton & Steve Winwood

Der 27. Mai 2011. Kein Regen wie am Vortag. Kein Regen bedeutet keine Erholungspausen. Besichtigungsprogramm von morgens bis abends. Der im Bau befindliche Olympiapark, die Docklands. Tower, Tower Bridge. Eigentlich mag ich nicht bei Rockkonzerten sitzen. An diesem Abend bin ich froh. Meine schmerzenden Füße danken es mir.

Royal Albert Hall

Royal Albert Hall

Die Royal Albert Hall, sie ist schöner als ich sie mir vorgestellt habe. Das Publikum ist – vorsichtig ausgedrückt – von reiferer Natur. Wen wundert es? Die Hauptdarsteller auf der Bühne sind ja auch schon alle jenseits der 60.

Als Vorgruppe tritt Andy Fairweather Low & The Low Riders auf. Fairweather Low ist auch ein „alter Bekannter“, er war zweiter Gittarist zum einen beim oben erwähnten Earl’s Court-Konzert von Clapton,  zum anderen beim Roger Waters‘ Konzert in der Münchner Olympiahalle 2002. Sein Auftritt heute ist nicht besonders spektakulär, macht aber Spaß!

Royal Albert Hall: Andy Fairweather Low & The Low Riders

Royal Albert Hall: Andy Fairweather Low & The Low Riders

Kurz nach halb 9 ist es dann so weit: Eric Clapton und Steve Winwood betreten zusammen mit ihren Bandkollegen die Bühne. Die nächsten gut zwei Stunden sind ein Höhepunkt meiner „Konzertkarriere„! (Konzertkarriere klingt doch großartig für jemanden, der nie ein Musikinstrument gespielt hat und dem der Musiklehrer schon in der 5. Klasse jegliches Gesangstalent absprach…).

Royal Albert Hall: Eric Clapton & Steve Winwood

Royal Albert Hall: Eric Clapton & Steve Winwood

Würde ich einzelne Nummern des Setlists (Had to Cry Today, Low Down, After Midnight, Presence Of The Lord, Glad, Well Alright, Hoochie Coochie Man, While You See A Chance, Key To The Highway, Pearly Queen, Crossroads, Georgia, Driftin’, That’s No Way To Get Along, Layla, Can’t Find My Way Home, Gimme Some Lovin’, Voodoo Chile, Cocaine, Dear Mr. Fantasy) herausgreifen, täte ich den anderen Unrecht. Daher lasse ich das lieber. Und noch eine Überraschung: Das angesprochene – reifere – Publikum geht richtig ab!

Royal Albert Hall

Royal Albert Hall

Bei ein, zwei Guinness klingt der wunderbare Abend aus.

Guinness und andere Biere

Guinness und andere Biere

Fünfmal zusammen mit seinem Blind Faith-Weggefährten Steve Winwood, sechsmal solo tritt Eric Clapton im Frühjahr 2011 in der Royal Albert Hall auf.

Eric Clapton & Steve Winwood in der Royal Albert Hall

Eric Clapton & Steve Winwood in der Royal Albert Hall

Ich bin glücklich, einen dieser Abende miterlebt zu haben!

Paranoia

Spiegel Online, Juli 2010. Über eine Millon Kameras in London. Nicht die Kameras, die die Touristen vor ihrem Bauch hängen haben, sondern die, die zur Überwachung seiner Bewohner und Besucher dienen. Jeder Quadratmeter der Stadt scheint von irgendeiner Kamera erfasst zu sein.

London, Mai 2011.

Hyde Park. Touris und Schulklassen – für ihren Sportunterricht – nutzen ihn zugleich. In manchen Gegenden des Parkes lässt es sich daher gar nicht vermeiden, Teile der Schulgruppen mit auf dem Bild zu haben, wenn man den Park fotografiert. Was passiert? Eine Lehrerin läuft uns hinter her und erklärt uns, dass es die Policy ihrer Schule ist, dass Schüler nicht fotografiert werden dürfen. So eine Policy mag ja das gute Recht einer Schule sein. Aber woher soll ich die Policy einer Schule, deren Schüler in einem öffentlichen Park Kricket oder Fußball spielen, kennen???

Fahrt in der U-Bahn. Nicht nur auf Mind the Gap weist der Fahrer hin, auch gibt er per Lautsprecher bekannt, dass das Fotografieren sowohl in den Zügen als auch auf den Bahnhöfen verboten sei. Und das gleich mehrmals.

Docklands. Kaum bekommt ein Sicherheitsmann meine Kamera zu Gesicht, schon fühl er sich bemüßigt mich darauf hinweisen zu müssen, dass es sich bei der Tiefgarageneinfahrt, vor der er steht, um einen Sicherheitsbereich handeln würde, der – natürlich – nicht fotografiert werden dürfe.

Ufer der Themse. Gegenüber der O2-Arena. Ein Mann im dunklen Anzug erklärt mir, er hätte mich auf den Überwachungskameras gesehen und müsse mir jetzt sagen, dass ich zwar die O2-Arena auf der gegenüberliegenden Themse-Seite fotografieren dürfe, nicht aber die Häuser auf dieser Flussseite. Die Begründung ist einfallsreich: die Häuser seien privat. Wie wird er dieses Verbot – über seine Richtigkeit und Sinnhaftigkeit will ich hier gar nicht diskutieren – für  Leute auf vorbeifahrenden Schiffen oder für Besucher der O2-Arena wohl durchsetzen? Und falls es ein solches Verbot denn gibt, woher weiß ich denn, welches Haus privat ist und welches nicht???

Auf der einen Seite die totale (filmische) Überwachung (wobei ja keiner weiß, wer da vor den Monitoren sitzt), auf der anderen Seite Fotografierverbote an jeder Ecke. Es ist beispielsweise auch – per Gesetz – inzwischen verboten Bobby’s zu fotografieren. Man läuft durch London und hat ständig das Gefühl beim Fotografieren etwas Unerlaubtes zu machen.

Mutig wie ich nun einmal bin – 🙂 -, habe ich trotzdem in London fotografiert. Viel sogar. Die Ergebnisse wird es wie immer auf Erde in Bildern geben.

Interrail – Die Erste

Die Deutschlandtour mit dem Tramper-Monats-Ticket 1984 war der Anfang meiner großen Bahnreisezeit. Drei Interrail-Touren in der Zeit zwischen 1985 und 1988 sollten folgen. Über die erste dieser Reisen soll es hier gehen.

Ende Juli 1985. Montag ist mein 18. Geburtstag. Mittwoch der letzte Tag in der 12. Klasse. Freitagabend die Abfahrt in Donaueschingen. Ziel: Paris. Das wichtigste Gepäckstück ist neben dem Fotoapparat der wirklich geniale Europafahrplan der Bundesbahn mit  allen wichtigen europäischen Zugverbindungen außerhalb Deutschlands.

Interrail Ticket 1985

Interrail Ticket 1985

Das Budget für die dreiwöchige Tour (für die zweiten 3 Wochen der Sommerferien hatte ich einen Ferienjob in Aussicht) ist knapp kalkuliert: 15 D-Mark pro Tag. Davon muss neben dem täglichen Essen (ergänzt durch eine große Salami, die ich zu Hause mitgenommen und im Rucksack dabei habe) alle anderen anfallenden Kosten bezahlt werden, d.h. Dinge wie Eintrittsgelder oder U-Bahn-Fahrkarten. Geld für Übernachtungen ist nicht eingeplant.

Auch das Fotomaterial ist streng limitiert. Durchschnittlich nur einen Film darf ich pro Tag verwenden (für die in der Digitalzeit groß Gewordenen: das sind gerade mal 36 Bilder pro Tag). Jede Aufnahme muss wohl überlegt sein. Oder sollte es zumindest. Und das auf einer Reise, während der ich zum ersten Mal in Paris, London, Rom und Wien sein werde. Aber es geht. Mit 20 belichteten Filmen werde ich nach Hause zurückkommen.

Paris bedeutet nicht nur eine große unbekannte Stadt, es bedeutet auch den ersten Geldwechsel. Und viele weitere sollten noch folgen, denn der Euro ist noch ein unbekanntes Wesen.

Nach dem Tag in Paris geht es abends weiter auf „die Insel“. Nicht durch den Eurotunnel, auch den gibt es 1985 noch nicht, sondern mit der Fähre. Die Nachtruhe wird dadurch zweimal unterbrochen, beim Wechsel vom Zug auf die Fähre in Dünkirchen, und wieder beim umgekehrten Wechsel in Dover. London empfängt uns am Morgen mit (in meinen Augen) typisch englischem Wetter, es regnet. Das hält mich und meine zwei mitreisenden Freunde aber nicht von der Stadtbesichtigung ab. Meiner Umhängetasche, in der sich neben der Fotoausrüstung, Reiseführer auch Essen (letzteres findet sich später dadurch leider auch in einem Objektiv wieder…) befindet, tut der Regen aber nicht gut. Sie zeigt Auflösungserscheinungen. In einer Behelfsmaßnahme tackere ich eine Plastiktüte in ihr Inneres. Mit dem Regen wird es auch am nächsten Tag, jetzt in Schottland, nicht viel besser.

Der Regen findet erst – nach einem zweiten Tag in London – bei der Rückkehr nach Paris ein Ende. Zuvor nahm aber – auf der Fahrt von London zur Kanalküste – mein Kulturbeutel samt Inhalt unfreiwillig Abschied von mir. Ausgelaufenes Shampoo zwang mich den Kulturbeutel zu waschen. Zum Trocknen habe ich ihn dann auf die Gepäckablage plaziert, dort lag er – zusammen mit seinem Inhalt – allerdings auch noch, als ich schon in der Fähre auf dem Rückweg zum Festland war. Ein durchaus großer Verlust. Der Neukauf einer Zahnbürste in einer französischen Apotheke reißt ein großes Loch in die Kasse.

Von Paris gibt es nachmittags mit dem TGV nach Lyon, von dort weiter im Nachtzug nach Bordeaux (ein nächtliches Kartenspiel mit ein paar Asiaten im Zugabteil wird erst dann besser als wir merkten, dass „stäkke“ bedeutet, dass eine Karte stärker als eine andere ist). Einem müden Tag in Bordeaux und an der Atlantikküste in Arcachon (einschließlich eines sehr kühlen Bades im Atlantik) folgt ein dritter Tag in Paris.

Interrail Karte 1985

Interrail Karte 1985

Über Monaco und nach einem Abstecher durch die Schweizer Alpen geht es nach Italien! Das Land der Lira. Der Regen ist vergessen. Dafür gibt es einen Sonnenbrand. Ohne Sonnencreme schlafe im am Adriastrand von Guilanova auf dem Bauch liegend ein… Aber auch ein Sonnenbrand kann noch sein gutes haben. In einer der darauf folgenden Nächte werde ich durch ihn mal wieder mitten in der Nacht geweckt. Es ist ruhig in unserem Abteil. Zu ruhig. Das wundert auch nicht. Unser Waggon steht auf einem Abstellgleis. Keiner hatte uns am Endbahnhof geweckt und aus dem Zug geschmissen. Wahrscheinlich hatte es der Schaffner nett mit uns gemeint.

Neben Rom (keine kurzen Hosen im Petersdom! Und der Luxus eines Stücks Pizza!) sind Venedig, Florenz und Pompeji (als altem Lateiner!) Höhepunkte dieses Teils der Reise. Das Übernachten in den Nachtzügen ist in Italien aber oft eine Qual. Sie sind voll bis zum Anschlag. Und bekommt man mal ein Abteil, endet die Fahrt – wie beschrieben – auf dem Abstellgleis. Bis zum Tag der Erkenntnis. Das Interrail-Ticket ist zwar eine Zweite-Klasse-Fahrkarte, aus den Gängen der ersten Klasse wird man aber auch nicht vertrieben. Ein Luxus! Nicht nur hat man im Gang der ersten Klasse Platz, um sich auszustrecken, sie sind auch mit Teppichen ausgelegt.

Vor der Rückkehr nach Hause geht es mit dem Besuch Salzburgs (einschließlich des James-Bond-Films „Im Angesicht des Todes“ abends im Kino) und Wiens noch nach Österreich. Durch die österreichischen und Schweizer Alpen findet meine erste Interrail-Reise in Schaffhausen (dort lassen wir uns abholen) ihr Ende, zumindest fast. Ein Besuch des Matterhorns (einschließlich des Aufstiegs zur 3260 Meter hochgelegenen Hörnlihütte) wird als Zugabe noch folgen.